Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Lassafieber

25.07.2006
Anlässlich des aktuellen Falls von Lassafieber, welcher vergangene Woche bei einem Patienten des Universitätsklinikums Münster festgestellt wurde, bietet das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg weiterführende Hintergrundinformationen zur Lassavirus-Erkrankung an.

Die Erkrankung

Lassa-Fieber ist eine Viruserkrankung und in ländlichen Gebieten West-Afrikas ganzjährig verbreitet. Überträger sind chronisch infizierte kleine Nagetiere (Mastomys natalensis), die in die Vorratshäuser eindringen und Nahrungsmittel mit Urin oder Exkrementen kontaminieren. Bei engen Kontakt mit Erkrankten ist das Lassafieber auch von Mensch zu Mensch übertragbar.

Die Krankheit beginnt beim Menschen meist mit Grippe-ähnlichen Symptomen, also Halsschmerzen, Lungenentzündung und hohem Fieber. Bei schweren Fällen wird auch eine Hepatitis beobachtet. Im Verlauf der Krankheit kann sich eine lebensbedrohliche Blutungsneigung entwickeln (Hämorrhagie). Die Sterblichkeitsrate der stationär behandelten Patienten liegt bei 10 - 20%, meist versterben die Patienten an Multiorgan- oder Herz-Kreislauf-Versagen. Bevölkerungsstudien in den Hauptverbreitungsgebieten Westafrikas geben Hinweise darauf, dass Lassavirus-Infektionen offenbar auch ohne auffällige klinische Symptome verlaufen können.

Wegen der als hoch eingeschätzten Seuchengefahr wird das Lassavirus in die höchste biologische Sicherheitsstufe vier eingruppiert. Die Behandlungsmöglichkeiten beschränken sich im Wesentlichen auf eine Erleichterung der Symptome. Eine Wirksamkeit des antiviralen Medikamentes Ribavirin ist zumindest für die Frühphase der Erkrankung beschrieben. Ribavirin wird auch zu Prophylaxe für Kontaktpersonen eingesetzt. Ein Impfstoff steht nicht zur Verfügung. Die Präventionsmaßnahmen konzentrieren sich deshalb auf die Isolierung des Patienten, die Beobachtung von Kontaktpersonen sowie strikte Schutzmaßnahmen im Umgang mit dem Virus.

Lassa-Fieber in Europa

In den letzten sechs Jahren sind vereinzelt Lassa-Infektionen nach Europa eingeschleppt worden. Verdachtsfälle von Lassafieber in Europa standen meist in Zusammenhang mit Hilfseinsätzen im bürgerkriegsgeschüttelten Sierra Leone. Die Krankheit ist aufgrund ihrer Verbreitung für Touristen normalerweise keine bedeutsame Gesundheitsgefahr. In Deutschland starb jedoch 2000 eine Studentin am Lassafieber, die sich als Rucksacktouristin in den ländlichen Endemiegebieten Westafrikas aufgehalten hatte. Ebenfalls in 2000 wurde Lassa bei einem Nigerianer diagnostiziert, der wegen neurologischer Symptome in Deutschland behandelt wurde und aufgrund anderer Ursachen verstarb.

Möglicherweise Nur in einem der Lassa-Fälle in Deutschland kam es zu einer Übertragung des Virus auf eine enge Kontaktperson, die aber nicht zu einer Erkrankung führte.

Diagnostik

Die Diagnostik erfolgt durch Virusnachweis im Blut, Urin und anderem klinischen Material während der akuten Krankheitsphase oder dem Nachweis von spezifischen Antikörpern. Für einen schnellen direkten Virusnachweis wird die Erbsubstanz RNS des Virus über Genamplifikation (RT-PCR) vermehrt. Diese zuverlässigen und hochempfindliche Tests sind in der Virologie des BNI für viele hämorrhagische Fieber wie z.B. Lassa-, Ebola- und Marburgfieber entwickelt worden. Um eine schnelle Diagnostik hochinfektiöser Erkrankungen wie das Lassafieber zu gewährleisten, besteht am Bernhard-Nocht-Institut eine 24stündige Rufbereitschaft. Im aktuellen Lassafieber-Fall konnte die Abteilung für Virologie am 20. Juli 2006 innerhalb weniger Stunden eine positive Diagnose durch direkten Virusnachweis stellen. Genetische Analysen ergaben, dass es sich um einen Virusstamm aus Sierra Leone handelt.

Virologie am Bernhard-Nocht-Institut

Am BNI wird seit über 20 Jahren an hochinfektiösen tropischen Fieberviren geforscht. Für diese Arbeiten steht ein Labor der höchsten biologischen Hochsicherheitsstufe vier zur Verfügung. Das Lassa-Fieber ist Forschungsschwerpunkt der Abteilung für Virologie, die durch Kooperationen u.a. mit Nigeria, Guinea und Liberia über eine der größten Lassavirus-Sammlungen weltweit verfügt. Diagnostische Verfahren werden in Zusammenarbeit mit der Arbeitsgruppe Klinische Virologie des BNI weiterentwickelt. Die beiden leitenden Virologen Dr. Stephan Günther und Dr. Christian Drosten koordinieren europäische Netzwerke für die Diagnostik hochinfektiöser Fieberviren und arbeiten als Kooperationszentrum mit der Weltgesundheitsorganisation zusammen.

Eva Königsmann | idw
Weitere Informationen:
http://www.rki.de
http://www.gesundes-reisen.de

Weitere Berichte zu: BNI Diagnostik Lassafieber Virologie Virus Virusnachweis

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Akute Myeloische Leukämie: Ulmer erforschen bisher unbekannten Mechanismus der Blutkrebsentstehung
26.04.2017 | Universität Ulm

nachricht Zusammenhang zwischen Immunsystem, Hirnstruktur und Gedächtnis entdeckt
26.04.2017 | Universität Basel

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen

Am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist am Dienstag eine weltweit einzigartige Anlage in Betrieb genommen worden, mit der die Einflüsse von Turbulenzen auf Wolkenprozesse unter präzise einstellbaren Versuchsbedingungen untersucht werden können. Der neue Windkanal ist Teil des Leipziger Wolkenlabors, in dem seit 2006 verschiedenste Wolkenprozesse simuliert werden. Unter Laborbedingungen wurden z.B. das Entstehen und Gefrieren von Wolken nachgestellt. Wie stark Luftverwirbelungen diese Prozesse beeinflussen, konnte bisher noch nicht untersucht werden. Deshalb entstand in den letzten Jahren eine ergänzende Anlage für rund eine Million Euro.

Die von dieser Anlage zu erwarteten neuen Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis von Wetter und Klima, wie etwa die Bildung von Niederschlag und die...

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Im Focus: Leichtbau serientauglich machen

Immer mehr Autobauer setzen auf Karosserieteile aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff (CFK). Dennoch müssen Fertigungs- und Reparaturkosten weiter gesenkt werden, um CFK kostengünstig nutzbar zu machen. Das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) hat daher zusammen mit der Volkswagen AG und fünf weiteren Partnern im Projekt HolQueSt 3D Laserprozesse zum automatisierten Besäumen, Bohren und Reparieren von dreidimensionalen Bauteilen entwickelt.

Automatisiert ablaufende Bearbeitungsprozesse sind die Grundlage, um CFK-Bauteile endgültig in die Serienproduktion zu bringen. Ausgerichtet an einem...

Im Focus: Making lightweight construction suitable for series production

More and more automobile companies are focusing on body parts made of carbon fiber reinforced plastics (CFRP). However, manufacturing and repair costs must be further reduced in order to make CFRP more economical in use. Together with the Volkswagen AG and five other partners in the project HolQueSt 3D, the Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) has developed laser processes for the automatic trimming, drilling and repair of three-dimensional components.

Automated manufacturing processes are the basis for ultimately establishing the series production of CFRP components. In the project HolQueSt 3D, the LZH has...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Ballungsräume Europas

26.04.2017 | Veranstaltungen

200 Weltneuheiten beim Innovationstag Mittelstand in Berlin

26.04.2017 | Veranstaltungen

123. Internistenkongress: Wie digitale Technik die Patientenversorgung verändert

26.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Akute Myeloische Leukämie: Ulmer erforschen bisher unbekannten Mechanismus der Blutkrebsentstehung

26.04.2017 | Biowissenschaften Chemie

Naturkatastrophen kosten Winzer jährlich Milliarden

26.04.2017 | Interdisziplinäre Forschung

Zusammenhang zwischen Immunsystem, Hirnstruktur und Gedächtnis entdeckt

26.04.2017 | Biowissenschaften Chemie