Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neue Wege bei Mukoviszidose und Parkinson

02.08.2006
Stuttgarter Wissenschaftler an Exzellenznetzwerk zur Analyse des Ubiquitin-Proteasomen-Systems beteiligt

Der Eiweißabbau durch das Zusammenwirken des kleinen Proteins Ubiquitin und der "Abbaumaschine" Proteasom (Proteolyse) gehört zu den wichtigsten regulatorischen Prozessen höherer Zellen. Ein "Fehlverhalten" dieses Prinzips führt zu schweren Erkrankungen wie beispielsweise Entzündungen, Krebs oder neurodegenerativen Leiden (Parkinson, Alzheimer oder BSE). Für die grundlegende Entdeckung der biochemischen Abläufe bei der Ubiquitinmodifikation wurde 2004 der Nobelpreis für Chemie vergeben.

Um die besten europäischen Wissenschaftler auf diesem Forschungsgebiet zusammenzuführen, wird derzeit das Exzellenznetzwerk RUBICON aufgebaut. Mitinitiator ist der Leiter des Instituts für Biochemie der Universität Stuttgart, Prof. Dieter Wolf, der das Netzwerk auch in Zukunft mit koordiniert. Der Zusammenschluss aus 20 führenden Institutionen, darunter auch der des Nobelpreisträgers Aaron Ciechanover, verfolgt das Ziel, die europäische Spitzenforschung in diesem Bereich sichtbar zu machen und weiter zu fördern. Ein weiteres Ziel ist die Weiterbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses. Durch die Zusammenarbeit mit kleinen Industriefirmen sollen Entdeckungen rasch in Produkte umgesetzt werden.

Die Stuttgarter Arbeitsgruppe um Prof. Wolf bringt eine wissenschaftliche Fragestellung in das RUBICON-Netzwerk ein, welche direkt mit neurodegenerativen Erkrankungen sowie der Erbkrankheit Mukoviszidose in Verbindung steht: Die Wissenschaftler wollen herausfinden, wie es die Zelle schafft, die bei der Proteinsynthese immer wieder in größerer Menge auftretenden falsch gefalteten Eiweißmoleküle zu erkennen und zu eliminieren. Dieser Schutzmechanismus ist wichtig, da die Anwesenheit solcher "falscher" Moleküle die Zelle stark schädigen würde. Umgekehrt wird bei der Mukoviszidose ein mutiertes, aber biologisch voll funktionelles Molekül "irrtümlicherweise" abgebaut. Hier soll erforscht werden, wie dies verhindert werden könnte.

Ubiquitin (der Name kommt von "ubiquitär, überall vorkommend") ist ein kleines Eiweißmolekül, welches in allen höheren Zellen vorkommt. Auf bestimmte Signale hin wird es in den Zellen an Eiweißmoleküle (Proteine) angehängt, die daraufhin auf bestimmte Weise verändert werden. Sehr prominent, und zuerst entdeckt, führt das Anhängen einer langen Ubiquitinkette von mehr als vier Ubiquitinmolekülen an ein Protein zu dessen Abbau durch das Proteasom. Dies ist eine "Proteinabbaumaschine", die ähnlich einem Fleischwolf die Eiweißketten in Stücke zerhackt.

Bei der Entschlüsselung dieser Proteolysemaschinerie leistete die Stuttgarter Arbeitsgruppe, die mit Aaron Ciechanover im Rahmen einer deutsch-israelischen Projektkooperation eng zusammenarbeitete, bereits in der Vergangenheit wichtige Beiträge. Die Stuttgarter Wissenschaftler konnten zeigen, dass das Proteasom die Maschinerie in der lebenden Zelle darstellt, die für den Abbau der ubiquitinierten Proteine verantwortlich ist.

In der Zwischenzeit wurden weitere Funktionen der Ubiquitinkopplung an Proteine entdeckt, die nicht zu einer Proteolyse des markierten Proteins führen. Auch wurden kürzlich so genannte "ubiquitin-ähnliche" Proteine entdeckt. Hängen sich diese an ein Protein an, so werden wichtige Zellfunktionen verändert.

Weitere Informationen am Institut für Biochemie der Universität Stuttgart, Prof. Dieter Wolf, Tel. 0711/685-64390, e-mail dieter.wolf@ibc.uni-stuttgart.de oder Wolfgang Hilt, Tel. 0711/685-64388, e-mail hilt@ibc.uni-stuttgart.de.

Ursula Zitzler | idw
Weitere Informationen:
http://www.rubicon-net.org

Weitere Berichte zu: Eiweißmolekül Mukoviszidose Parkinson Proteasom Protein Zelle

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Polymere aus Bor produzieren
18.01.2018 | Julius-Maximilians-Universität Würzburg

nachricht Modularer Genverstärker fördert Leukämien und steuert Wirksamkeit von Chemotherapie
18.01.2018 | Deutsches Krebsforschungszentrum

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Fliegen wird smarter – Kommunikationssystem LYRA im Lufthansa FlyingLab

• Prototypen-Test im Lufthansa FlyingLab
• LYRA Connect ist eine von drei ausgewählten Innovationen
• Bessere Kommunikation zwischen Kabinencrew und Passagieren

Die Zukunft des Fliegens beginnt jetzt: Mehrere Monate haben die Finalisten des Mode- und Technologiewettbewerbs „Telekom Fashion Fusion & Lufthansa FlyingLab“...

Im Focus: Ein Atom dünn: Physiker messen erstmals mechanische Eigenschaften zweidimensionaler Materialien

Die dünnsten heute herstellbaren Materialien haben eine Dicke von einem Atom. Sie zeigen völlig neue Eigenschaften und sind zweidimensional – bisher bekannte Materialien sind dreidimensional aufgebaut. Um sie herstellen und handhaben zu können, liegen sie bislang als Film auf dreidimensionalen Materialien auf. Erstmals ist es Physikern der Universität des Saarlandes um Uwe Hartmann jetzt mit Forschern vom Leibniz-Institut für Neue Materialien gelungen, die mechanischen Eigenschaften von freitragenden Membranen atomar dünner Materialien zu charakterisieren. Die Messungen erfolgten mit dem Rastertunnelmikroskop an Graphen. Ihre Ergebnisse veröffentlichen die Forscher im Fachmagazin Nanoscale.

Zweidimensionale Materialien sind erst seit wenigen Jahren bekannt. Die Wissenschaftler André Geim und Konstantin Novoselov erhielten im Jahr 2010 den...

Im Focus: Forscher entschlüsseln zentrales Reaktionsprinzip von Metalloenzymen

Sogenannte vorverspannte Zustände beschleunigen auch photochemische Reaktionen

Was ermöglicht den schnellen Transfer von Elektronen, beispielsweise in der Photosynthese? Ein interdisziplinäres Forscherteam hat die Funktionsweise wichtiger...

Im Focus: Scientists decipher key principle behind reaction of metalloenzymes

So-called pre-distorted states accelerate photochemical reactions too

What enables electrons to be transferred swiftly, for example during photosynthesis? An interdisciplinary team of researchers has worked out the details of how...

Im Focus: Erstmalige präzise Messung der effektiven Ladung eines einzelnen Moleküls

Zum ersten Mal ist es Forschenden gelungen, die effektive elektrische Ladung eines einzelnen Moleküls in Lösung präzise zu messen. Dieser fundamentale Fortschritt einer vom SNF unterstützten Professorin könnte den Weg für die Entwicklung neuartiger medizinischer Diagnosegeräte ebnen.

Die elektrische Ladung ist eine der Kerneigenschaften, mit denen Moleküle miteinander in Wechselwirkung treten. Das Leben selber wäre ohne diese Eigenschaft...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

LED Produktentwicklung – Leuchten mit aktuellem Wissen

18.01.2018 | Veranstaltungen

6. Technologie- und Anwendungsdialog am 18. Januar 2018 an der TH Wildau: „Intelligente Logistik“

18.01.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - März 2018

17.01.2018 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fliegen wird smarter – Kommunikationssystem LYRA im Lufthansa FlyingLab

18.01.2018 | Informationstechnologie

Optimierter Einsatz magnetischer Bauteile - Seminar „Magnettechnik Magnetwerkstoffe“

18.01.2018 | Seminare Workshops

LED Produktentwicklung – Leuchten mit aktuellem Wissen

18.01.2018 | Veranstaltungsnachrichten