Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Was den Menschen zum Menschen macht

21.07.2006
BMBF finanziert interdisziplinäres Verbundprojekt des Instituts für Philosophie der Universität Jena

Was unterscheidet den Menschen von Tieren? Spontan denkt man: "Vieles". Da sind die Sprache, das Abstraktionsvermögen, der Gebrauch von Werkzeugen oder kulturelles Verhalten. "Doch lassen sich bei genauerer Betrachtung all diese Fähigkeiten im Ansatz auch bei Tieren finden", sagt Prof. Dr. Wolfgang Welsch, Inhaber des Lehrstuhls für Theoretische Philosophie der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Wale kommunizieren über Hunderte von Kilometern, Tauben erkennen abstrakte Formen, Schimpansen benutzen nicht nur Werkzeuge, sie erfinden sogar selbst neue.

Die Liste der "menschlichen" Eigenschaften, die sich im Tierreich wiederfinden, ließe sich beliebig fortsetzen. "Was also macht den Menschen aus?", fragt Welsch und erklärt die philosophische Anthropologie für überholt, die nach übernatürlichen Begründungen für die Besonderheiten des Menschen sucht. Stattdessen versucht der Jenaer Philosoph nun mit einem interdisziplinären Forschungsansatz die im Laufe der Evolution entstandenen Humancharakteristika zu ergründen. Dazu hat er fünf renommierte Partner gewonnen und den Forschungsverbund "Interdisziplinäre Anthropologie: Fortwirken der Evolution im Menschen - Humanspezifik - Objektivitätschancen der Erkenntnis" (EHO) initiiert. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) finanziert das Verbundprojekt in den kommenden drei Jahren mit insgesamt mehr als einer Million Euro. Rund 367.000 Euro fließen in das Jenaer Teilprojekt.

"Wir wollen eine Anthropologie entwickeln, die dem aktuellen Wissensstand entspricht", umreißt Prof. Welsch das Ziel des gemeinsamen Forschungsvorhabens. Das vereint die Jenaer Philosophen mit Wissenschaftlern des Deutschen Primatenzentrums in Göttingen (Julia Fischer), der Max-Planck-Institute für Hirnforschung (Wolf Singer, Frankfurt/M.), Evolutionäre Anthropologie (Hannes Rakoczy, Leipzig) sowie Kognitions- und Neurowissenschaften (Ricarda Schubotz, Leipzig) und des Instituts für Psychologie der Universität Kiel (Rainer Mausfeld). Im Rahmen des Projekts wollen die Forscher die in den vergangenen Jahrzehnten in verschiedenen naturwissenschaftlichen Disziplinen gewonnenen neuen Erkenntnisse über den Menschen sammeln und zu einem zeitgemäßen Gesamtbild integrieren.

In der ersten Projektphase stehen drei Problemkomplexe im Mittelpunkt. "Zum einen fragen wir, wie die Evolution im Menschen bis heute fortwirkt", so Prof. Welsch. "Zum anderen wollen wir versuchen, die Spezifika des Humanen herauszuarbeiten". Ein dritter Komplex befasst sich mit den Objektivitätschancen der Erkenntnis. Diesem ist auch das Jenaer Teilprojekt "Versionen und Möglichkeiten epistemischer Objektivität" gewidmet. "Im Unterschied zur modernen Standardauffassung, wonach alles menschliche Erkennen letztlich subjektiv sei, wollen wir eine Neueinschätzung der Möglichkeit objektiver Erkenntnis entwickeln", erklärt der Philosoph Welsch.

Der Jenaer Öffentlichkeit wollen Prof. Welsch und seine Kollegen das Verbundvorhaben durch eine Ringvorlesung vorstellen, die voraussichtlich am 8. November 2006 startet. Außerdem haben sie eine Internetseite eingerichtet, die den Fortgang der Projektarbeit stetig dokumentiert.

Kontakt:
Prof. Dr. Wolfgang Welsch
Institut für Philosophie der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Zwätzengasse 9, 07743 Jena
Tel.: 03641 / 944111
Fax: 03641 / 944112
E-Mail: wolfgang.welsch[at]uni-jena.de

Dr. Ute Schönfelder | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-jena.de/eho

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Von der Genexpression zur Mikrostruktur des Gehirns
24.04.2018 | Forschungszentrum Jülich

nachricht Nano-Ampel zeigt Risiko an
24.04.2018 | Universität Duisburg-Essen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: BAM@Hannover Messe: Innovatives 3D-Druckverfahren für die Raumfahrt

Auf der Hannover Messe 2018 präsentiert die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM), wie Astronauten in Zukunft Werkzeug oder Ersatzteile per 3D-Druck in der Schwerelosigkeit selbst herstellen können. So können Gewicht und damit auch Transportkosten für Weltraummissionen deutlich reduziert werden. Besucherinnen und Besucher können das innovative additive Fertigungsverfahren auf der Messe live erleben.

Pulverbasierte additive Fertigung unter Schwerelosigkeit heißt das Projekt, bei dem ein Bauteil durch Aufbringen von Pulverschichten und selektivem...

Im Focus: BAM@Hannover Messe: innovative 3D printing method for space flight

At the Hannover Messe 2018, the Bundesanstalt für Materialforschung und-prüfung (BAM) will show how, in the future, astronauts could produce their own tools or spare parts in zero gravity using 3D printing. This will reduce, weight and transport costs for space missions. Visitors can experience the innovative additive manufacturing process live at the fair.

Powder-based additive manufacturing in zero gravity is the name of the project in which a component is produced by applying metallic powder layers and then...

Im Focus: IWS-Ingenieure formen moderne Alu-Bauteile für zukünftige Flugzeuge

Mit Unterdruck zum Leichtbau-Flugzeug

Ingenieure des Fraunhofer-Instituts für Werkstoff- und Strahltechnik (IWS) in Dresden haben in Kooperation mit Industriepartnern ein innovatives Verfahren...

Im Focus: Moleküle brillant beleuchtet

Physiker des Labors für Attosekundenphysik, der Ludwig-Maximilians-Universität und des Max-Planck-Instituts für Quantenoptik haben eine leistungsstarke Lichtquelle entwickelt, die ultrakurze Pulse über einen Großteil des mittleren Infrarot-Wellenlängenbereichs generiert. Die Wissenschaftler versprechen sich von dieser Technologie eine Vielzahl von Anwendungen, unter anderem im Bereich der Krebsfrüherkennung.

Moleküle sind die Grundelemente des Lebens. Auch wir Menschen bestehen aus ihnen. Sie steuern unseren Biorhythmus, zeigen aber auch an, wenn dieser erkrankt...

Im Focus: Molecules Brilliantly Illuminated

Physicists at the Laboratory for Attosecond Physics, which is jointly run by Ludwig-Maximilians-Universität and the Max Planck Institute of Quantum Optics, have developed a high-power laser system that generates ultrashort pulses of light covering a large share of the mid-infrared spectrum. The researchers envisage a wide range of applications for the technology – in the early diagnosis of cancer, for instance.

Molecules are the building blocks of life. Like all other organisms, we are made of them. They control our biorhythm, and they can also reflect our state of...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

infernum-Tag 2018: Digitalisierung und Nachhaltigkeit

24.04.2018 | Veranstaltungen

Fraunhofer eröffnet Community zur Entwicklung von Anwendungen und Technologien für die Industrie 4.0

23.04.2018 | Veranstaltungen

Mars Sample Return – Wann kommen die ersten Gesteinsproben vom Roten Planeten?

23.04.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Von der Genexpression zur Mikrostruktur des Gehirns

24.04.2018 | Biowissenschaften Chemie

Bestrahlungserfolg bei Hirntumoren lässt sich mit kombinierter PET/MRT vorhersagen

24.04.2018 | Medizintechnik

RWI/ISL-Containerumschlag-Index auf hohem Niveau deutlich rückläufig

24.04.2018 | Wirtschaft Finanzen

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics