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2006 war das Jahr des Rapsglanzkäfers - Experten befürchten Neuauflage 2007

04.09.2006
Bilanz des Fachgesprächs an der Biologischen Bundesanstalt (BBA): Wegen Zunahme der Resistenz der Käfer müssen Mittel mit verschiedenen Wirkmechanismen zur Verfügung stehen

Landwirte, die in Deutschland Raps anbauen, hatten in diesem Jahr nichts zu lachen. Aufgrund des starken Auftretens und der Resistenz des Rapsglanzkäfers gegen die zugelassenen Insektizide aus der Gruppe der Pyrethroide, kam es zu massiven Ernteeinbußen. Die Ertragsverluste auf den über 200.000 ha betroffenen Anbauflächen lagen zwischen 20 und 100 Prozent.

Auf einem Sechstel (30.000 ha) dieser Flächen kam es zu Schäden, die einen Ertragsausfall von über 80 Prozent nach sich zogen, so dass ein Teil umgebrochen werden musste. Diese traurige Bilanz zogen kürzlich Experten auf einem Fachgespräch, das die Biologische Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft in Braunschweig (BBA) im August veranstaltete.

Ursachenanalyse

"Die Schäden waren in diesem Jahr auch deswegen so hoch, weil eine ungewöhnlich große Käferpopulation zeitgleich mit der diesjährigen Blüte auftrat", erklärt Dr. Udo Heimbach vom BBA-Institut für Pflanzenschutz im Ackerbau. Unter der Leitung des Entomologen sind 2005 und 2006 Rapsglanzkäfer und andere Rapsschädlinge aus allen Bundesländern auf ihre Resistenz gegenüber den eingesetzten Insektiziden untersucht worden.

Die kürzlich vorgestellten Zwischenergebnisse sind alarmierend. Demnach hat sich die Pyrethroid-Resistenz beim Rapsglanzkäfer im Untersuchungszeitraum deutlich verstärkt. Zum einen wurden auf mehr Flächen resistente Tiere gefunden. Zum anderen überlebten mehr Käfer im Labor höhere Mittel-Konzentrationen.

Ausblick 2007

Ob in den nächsten Jahren erneut Schäden beim Raps auftreten, hängt von mehreren Faktoren ab. Neben der Populationsdichte der Käfer, ihrem Resistenzstatus und dem Zeitpunkt ihres Auftretens in Beziehung zur Blüte, spielen auch Menge und Verteilung der Mittel, ihr Wirkmechanismus sowie der optimale Einsatztermin eine Rolle.

"Kommen mehrere ungünstige Bedingungen zusammen, ist in 2007 mit deutlichen Minderwirkungen bei den momentan zugelassenen Pyrethroiden auf dem überwiegenden Teil der Rapsanbaufläche in fast allen Bundesländern zu rechnen", so die Prognose des Insektenkundlers der Biologischen Bundesanstalt. Auf jeden Fall erwarten die Wissenschaftler wieder eine großen Population. Die Jungkäferinvasion, die Ostseeurlauber in diesem Juli und August 2006 hautnah erlebten, war lediglich das Vorspiel für 2007. Denn dies sind die Elterntiere, die nach dem Winter im nächsten Frühjahr zur Paarung und Eiablage ausschwärmen werden.

Strategie

Aufgrund der derzeitigen Datenlage schlagen die Fachleute folgende Strategie vor: Kurzfristig wäre es wünschenswert, wenn für das nächste Jahr zwei zusätzliche Insektizide nach § 15 des Pflanzenschutzgesetzes zur Verfügung stehen würden. Langfristig werden nach Einschätzung der Experten zur effektiven Bekämpfung von Rapsschädlingen Insektizide mit mindestens drei Wirkmechanismen ohne Kreutzresistenz zueinander benötigt. Um die Resistenzentwicklung zu bremsen, sollten Insektizide in der Praxis nur angewendet werden, wenn ökonomische Schwellenwerte bei den Käfer überschritten werden und dann auch nur mit geeigneten Spritztechnologien. "Jede unnötige Anwendung verschlimmert das Problem", sagt Heimbach. Damit erzählt er den Landwirten nichts Neues, denn es liegt in ihrem Interesse die Mittel so gezielt wie möglich einzusetzen, denn sie kosten sie bares Geld.

Zum Rapsglanzkäfer (Meligethes aeneus)

Die Käfer fressen an geöffneten und nicht geöffneten Rapsblüten und legen ihre Eier in den Blüten ab. Die sich entwickelnden Larven ernähren sich im Blüteninneren. Das führt oft dazu, dass die Pflanzen keine Schoten bilden, da die Blüten vor der möglichen Befruchtung abgestoßen werden oder die Befruchtung unzureichend ist.

Rapsglanzkäfer werden nur etwa zwei Millimeter lang. Der Chitin-Panzer glänzt metallisch, die Farbe variiert bei verschiedenen Individuen, sie kann grün, blau, violett oder sogar schwarz sein. Der Körper hat eine ovale Form. Die Flügeldecken sind mit kleinen Härchen übersät. Sowohl die Beine als auch die Fühler sind braun gefärbt. Die kurzen Fühler verdicken sich am Ende zu einer Keule. Die Käfer sind in Europa, Nordafrika, Asien und Nordamerika weit verbreitet. Sie halten sich vorwiegend in offenem oder buschreichem Gelände auf.

Kontakt:
Dr. Udo Heimbach
Institut für Pflanzenschutz im Ackerbau und Grünland der
Biologischen Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft
Messeweg 11-12, 38104 Braunschweig
Tel.: 0531 / 299 4510
E-Mail: u.heimbach(at)bba.de

Stefanie Hahn | idw
Weitere Informationen:
http://www.bba.bund.de

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