Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Entschlüsselung des Neandertalergenoms

20.07.2006
Kooperation zwischen dem Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie und der US-amerikanischen 454 Life Sciences Corporation

Das Leipziger Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie und die 454 Life Sciences Corporation, Branford, Connecticut, USA wollen innerhalb der nächsten zwei Jahre einen ersten Entwurf des Neandertalergenoms vorlegen. Prof. Svante Pääbo, Direktor der Abteilung für Evolutionäre Genetik am MPI und Dr. Michael Egholm, Vize-Präsident für Molekulare Biologie bei 454 Life Sciences, werden das Projekt, das von der Max-Planck-Gesellschaft finanziert wird, gemeinsam leiten. Eine von 454 Life Sciences neu entwickelte Technologie macht es möglich, Zellkern-DNA aus Neandertalerfossilien zu entnehmen und zu entschlüsseln. Dies war mit bisherigen Methoden praktisch unmöglich. Als ersten Test haben die Projektpartner bereits etwa eine Million Basenpaare der Zellkern-DNA eines 38.000 Jahre alten Neandertalerfossils aus Kroatien entschlüsselt.

In diesem August jährt sich zum 150. Mal die Entdeckung des ersten Neandertalerfossils im Neandertal nahe Düsseldorf. Seither versuchen Paläontologen und Anthropologen aufzudecken, welche Rolle diese Frühmenschen, die in Europa und Teilen Asiens lebten und vor etwa 30.000 Jahren verschwanden, in der Evolution des modernen Menschen gespielt haben. 1997 gelang es dem Molekularbiologen Svante Pääbo erstmals aus den Mitochondrien, den Kraftwerken der Zelle, stammende DNA-Sequenzen des Neandertalers zu entschlüsseln. Gemeinsam mit 454 Life Sciences will der Max-Planck-Wissenschaftler nun das gesamte 3 Milliarden Basenpaare umfassende Neandertalergenom entschlüsseln. Im Anschluss soll das Genom des Neandertalers mit den bereits entschlüsselten Genomen von Mensch und Schimpanse verglichen werden. Dies wird helfen, die evolutionäre Verwandtschaft von Mensch und Neandertaler aufzuklären und die genetischen Veränderungen zu identifizieren, die die Menschen dazu befähigten, vor etwa 100.000 Jahren Afrika zu verlassen und sich auf der gesamten Welt auszubreiten.

Die DNA von Fossilien zu analysieren, ist eine technische Herausforderung. Nachdem ein Organismus gestorben ist, werden seine Zellen von Bakterien und Pilzen eingenommen. Ein Großteil der DNA wird dabei zerstört und der geringe Teil, der noch vorhanden ist, zerfällt während der lang andauernden Fossilierung in kleine Stücke und wird chemisch verändert. Wenn Wissenschaftler also winzige Proben alter DNA untersuchen, resultiert der Großteil dieser DNA aus der Kontamination mit Bakterien, Pilzen und von jenen Wissenschaftlern, die zuvor mit den Knochen gearbeitet bzw. sie geborgen haben. In den letzten zwanzig Jahren hat die Arbeitsgruppe von Svante Pääbo Methoden entwickelt, mit deren Hilfe die Authentizität alter DNA festgestellt werden kann, und sie hat technische Lösungen gefunden, um mit den sehr kurzen, chemisch modifizierten DNA-Fragmenten zu arbeiten. Mit Unterstützung von 454 Life Sciences werden die Forscher diese Arbeitstechniken jetzt mit neuen DNA-Sequenzierungsmethoden verbinden, die zur Analyse alter DNA hervorragend geeignet sind.

Am 20. Juli 2006 werden Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie gemeinsam mit Vertretern von 454 Life Sciences im Rahmen einer Pressekonferenz weitere Details zum Projekt bekannt geben und Fragen beantworten. Es besteht die Möglichkeit, die Pressekonferenz von 15:00 Uhr MEZ an live im Internet zu verfolgen. Fragen können sowohl im Vorfeld als auch im Anschluss an die Pressekonferenz per E-Mail an neandertal@eva.mpg.de gesendet werden.

Dr. Andreas Trepte | Max-Planck-Gesellschaft
Weitere Informationen:
http://www.mpg.de

Weitere Berichte zu: Anthropologie DNA Life Max-Planck-Institut Neandertaler Science

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Auf der molekularen Streckbank
24.02.2017 | Technische Universität München

nachricht Sicherungskopie im Zentralhirn: Wie Fruchtfliegen ein Ortsgedächtnis bilden
24.02.2017 | Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: „Vernetzte Autonome Systeme“ von acatech und DFKI auf der CeBIT

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kooperation mit der Deutschen Messe AG vernetzte Autonome Systeme. In Halle 12 am Stand B 63 erwarten die Besucherinnen und Besucher unter anderem Roboter, die Hand in Hand mit Menschen zusammenarbeiten oder die selbstständig gefährliche Umgebungen erkunden.

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für...

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aufbruch: Forschungsmethoden in einer personalisierten Medizin

24.02.2017 | Veranstaltungen

Österreich erzeugt erstmals Erdgas aus Sonnen- und Windenergie

24.02.2017 | Veranstaltungen

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer HHI auf dem Mobile World Congress mit VR- und 5G-Technologien

24.02.2017 | Messenachrichten

MWC 2017: 5G-Hauptstadt Berlin

24.02.2017 | Messenachrichten

Auf der molekularen Streckbank

24.02.2017 | Biowissenschaften Chemie