Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

ETH-Forschende entwickeln ein Detektionssystem für Milzbrand-Sporen

18.08.2006
ETH-Forschende entwickeln einen umkomplizierten und sehr spezifischen Ansatz zur Detektion von Anthrax-Sporen: Monoklonale Antikörper erkennen den spezifischen Zucker auf der Sporenoberfläche. Die Arbeit erscheint in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift "Angewandte Chemie".

Sporen des gefürchteten Bacillus anthracis wurden bereits als Biowaffe gegen die Zivilbevölkerung eingesetzt. Einmal eingeatmet, führt der Milzbrand-Erreger fast immer zum Tode, wenn die Opfer nicht innerhalb von 24 bis 48 Stunden behandelt werden. Eine rasche zuverlässige Diagnostik ist deshalb lebenswichtig. Nun hat ein Forschungsteam der ETH Zürich zusammen mit dem Schweizer Tropeninstitut und der Universität Bern einen neuen immunologischen Ansatz entwickelt, mit dessen Hilfe Anthrax-Sporen spezifisch erkannt werden.

Unkomplizierter Test für Anthrax fehlte

Verschiedene Testverfahren zur Anthrax-Diagnostik gibt es bereits. Dazu zählen sehr genaue, aber ausgesprochen komplexe, zeitaufwendige und teure genetische Methoden. Immunologische Tests sind dagegen sehr unkompliziert. Bislang gelang es jedoch noch nicht, einen wirklich verlässlichen Immuntest für den Nachweis von Anthrax zu entwickeln. Vor allem bereitete die Ähnlichkeit der Sporen-Oberfläche zu den Sporen anderer Bakterien Probleme: Die bisherigen Anthrax-Antikörper waren nicht spezifisch genug.

Antikörper gegen Zuckerbausteine auf Sporenoberfläche

Vor einiger Zeit wurde ein aus vier Zuckerbausteinen bestehendes Kohlenhydrat auf der Oberfläche von Anthrax-Sporen entdeckt. Für ihren neuen immunologischen Ansatz wählte das Team um Peter H. Seeberger vom ETH-Laboratorium für Organische Chemie diesen Vierfachzucker als Angriffspunkt. Um Antikörper herzustellen, braucht man zunächst das Molekül in ausreichender Menge. Da der Zucker nicht vom tödlichen Bakterium gewonnen werden kann, wählten Prof. Seeberger und Postdoc Daniel Werz eine Alternative: Sie bauten den Vierfachzucker im Labor chemisch nach, knüpften ihn an ein Trägereiweiss und injizierten Mäusen dieses Konjugat. Aus einem der so immunisierten Tiere konnten die Forscher monoklonale Antikörper gewinnen, die ganz spezifisch an Anthrax-Sporen binden. Auf Sporen anderer Bakterien, die bei Menschen häufiger vorkommen und ungefährlich sind, reagieren die Antikörper dagegen nicht.

"Unsere Ergebnisse zeigen, dass kleine, aber feine Unterschiede in den Kohlenhydraten von Zelloberflächen genutzt werden können, um spezifische Immun-Reagenzien zu erhalten," sagt Prof. Seeberger. "Unser neuer Antikörper wird als Basis für eine hochempfindliche Anthrax-Diagnostik dienen und zur Entwicklung neuer therapeutischer Ansätze beitragen."

Weitere Informationen
Prof. Peter H. Seeberger
Laboratorium für Organische Chemie
Telefon +41 (0)44 633 21 03
Seeberger@org.chem.ethz.ch
Literaturangabe
Angewandte Chemie 2006, 118

Beatrice Huber | idw
Weitere Informationen:
http://www.ethz.ch

Weitere Berichte zu: Anthrax-Sporen Antikörper Bakterium ETH-Forschende Sporen

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Forscherteam der Universität Bremen untersucht Korallenbleiche
24.04.2017 | Universität Bremen

nachricht Feinste organische Partikel in der Atmosphäre sind häufiger glasartig als flüssige Öltröpfchen
21.04.2017 | Max-Planck-Institut für Chemie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Im Focus: Leichtbau serientauglich machen

Immer mehr Autobauer setzen auf Karosserieteile aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff (CFK). Dennoch müssen Fertigungs- und Reparaturkosten weiter gesenkt werden, um CFK kostengünstig nutzbar zu machen. Das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) hat daher zusammen mit der Volkswagen AG und fünf weiteren Partnern im Projekt HolQueSt 3D Laserprozesse zum automatisierten Besäumen, Bohren und Reparieren von dreidimensionalen Bauteilen entwickelt.

Automatisiert ablaufende Bearbeitungsprozesse sind die Grundlage, um CFK-Bauteile endgültig in die Serienproduktion zu bringen. Ausgerichtet an einem...

Im Focus: Making lightweight construction suitable for series production

More and more automobile companies are focusing on body parts made of carbon fiber reinforced plastics (CFRP). However, manufacturing and repair costs must be further reduced in order to make CFRP more economical in use. Together with the Volkswagen AG and five other partners in the project HolQueSt 3D, the Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) has developed laser processes for the automatic trimming, drilling and repair of three-dimensional components.

Automated manufacturing processes are the basis for ultimately establishing the series production of CFRP components. In the project HolQueSt 3D, the LZH has...

Im Focus: Wonder material? Novel nanotube structure strengthens thin films for flexible electronics

Reflecting the structure of composites found in nature and the ancient world, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have synthesized thin carbon nanotube (CNT) textiles that exhibit both high electrical conductivity and a level of toughness that is about fifty times higher than copper films, currently used in electronics.

"The structural robustness of thin metal films has significant importance for the reliable operation of smart skin and flexible electronics including...

Im Focus: Immunzellen helfen bei elektrischer Reizleitung im Herzen

Erstmals elektrische Kopplung von Muskelzellen und Makrophagen im Herzen nachgewiesen / Erkenntnisse könnten neue Therapieansätze bei Herzinfarkt und Herzrhythmus-Störungen ermöglichen / Publikation am 20. April 2017 in Cell

Makrophagen, auch Fresszellen genannt, sind Teil des Immunsystems und spielen eine wesentliche Rolle in der Abwehr von Krankheitserregern und bei der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Forschungsexpedition „Meere und Ozeane“ mit dem Ausstellungsschiff MS Wissenschaft

24.04.2017 | Veranstaltungen

3. Bionik-Kongress Baden-Württemberg

24.04.2017 | Veranstaltungen

Smart-Data-Forschung auf dem Weg in die wirtschaftliche Praxis

21.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Phoenix Contact übernimmt Spezialisten für Netzleittechnik

24.04.2017 | Unternehmensmeldung

Phoenix Contact beteiligt sich an Berliner Start-up Unternehmen für Energiemanagement

24.04.2017 | Unternehmensmeldung

Phoenix Contact übernimmt Spezialisten für industrielle Kommunikationstechnik

24.04.2017 | Unternehmensmeldung