Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Synthetisches Molekül regt Krebszellen zur Selbstzerstörung an

28.08.2006
PAC-1 löst programmierten Zelltod aus

Forscher der Universität Illinois haben ein synthetisches Molekül entwickelt, das Krebszellen zur Selbstzerstörung anregt. Das Molekül mit dem Namen PAC-1 wandelt das inaktive Protein Procaspase-3 in das aktive "Hinrichtungsenzym" Caspase-3 um und löst somit den programmierten Zelltod (Apoptose) aus. Während dieser Prozess bei gesunden Zellen, die nicht mehr richtig funktionieren, automatisch stattfindet, ist der verantwortliche Signalweg in Krebszellen defekt. Dadurch teilen sich die bösartigen Zellen ständig weiter und entwickeln sich zu Tumoren. Die Forscher hoffen, dass die Entdeckung von PAC-1 zu neuen Behandlungen für eine Reihe von Krebsarten führen wird. Die Ergebnisse der Studie werden in der September-Ausgabe der Fachzeitschrift Nature Chemical Biology veröffentlicht.

"Es ist uns gelungen, eine kleine, synthetische Zusammensetzung zu identifizieren, die Procaspase-3 direkt aktiviert und die Apoptose auslöst", erklärt Studienleiter Paul Hergenrother. Um zu dieser Entdeckung zu kommen, haben die Forscher in Zusammenarbeit mit Seoul National University http://www.snu.ac.kr/engsnu/ und dem National Center for Toxicological Research http://www.fda.gov/nctr 20.500 strukturell unterschiedliche synthetische Zusammensetzungen auf die Fähigkeit, Procaspase-3 in Caspase-3 umzuwandeln, analysiert. Daraufhin untersuchten die Forscher die Wirksamkeit von PAC-1 in Dickdarmkrebszellen von 23 Patienten.

Dabei entdeckten die Wissenschaftler, dass das Procaspase-3-Niveau in Krebszellen im Schnitt um das achtfache und manchmal sogar um das 20-fache höher ist als in gesunden Zellen. Das niedrige Procaspase-3-Niveau in gesunden Zellen bewirkt, dass PAC-1 in ihnen keine Apoptose hervorrufen kann. Je mehr Procaspase-3 die Krebszellen im Vergleich zu gesunden Zellen enthalten, umso empfindlicher sind die Zellen für PAC-1 und je weniger braucht der Patient von diesem Molekül um die Apoptose auszulösen.

Da in den Zellen der einzelnen Patienten verschiedene Procaspase-3-Niveaus angetroffen wurden, vermuten die Forscher, dass bestimmte Patienten besser auf die PAC-1-Therapie ansprechen als andere. Sie hoffen daher, die Behandlungen künftig auf individuelle Patienten zuschneiden zu können. "Die potenzielle Effektivität von PAC-1 könnte vorhergesagt und die Behandlung so auf dem Procaspase-3-Niveau in den Tumorzellen basiert werden", so Hergenrother. Den Forschern zufolge verdienen solche personalisierte medizinische Strategien den Vorzug gegenüber Therapien, die sich auf generelle Zellteilungsblocker stützen.

Reanne Leuning | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.uiuc.edu
http://www.nature.com/nchembio

Weitere Berichte zu: Apoptose Krebszelle Molekül PAC-1 Procaspase-3 Procaspase-3-Niveau

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Immunabwehr ohne Kollateralschaden
23.01.2017 | Universität Basel

nachricht Mikrobe des Jahres 2017: Halobacterium salinarum - einzellige Urform des Sehens
23.01.2017 | Verband Biologie, Biowissenschaften und Biomedizin in Deutschland e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Erstmalig quantenoptischer Sensor im Weltraum getestet – mit einem Lasersystem aus Berlin

An Bord einer Höhenforschungsrakete wurde erstmals im Weltraum eine Wolke ultrakalter Atome erzeugt. Damit gelang der MAIUS-Mission der Nachweis, dass quantenoptische Sensoren auch in rauen Umgebungen wie dem Weltraum eingesetzt werden können – eine Voraussetzung, um fundamentale Fragen der Wissenschaft beantworten zu können und ein Innovationstreiber für alltägliche Anwendungen.

Gemäß dem Einstein’schen Äquivalenzprinzip werden alle Körper, unabhängig von ihren sonstigen Eigenschaften, gleich stark durch die Gravitationskraft...

Im Focus: Quantum optical sensor for the first time tested in space – with a laser system from Berlin

For the first time ever, a cloud of ultra-cold atoms has been successfully created in space on board of a sounding rocket. The MAIUS mission demonstrates that quantum optical sensors can be operated even in harsh environments like space – a prerequi-site for finding answers to the most challenging questions of fundamental physics and an important innovation driver for everyday applications.

According to Albert Einstein's Equivalence Principle, all bodies are accelerated at the same rate by the Earth's gravity, regardless of their properties. This...

Im Focus: Mikrobe des Jahres 2017: Halobacterium salinarum - einzellige Urform des Sehens

Am 24. Januar 1917 stach Heinrich Klebahn mit einer Nadel in den verfärbten Belag eines gesalzenen Seefischs, übertrug ihn auf festen Nährboden – und entdeckte einige Wochen später rote Kolonien eines "Salzbakteriums". Heute heißt es Halobacterium salinarum und ist genau 100 Jahre später Mikrobe des Jahres 2017, gekürt von der Vereinigung für Allgemeine und Angewandte Mikrobiologie (VAAM). Halobacterium salinarum zählt zu den Archaeen, dem Reich von Mikroben, die zwar Bakterien ähneln, aber tatsächlich enger verwandt mit Pflanzen und Tieren sind.

Rot und salzig
Archaeen sind häufig an außergewöhnliche Lebensräume angepasst, beispielsweise heiße Quellen, extrem saure Gewässer oder – wie H. salinarum – an...

Im Focus: Innovatives Hochleistungsmaterial: Biofasern aus Florfliegenseide

Neuartige Biofasern aus einem Seidenprotein der Florfliege werden am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP gemeinsam mit der Firma AMSilk GmbH entwickelt. Die Forscher arbeiten daran, das Protein in großen Mengen biotechnologisch herzustellen. Als hochgradig biegesteife Faser soll das Material künftig zum Beispiel in Leichtbaukunststoffen für die Verkehrstechnik eingesetzt werden. Im Bereich Medizintechnik sind beispielsweise biokompatible Seidenbeschichtungen von Implantaten denkbar. Ein erstes Materialmuster präsentiert das Fraunhofer IAP auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vom 20.1. bis 29.1.2017 in Halle 4.2 am Stand 212.

Zum Schutz des Nachwuchses vor bodennahen Fressfeinden lagern Florfliegen ihre Eier auf der Unterseite von Blättern ab – auf der Spitze von stabilen seidenen...

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Hybride Eisschutzsysteme – Lösungen für eine sichere und nachhaltige Luftfahrt

23.01.2017 | Veranstaltungen

Mittelstand 4.0 – Mehrwerte durch Digitalisierung: Hintergründe, Beispiele, Lösungen

20.01.2017 | Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Wie der Nordatlantik zum Wärmepirat wurde

23.01.2017 | Geowissenschaften

Immunabwehr ohne Kollateralschaden

23.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Erstmalig quantenoptischer Sensor im Weltraum getestet – mit einem Lasersystem aus Berlin

23.01.2017 | Physik Astronomie