Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Rettung von Nervenzellen bei Neurodegenerativen Erkrankungen

07.09.2006
Nervenzellen des Zentralen Nervensystems (ZNS) können vor dem Untergang gerettet werden, wenn das körpereigene Kontrollsystem, das die Balance zwischen Zellwachstum und Zelltod steuert, die Apoptose oder der programmierte Zelltod, gehemmt wird.

Das berichtete Professor Robert Korneluk von der Universität von Ottawa, Kanada, auf der internationalen Konferenz "Neurodegenerative Diseases: Molecular Mechanisms in a Functional Genomics Framework" im Max Delbrück Communications Center (MDC.C) in Berlin. Er und seine Mitarbeiter konnten das für neurodegenerative Erkrankungen wie Parkinson und eine erbliche Netzhauterkrankung, die Retinitis pigmentosa, in Tierversuchen zeigen.

Bei einer Reihe neurodegenerativer Erkrankungen gehen die Nervenzellen allmählich zugrunde, was zu schweren Bewegungsstörungen, geistigem Verfall und schließlich zum Tode führt. Die Apoptose ist ein Zellschutzprogramm, das es defekten Zellen ermöglicht, Selbstmord zu begehen, und damit den Organismus als Ganzes zu schützen.

In Krebszellen ist dieses Programm gestört, weshalb sie unaufhörlich wachsen und sich teilen. Krebsforscher versuchen deshalb, dieses Programm in den Krebszellen wiederherzustellen und sie damit in den Selbstmord zu treiben.

... mehr zu:
»Apoptose »IAP-Gene »Nervenzelle »Zelltod

Vor zehn Jahren hatte Professor Korneluk, Facharzt für Kinderkrankheiten und Forscher am Apoptosis Research Centre at the Children`s Hospital of Eastern Ontario Research Institute in Ottawa, eine Genfamilie entdeckt, die die Apoptose reguliert. Sie werden kurz IAP Gene genannt, die engl. Abkürzung steht für Inhibitors Apoptosis (IAP), also Gene die die Apoptose hemmen.

"IAP-Gene haben sich seit Urzeiten erhalten und sind vom Insekt bis hin zum Menschen zu finden", sagte Dr. Korneluk in Berlin. "Ihre Proteine unterdrücken den programmierten Zelltod sehr wirksam.""Sie binden und blockieren damit die Schlüsselenzyme, die so genannten Caspasen. Diese Enzyme lösen den programmierten Zelltod aus und sind damit für das Schicksal einer Zelle entscheidend". "Die IAPs sind die einzig bekannten körpereigenen Moleküle, die die Caspasen blockieren. Caspasen lösen nicht nur die Apoptose aus, sondern führen auch die Kaskade des programmierten Zelltods ganz entscheidend weiter", sagte er in Berlin.

"Wurde die Proteinproduktion der IAP-Gene erhöht, waren die Zellen vor dem Untergang geschützt", sagte Professor Korneluk. "So konnten wir zum Beispiel im Tierversuch zeigen, dass durch Erhöhung der Aktivität der IAP-Gene mit Hilfe eines gentherapeutischen Ansatzes die Tiere vor Parkinson, Retinitis pigmentosa (RP), einer ererbten Erkrankung der Netzhaut, und Schlaganfall geschützt waren."

Professor Korneluk vertrat deshalb die Ansicht, dass es sehr wirksam sein könnte, die Aktivität der IAP-Gene in Nervenzellen, die von einer neurodegenerativen Erkrankung bedroht sind, zu erhöhen.

Pressestelle
Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch
Barbara Bachtler
Robert-Rössle-Straße 10
13125 Berlin
Tel.: 0049/30/94 06 - 38 96
Fax: 0049/30/94 06 - 38 33
e-mail: presse@mdc-berlin.de

Barbara Bachtler | MDC-Berlin
Weitere Informationen:
http://www.mdc-berlin.de/ueber_das_mdc/presse/index.htm

Weitere Berichte zu: Apoptose IAP-Gene Nervenzelle Zelltod

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Sollbruchstellen im Rückgrat - Bioabbaubare Polymere durch chemische Gasphasenabscheidung
02.12.2016 | Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

nachricht "Fingerabdruck" diffuser Protonen entschlüsselt
02.12.2016 | Universität Leipzig

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Im Focus: Neuer Sensor: Was im Inneren von Schneelawinen vor sich geht

Ein neuer Radarsensor erlaubt Einblicke in die inneren Vorgänge von Schneelawinen. Entwickelt haben ihn Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum (RUB) um Dr. Christoph Baer und Timo Jaeschke gemeinsam mit Kollegen aus Innsbruck und Davos. Das Messsystem ist bereits an einem Testhang im Wallis installiert, wo das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung im Winter 2016/17 Messungen damit durchführen möchte.

Die erhobenen Daten sollen in Simulationen einfließen, die das komplexe Geschehen im Inneren von Lawinen detailliert nachbilden. „Was genau passiert, wenn sich...

Im Focus: Neuer Rekord an BESSY II: 10 Millionen Ionen erstmals bis auf 7,4 Kelvin gekühlt

Magnetische Grundzustände von Nickel2-Ionen spektroskopisch ermittelt

Ein internationales Team aus Deutschland, Schweden und Japan hat einen neuen Temperaturrekord für sogenannte Quadrupol-Ionenfallen erreicht, in denen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

Die Perspektiven der Genom-Editierung in der Landwirtschaft

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Parkinson-Krankheit und Dystonien: DFG-Forschergruppe eingerichtet

02.12.2016 | Förderungen Preise

Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave

02.12.2016 | Studien Analysen

Nach der Befruchtung übernimmt die Eizelle die Führungsrolle

02.12.2016 | Biowissenschaften Chemie