Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

"Eulen" und "Lerchen"

01.08.2006
Das deutsche Schulsystem ist auf Frühaufsteher zugeschnitten
Sommerferien. Das heißt für die meisten Schüler vor allem eines: Ausschlafen! Eltern und Großeltern registrieren das mit Kopfschütteln oder bestenfalls mit aus Erinnerungen gespeistem Wohlwollen. Tiefgreifendes Verständnis können die Schlafmützen jedoch bei der Wissenschaft erwarten. Prof. Christoph Randler vom Institut für Biologie I der Universität Leipzig publizierte kürzlich in der Zeitschrift "Biological Rhythm Research" einen Beitrag über Morgen- und Abendtypen.

Um herauszubekommen, ob die Befragten eher "Eulen", also Abendtypen, oder die als "Lerchen" bezeichnete Frühaufsteher sind, wurden für die Analyse Studenten nach ihren ganz persönlichen Erfahrungen mit Schlafen und Wachsein, Munterkeit und Müdigkeit befragt. So mussten sie angeben, wann sie bei absolut freier Zeiteinteilung aufstehen und zu Bett gehen würden oder an welchen Stunden im Laufe des Tages sie sich geistig oder körperlich besonders fit fühlen. Andere Fragen galten dem Erwachen und Aufstehen, dem Appetit am Morgen oder dem abendlichem Leistungsvermögen. "Diese Untersuchung ist eine der wenigen", so Randler "die das Problem nicht soziologisch oder psychologisch, sondern biologisch beleuchtet. Ihr Ergebnis ist die Feststellung, dass die Mehrzahl der Menschen ab der Pubertät zu den Langschläfern zählt. Bis dahin und etwa ab dem 30. Lebensjahr, das erbrachten andere Studien, ist der Anteil der Frühaufsteher noch beziehungsweise wieder größer. Es hat also auch biologische, und hier vorrangig hormonelle, Ursachen, dass Jugendliche früh schwerer in Gang kommen als der Rest der Familie oder ihre Lehrer."

Doch Randler wollte mehr wissen: Inwieweit bestehen zwischen den schulischen Leistungen und dem Bio-Rhythmus junger Leute Zusammenhänge. Hierzu befragte er dieselben Studenten auch nach ihren Abitur-Noten. Dar Ergebnis war eindeutig: die bekennenden Frühaufsteher hatten deutlich bessere Zeugnisse in der Tasche. "Das heißt allerdings keinesfalls, das die intelligenter sind, systematischer oder disziplinierte gelernt haben", interpretiert der Biologe. "Es heißt nur, dass diese jungen Leute das Glück hatten, in jenen Stunden des Tages herausgefordert zu werden, in denen sie munter waren. Die Mehrzahl der Schüler und Studenten ist da einfach noch nicht wach. Wer morgens halb acht in eine zehnte Klasse oder einen Hörsaal schaut, dem tut sich nämlich ein schreckliches Bild auf."

Nun wird natürlich eingewandt, dass die morgens Müden doch einfach abends früher ins Bett gehen sollten. "Aber das funktioniert nur begrenzt", verteidigt Randler die Betroffenen. "Da können die einfach noch nicht einschlafen. Und den Schlaf zu erzwingen, funktioniert noch weniger als das Wachsein irgendwie aufrecht zu erhalten. Hinzu kommt, das die gegen ihre innere Uhr Lebenden kaum Appetit auf ein Frühstück haben und daraus weitere Defizite resultieren." Fazit: Der Schulbeginn liegt für die Durchschnittsschüler schlichtweg zu früh. Das Ganze nimmt gesellschaftliche Dimensionen an, weil sich die Abiturienten mit ihrem Zeugnis an den Universitäten bewerben und die Abend-Typen es auf der Basis ihrer Noten-Durchschnitte dort schwer haben, angestrebte Studienplätze zu bekommen. Aber so gern die internationale Fachzeitschrift Randlers Analyse gedruckt hat, weniger interessiert zeigen sich diejenigen in den Kultusministerien die über den Unterrichtsstart entscheiden.

Derzeit arbeitet das Team um Prof. Randler an ähnlichen Studien sowie vor allem an der Weiterentwicklung von Fragebögen, mit denen man die innere Uhr des Menschen beobachten kann.

Marlis Heinz

weitere Informationen

Prof. Dr. Christoph Randler
Telefon: 0341/97-36651

Dr. Bärbel Adams | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-leipzig.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht In Hochleistungs-Mais sind mehr Gene aktiv
19.01.2018 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Warum es für Pflanzen gut sein kann auf Sex zu verzichten
19.01.2018 | Universität Wien

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Maschinelles Lernen im Quantenlabor

Auf dem Weg zum intelligenten Labor präsentieren Physiker der Universitäten Innsbruck und Wien ein lernfähiges Programm, das eigenständig Quantenexperimente entwirft. In ersten Versuchen hat das System selbständig experimentelle Techniken (wieder)entdeckt, die heute in modernen quantenoptischen Labors Standard sind. Dies zeigt, dass Maschinen in Zukunft auch eine kreativ unterstützende Rolle in der Forschung einnehmen könnten.

In unseren Taschen stecken Smartphones, auf den Straßen fahren intelligente Autos, Experimente im Forschungslabor aber werden immer noch ausschließlich von...

Im Focus: Artificial agent designs quantum experiments

On the way to an intelligent laboratory, physicists from Innsbruck and Vienna present an artificial agent that autonomously designs quantum experiments. In initial experiments, the system has independently (re)discovered experimental techniques that are nowadays standard in modern quantum optical laboratories. This shows how machines could play a more creative role in research in the future.

We carry smartphones in our pockets, the streets are dotted with semi-autonomous cars, but in the research laboratory experiments are still being designed by...

Im Focus: Fliegen wird smarter – Kommunikationssystem LYRA im Lufthansa FlyingLab

• Prototypen-Test im Lufthansa FlyingLab
• LYRA Connect ist eine von drei ausgewählten Innovationen
• Bessere Kommunikation zwischen Kabinencrew und Passagieren

Die Zukunft des Fliegens beginnt jetzt: Mehrere Monate haben die Finalisten des Mode- und Technologiewettbewerbs „Telekom Fashion Fusion & Lufthansa FlyingLab“...

Im Focus: Ein Atom dünn: Physiker messen erstmals mechanische Eigenschaften zweidimensionaler Materialien

Die dünnsten heute herstellbaren Materialien haben eine Dicke von einem Atom. Sie zeigen völlig neue Eigenschaften und sind zweidimensional – bisher bekannte Materialien sind dreidimensional aufgebaut. Um sie herstellen und handhaben zu können, liegen sie bislang als Film auf dreidimensionalen Materialien auf. Erstmals ist es Physikern der Universität des Saarlandes um Uwe Hartmann jetzt mit Forschern vom Leibniz-Institut für Neue Materialien gelungen, die mechanischen Eigenschaften von freitragenden Membranen atomar dünner Materialien zu charakterisieren. Die Messungen erfolgten mit dem Rastertunnelmikroskop an Graphen. Ihre Ergebnisse veröffentlichen die Forscher im Fachmagazin Nanoscale.

Zweidimensionale Materialien sind erst seit wenigen Jahren bekannt. Die Wissenschaftler André Geim und Konstantin Novoselov erhielten im Jahr 2010 den...

Im Focus: Forscher entschlüsseln zentrales Reaktionsprinzip von Metalloenzymen

Sogenannte vorverspannte Zustände beschleunigen auch photochemische Reaktionen

Was ermöglicht den schnellen Transfer von Elektronen, beispielsweise in der Photosynthese? Ein interdisziplinäres Forscherteam hat die Funktionsweise wichtiger...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Kongress Meditation und Wissenschaft

19.01.2018 | Veranstaltungen

LED Produktentwicklung – Leuchten mit aktuellem Wissen

18.01.2018 | Veranstaltungen

6. Technologie- und Anwendungsdialog am 18. Januar 2018 an der TH Wildau: „Intelligente Logistik“

18.01.2018 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Open Science auf offener See

19.01.2018 | Geowissenschaften

Original bleibt Original - Neues Produktschutzverfahren für KFZ-Kennzeichenschilder

19.01.2018 | Informationstechnologie

Elektrische Felder steuern Nano-Maschinen 100.000-mal schneller als herkömmliche Methoden

19.01.2018 | Energie und Elektrotechnik