Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Saubere Lösungen entwickeln

23.08.2006
Nachwuchsgruppe im Kompetenzzentrum Polysaccharidforschung der Universität Jena eingerichtet

"Cellulose zählt zu den bekanntesten und am weitesten verbreiteten Biopolymeren, die wir kennen. Vielleicht wird der Stoff gerade deshalb in seinen Möglichkeiten unterschätzt", erklärt Projektleiter Dr. Tim Liebert. Der Chemiker leitet die neu gegründete Nachwuchsgruppe "Innovative Konzepte zur Umformung und Modifizierung von Cellulose" im Kompetenzzentrum Polysaccharidforschung der Universität Jena. "Wir werden das tun, was Chemiker grundsätzlich tun", beschreibt Liebert die Aufgaben der neuen Forschergruppe. "Wir fragen uns: Was steckt da drin, wie kann ich es umformen und was kann ich damit herstellen."

Cellulose - in seiner molekularen Struktur ein Vielfachzucker, also ein Polysaccharid - ist ein nachwachsender pflanzlicher Rohstoff, der aus Holz ebenso gewonnen werden kann, wie aus anderen Pflanzen, zum Beispiel Baumwolle, Hanf oder Agaven. Mit Cellulosefasern hantiert jeder täglich: in Form von Watte, Papier oder Kleidungsstücken. "Zuckerstrukturen sind sogar in jede Zelloberfläche des menschlichen Körpers eingebaut, es sind Biomaterialien, die der Körper kennt. Das ist auch ein Grund für die hohe Bioverträglichkeit," erzählt Liebert und formuliert das Ziel der Nachwuchsgruppe: "Bisher sind die Lösemittel, die man zur Herstellung von Celluloseprodukten benötigt, aber schwer zu handhaben und toxisch. Da wollen wir ansetzen, wir wollen neue, umweltverträglichere Verfahren entwickeln." Aber nicht nur der Umweltaspekt spielt eine Rolle, auch die Verfügbarkeit: "Stoffe aus nachwachsenden Rohstoffen werden immer wichtiger, auch im Hinblick auf die begrenzte Ressource Erdöl".

Prof. Dr. Thomas Heinze, Leiter des Jenaer Kompetenzzentrums, freut sich mit Liebert darüber, dass ihr Forschungsvorhaben vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) unterstützt wird. Dazu musste es sich im Wettbewerb durchsetzen und die Konkurrenz war groß: 80 Forschergruppen reichten Anträge ein, nur sechs davon wurden bewilligt. Die Förderung für die neue Jenaer Gruppe beträgt über eine Million Euro für einen Zeitraum von fünf Jahren. Zwei Wissenschaftler, zwei Doktoranden und ein technischer Mitarbeiter können sich nun der Grundlagenforschung widmen - spätere Anwendung in der Industrie nicht ausgeschlossen. "Wir vollziehen hier im Kompetenzzentrum den Spagat zwischen Industrie- und Grundlagenforschung - bisher erfolgreich für beide Seiten. Die Ergebnisse und Entwicklungen sind interessant für Unternehmen der Medizintechnik, der Pharmazie oder der Textilindustrie", so Heinze. "Vielleicht finden wir aber auch bisher unbekannte Applikationsmöglichkeiten." Auch für die Studenten wirkt sich die Nachbarschaft von Theorie und Praxis positiv aus. "Unsere Absolventen sind überall willkommen, weil sie gelernt haben, sich auch mit Fragen der Industrie zu beschäftigen."

Sechs international agierende Konzerne hatten für das im Jahr 2002 eröffnete Kompetenzzentrum die Anschubfinanzierung geleistet - und damit maßgeblich zur Entstehung eines in seiner Verbindung von Know-how und apparativer Ausstattung europaweit einzigartigen Kompetenzzentrums Polysaccharidforschung beigetragen. Das Zentrum gehört u. a. zum "European Polysaccharide-Network of Excellence". Ergebnisse der hier gemachten Forschungsergebnisse sind beispielsweise in dem vom Springer-Verlag soeben veröffentlichten Band "Esterification of Polysaccharides" nachzulesen.

Aber nicht nur der Industrie gegenüber sind Heinze und sein Team aufgeschlossen. Sie freuen sich auch über die kurzen Wege zu vielen anderen Kollegen außerhalb der Universität: "Wir haben hier nicht nur die anderen Institute der Universität oder der Fachhochschule, sondern auch Fraunhofer- und Max-Planck-Institute und viele private Einrichtungen, die sehr zugänglich sind. Diese Vielfalt und die Atmosphäre machen Jena zu einem sehr interessanten Forschungsstandort."

Kontakt:
Prof. Dr. Thomas Heinze
Kompetenzzentrum Polysaccharidforschung der Universität Jena
Humboldtstr. 10, 07743 Jena
Tel.: 03641 / 948270
Fax: 03641 / 948272
E-Mail: Thomas.heinze[at]uni-jena.de / tim.liebert[at]uni-jena.de

Axel Burchardt | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-jena.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Wie sich das Wasser in der Umgebung von gelösten Molekülen verhält
22.05.2017 | Ruhr-Universität Bochum

nachricht Myrte schaltet „Anstandsdame“ in Krebszellen aus
22.05.2017 | Friedrich-Schiller-Universität Jena

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Im Focus: Neuer Ionisationsweg in molekularem Wasserstoff identifiziert

„Wackelndes“ Molekül schüttelt Elektron ab

Wie reagiert molekularer Wasserstoff auf Beschuss mit intensiven ultrakurzen Laserpulsen? Forscher am Heidelberger MPI für Kernphysik haben neben bekannten...

Im Focus: Wafer-thin Magnetic Materials Developed for Future Quantum Technologies

Two-dimensional magnetic structures are regarded as a promising material for new types of data storage, since the magnetic properties of individual molecular building blocks can be investigated and modified. For the first time, researchers have now produced a wafer-thin ferrimagnet, in which molecules with different magnetic centers arrange themselves on a gold surface to form a checkerboard pattern. Scientists at the Swiss Nanoscience Institute at the University of Basel and the Paul Scherrer Institute published their findings in the journal Nature Communications.

Ferrimagnets are composed of two centers which are magnetized at different strengths and point in opposing directions. Two-dimensional, quasi-flat ferrimagnets...

Im Focus: XENON1T: Das empfindlichste „Auge“ für Dunkle Materie

Gemeinsame Meldung des MPI für Kernphysik Heidelberg, der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster

„Das weltbeste Resultat zu Dunkler Materie – und wir stehen erst am Anfang!“ So freuen sich Wissenschaftler der XENON-Kollaboration über die ersten Ergebnisse...

Im Focus: World's thinnest hologram paves path to new 3-D world

Nano-hologram paves way for integration of 3-D holography into everyday electronics

An Australian-Chinese research team has created the world's thinnest hologram, paving the way towards the integration of 3D holography into everyday...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

14. Dortmunder MST-Konferenz zeigt individualisierte Gesundheitslösungen mit Mikro- und Nanotechnik

22.05.2017 | Veranstaltungen

Branchentreff für IT-Entscheider - Rittal Praxistage IT in Stuttgart und München

22.05.2017 | Veranstaltungen

Flugzeugreifen – Ähnlich wie PKW-/LKW-Reifen oder ganz verschieden?

22.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Myrte schaltet „Anstandsdame“ in Krebszellen aus

22.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

22.05.2017 | Physik Astronomie

Wie sich das Wasser in der Umgebung von gelösten Molekülen verhält

22.05.2017 | Biowissenschaften Chemie