Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Orientierung von Seelöwen und -hunden unter Wasser

11.01.2002


Mit knapp 1,4 Millionen Euro fördert die VolkswagenStiftung ein neues Forschungsvorhaben an der RUB. Es beschäftigt sich in den nächsten fünf Jahren mit den Orientierungsmechanismen mariner Säuger unter Wasser. Biologen wollen die Verarbeitung hydrodynamischer, chemischer und akustischer Reize auch unter Einbeziehung der Astronavigation erforschen. Helfen werden ihnen dabei sieben Seehunde und zwei Seelöwen.

Mit knapp 1,4 Millionen Euro fördert die VolkswagenStiftung das neue Forschungsvorhaben von PD Dr. Guido Dehnhardt (Lehrstuhl Allgemeine Zoologie und Neurobiologie): Er beschäftigt sich in den nächsten fünf Jahren mit den Orientierungsmechanismen mariner Säuger unter Wasser. Die Biologen wollen die Verarbeitung hydrodynamischer, chemischer und akustischer Reize auch unter Einbeziehung der Astronavigation erforschen. Helfen werden ihnen dabei sieben Seehunde und zwei Kalifornische Seelöwen.

Nicht nur Barthaare helfen unter Wasser

Für das neue Projekt kann Dehnhardt bereits auf umfangreiche Vorarbeiten aufbauen: Erst kürzlich gelang es ihm, die Orientierung von Seehunden unter Wasser mit Hilfe ihrer Barthaare (Vibrissensystem) nachzuweisen. Sie verfolgen über weite Strecken winzige Wasserbewegungen, die z. B. ein U-Boot oder ein Fisch erzeugt. Die Frage lautet nun, über welche Entfernung Seehunde Objekte anhand der Wasserbewegung orten können, und ob sie auch biologische Spuren verfolgen können. Nachweisen konnte Dehnhardt bereits, dass die Seehunde ein "Salzschmeckvermögen" besitzen, das ihnen als chemosensorische Orientierungshilfe dient (s. RUB-Presseinformation Nr. 191, 05.07.2001, und "SCIENCE"-Ausgabe vom 05.07.2001). Sie können damit Salzunterschiede im Meerwasser feststellen und nutzen diese Information, um bestimmte Orte anzusteuern. Weitere Untersuchungen sollen zeigen, wie fein diese Fähigkeit ausgebildet ist.

Was Seehunde hören

Eine dritte mögliche Orientierungshilfe sind akustische Informationen. Die Fähigkeit, Geräusche exakt zu lokalisieren, dürfte beim Beutefang und bei der Wahrnehmung von Feinden eine Rolle spielen. Jedoch scheinen auch weit entfernt liegende "abiotische Schallquellen" von Bedeutung zu sein, vermuten die Wissenschaftler. Über solch eine weiträumige Richtungsbestimmung ist wenig bekannt: Wie können die Robben aus der Bewegung heraus z. B. kurze akustische Signale orten? Inwieweit lässt sich bei dauerhaft akustischen Signalen ein Bezug zur Bewegungsrichtung erkennen?

Astronavigation im Meer

Außerdem könnten sich die Tiere unter den besonderen Bedingungen des marinen Lebensraumes auch an visuellen Bezugspunkten orientieren - etwa im Sinne einer "Astronavigation". Die Forscher wollen feststellen, ob die Robben z. B. verschiedene Himmelskörper und polarisiertes Licht wahrnehmen und ob sie sich daran orientieren. Um diese Fragen zu beantworten, müssen sie u. a. das Sehfeld der Meeressäuger bestimmen. Die Ergebnisse sollen dadurch an Gewicht gewinnen, dass sie in einem letzten Schritt im freien Wasser überprüft werden. Dies geschieht in Kooperation mit Dr. Markus Horning an der Texas A & M University, USA.

Weitere Informationen

PD Dr. Guido Dehnhardt, Fakultät für Biologie der Ruhr-Universität Bochum, 44780 Bochum, Tel. 0234/32-27709, Fax: 0234/32-14185, E-Mail: dehnhardt@neurobiologie.ruhr-uni-bochum.de

Dr. Josef König | idw

Weitere Berichte zu: Barthaare Orientierung Seehunde Seelöwen

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Bakterien aus dem Blut «ziehen»
07.12.2016 | Empa - Eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt

nachricht HIV: Spur führt ins Recycling-System der Zelle
07.12.2016 | Forschungszentrum Jülich

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Im Focus: Significantly more productivity in USP lasers

In recent years, lasers with ultrashort pulses (USP) down to the femtosecond range have become established on an industrial scale. They could advance some applications with the much-lauded “cold ablation” – if that meant they would then achieve more throughput. A new generation of process engineering that will address this issue in particular will be discussed at the “4th UKP Workshop – Ultrafast Laser Technology” in April 2017.

Even back in the 1990s, scientists were comparing materials processing with nanosecond, picosecond and femtosesecond pulses. The result was surprising:...

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Im Focus: Shape matters when light meets atom

Mapping the interaction of a single atom with a single photon may inform design of quantum devices

Have you ever wondered how you see the world? Vision is about photons of light, which are packets of energy, interacting with the atoms or molecules in what...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Das Universum enthält weniger Materie als gedacht

07.12.2016 | Physik Astronomie

Partnerschaft auf Abstand: tiefgekühlte Helium-Moleküle

07.12.2016 | Physik Astronomie

Bakterien aus dem Blut «ziehen»

07.12.2016 | Biowissenschaften Chemie