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Neuer Wirkstoff zur Behandlung von Bauchspeicheldrüsenkrebs

15.08.2006
Eine bahnbrechende Entdeckung der neueren Krebsforschung stellt die Tatsache dar, dass am komplexen Prozess der Krebsentstehung eine Gruppe von eng miteinander verwandten Eiweißmolekülen, Proteinkinasen genannt, beteiligt ist. Inzwischen wurden die ersten Medikamente entwickelt, die Proteinkinasen hemmen.

Davon könnten demnächst auch Patienten profitieren, die an fortgeschrittenem inoperablem Bauchspeicheldrüsenkrebs leiden. Im Rahmen einer klinischen Studie (Phase II) wird jetzt an zehn Zentren in Deutschland, Österreich und der Schweiz ein neuer Wirkstoff geprüft, der die Polo-like-Kinase (PLK) hemmt. "Das Medikament greift an genau definierten Zielstrukturen in komplexe Signalwege der Zellteilung ein und hemmt dadurch das Wachstum von Tumorgeweben", erklärt der Leiter der Klinischen Prüfung in Deutschland und Studienkoordinator Privatdozent Dr. med. Klaus Mross, Geschäftsführender Oberarzt an der Klinik für Tumorbiologie in Freiburg.

Die Standardbehandlung von Bauchspeicheldrüsenkrebs besteht in der Regel in einer Chemotherapie. Sie vermag zwar bei einem Teil der Patienten den Krankheitsverlauf in einem gewissen Ausmaß zu verzögern, der Therapieerfolg ist jedoch meist unbefriedigend. Auch vielfältige Versuche, durch Kombination mehrerer Medikamente die Erfolgsaussichten zu verbessern, sind bislang wenig erfolgreich geblieben. BI 2536, so die Bezeichnung des neuen Wirkstoffs, ist ein PLK-Hemmstoff und in der Lage, die Zellteilung in allen Phasen des Zellzyklus zu blockieren. Die Substanz gehört nicht zur Gruppe der klassischen Zytostatika, die sämtliche Zellen im Körper - also auch die gesunden - attackieren, sondern greift ganz gezielt in Signalwege ein, die die Zellteilung steuern und schränkt damit das Wachstum von Tumorgewebe ein.

Etwa 100 Patienten mit verschiedenen Krebserkrankungen wurden bislang im Rahmen einer Phase I Studie mit diesem Medikament behandelt. "Die dabei erfolgten Beobachtungen zeigten eine im Wesentlichen gute Verträglichkeit. Unerwartete schwerwiegende Nebenwirkungen sind nicht aufgetreten", so Mross. Über eine Wirksamkeit speziell bei Krebs der Bauchspeicheldrüse lasse sich jedoch erst nach Abschluss der Studie eine Aussage treffen.

CESAR

Die Studie findet im Rahmen des europäischen Netzwerks für onkologische Zentren, CESAR (Central European Anticancer Drug Research) statt. Insgesamt werden in zehn Zentren in Deutschland, Österreich und der Schweiz 100 Patienten mit Bauchspeicheldrüsenkrebs daran teilnehmen.

Stichwort: Proteinkinase-Hemmstoffe

Derzeit sind mehr als 500 Proteinkinasen bekannt. Kinasen leiten Zellsignale weiter und beeinflussen zahlreiche biologische Prozesse im Körper. Eine Reihe von Kinasen steht im Verdacht, bei Krebs, Entzündungsprozessen oder kardiovaskulären Erkrankungen eine zentrale Rolle zu spielen. Die Proteinkinasen bilden ein komplexes Netzwerk, das bei diesen Erkrankungen gestört ist. Durch Medikamente, die einzelne Proteinkinasen hemmen, kann inzwischen das Tumorwachstum therapeutisch beeinflusst werden. Der Durchbruch für diese neue Generation von Medikamenten gelang mit einem Wirkstoff, der 2001 gegen Chronisch Myeloische Leukämie und 2002 gegen Gastrointestinale Stromatumore zugelassen wurde. Der Wirkstoff BI2536 ist der erste Polo-like-Kinase-Hemmstoff, der bei Patienten mit Bauchspeicheldrüsenkrebs geprüft wird.

Kontakt:
Barbara Riess
Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit
Klinik für Tumorbiologie
Breisacher Str. 117
79106 Freiburg
Tel: 0761 206 1109
Fax: 0761 206 1107
riess@tumorbio.uni-freiburg.de

Barbara Riess | idw
Weitere Informationen:
http://www.tumorbio.uni-freiburg.de

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