Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Gesundheitsrisiken im Computer berechnen

20.07.2006
TU Dresden unterstützt die Analyse von 30.000 Chemikalien mit weltweitem Computernetzwerk

Weltweit werden fast 100.000 unterschiedliche Chemikalien in privaten Haushalten und der Industrie verwendet. Für einen Großteil dieser Substanzen sind die gesundheitlichen und ökologischen Auswirkungen bisher nicht bekannt.

Die EU wird Ende dieses Jahres bzw. Anfang 2007 eine neue Chemikalienverordnung (REACH-Richtlinie - Registration, Evaluation and Authorisation of Chemicals) beschließen, nach der unter anderem ca. 30.000 dieser Substanzen untersucht werden sollen.

Eine Möglichkeit, um derartige Untersuchungen im erforderlichen Ausmaß durchzuführen, wird das Zentrum für Informationsdienste und Hochleistungsrechnen (ZIH) der Technischen Universität Dresden gemeinsam mit Chemikern, Biologen und anderen Informatikern im Projekt CHEMOMENTUM umsetzen.

Die Wissenschaftler planen, ein so genanntes "GRID" aufbauen. Ein GRID verbindet weltweit verteilte Computer und Daten zu einer virtuellen Einheit, so dass es für Wissenschaftler wie ein einziger großer Rechner erscheint, auf dem sie ihre Programme ausführen können.

Ziel ist es, mögliche Gesundheits- und Umweltrisiken der Chemikalien festzustellen und zu dokumentieren. Bei klassischen biologischen und chemischen Verfahren würde diese Untersuchung allerdings mehreren Millionen Versuchstieren das Leben kosten. Neueste Erkenntnisse der Chemie und Biologie erlauben es jedoch, die Experimente aus den Laboren in Computer zu verlagern ("in silico"-Experimente). Mittlerweile können Wissenschaftler aus mathematischen Modellen unter anderem Angaben über die Toxizität von Stoffen ableiten. Dazu wird bekanntes Wissen über kleinere Bestandteile einer Chemikalie (zum Beispiel über die biologische Wirkung einer enthaltenen Molekülkette), auf die gesamte Substanz erweitert. Diese Berechnungen sind jedoch enorm zeitaufwendig. Daher soll das von den Dresdner Informatikern geplante GRID-Netzwerk die Leistungen von beteiligten Computern bündeln, dadurch die Effizienz erhöhen und den Zeitaufwand erheblich reduzieren.

Neben der Entwicklung von Software zum Management der großen verteilten Datenmengen wird das ZIH auch seine Computer-Ressourcen - wie den sich gerade in der Installation befindlichen 15 Millionen Euro teuren "Hochleistungsrechner/Speicherkomplex" - als Teilkomponente in das Projekt CHEMOMENTUM einbringen. Gemeinsam mit den Partnern aus Wissenschaft und Industrie (beteiligt sind Deutschland, Estland, Frankreich, Italien, Nordirland, Polen und die Schweiz) will man mit dem System die enormen Kosten der Studien zur REACH-Richtlinie, die vermutlich mehrere Milliarden Euro betragen, erheblich senken.

Darüber hinaus sollen auch die Behörden mit einem Werkzeug unterstützt werden, um die "in silico"-Experimente zu überprüfen. Zum einen steht ihnen damit eine Wissensdatenbank zur Verfügung, anhand derer sie Informationen über bestimmte Chemikalien erhalten können. Zum anderen sollen sowohl Experimente als auch Methoden der wissenschaftlichen Substanzanalyse verzeichnet sein, wodurch die Ergebnisse der Untersuchungen von den Behörden entsprechend bewertet werden können.

Das Projekt CHEMOMENTUM wird von der EU mit insgesamt 2,6 Millionen Euro gefördert.

Weitere Informationen:
Dr. Ralph Müller-Pfefferkorn, Dr. Hartmut Mix
Zentrum für Informationsdienste und Hochleistungsrechen
Tel. 0351 463-39280, E-Mail: ralph.mueller-pfefferkorn@tu-dresden.de, hartmut.mix@tu-dresden.de

Kim-Astrid Magister | idw
Weitere Informationen:
http://www.tu-dresden.de/zih

Weitere Berichte zu: CHEMOMENTUM Gesundheitsrisiko REACH-Richtlinie ZIH

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Was läuft schief beim Noonan-Syndrom? – Grundlagen der neuronalen Fehlfunktion entdeckt
16.10.2017 | Leibniz-Institut für Neurobiologie

nachricht Keimfreie Bruteier: Neue Alternative zum gängigen Formaldehyd
16.10.2017 | Technische Universität Graz

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Smarte Sensoren für effiziente Prozesse

Materialfehler im Endprodukt können in vielen Industriebereichen zu frühzeitigem Versagen führen und den sicheren Gebrauch der Erzeugnisse massiv beeinträchtigen. Eine Schlüsselrolle im Rahmen der Qualitätssicherung kommt daher intelligenten, zerstörungsfreien Sensorsystemen zu, die es erlauben, Bauteile schnell und kostengünstig zu prüfen, ohne das Material selbst zu beschädigen oder die Oberfläche zu verändern. Experten des Fraunhofer IZFP in Saarbrücken präsentieren vom 7. bis 10. November 2017 auf der Blechexpo in Stuttgart zwei Exponate, die eine schnelle, zuverlässige und automatisierte Materialcharakterisierung und Fehlerbestimmung ermöglichen (Halle 5, Stand 5306).

Bei Verwendung zeitaufwändiger zerstörender Prüfverfahren zieht die Qualitätsprüfung durch die Beschädigung oder Zerstörung der Produkte enorme Kosten nach...

Im Focus: Smart sensors for efficient processes

Material defects in end products can quickly result in failures in many areas of industry, and have a massive impact on the safe use of their products. This is why, in the field of quality assurance, intelligent, nondestructive sensor systems play a key role. They allow testing components and parts in a rapid and cost-efficient manner without destroying the actual product or changing its surface. Experts from the Fraunhofer IZFP in Saarbrücken will be presenting two exhibits at the Blechexpo in Stuttgart from 7–10 November 2017 that allow fast, reliable, and automated characterization of materials and detection of defects (Hall 5, Booth 5306).

When quality testing uses time-consuming destructive test methods, it can result in enormous costs due to damaging or destroying the products. And given that...

Im Focus: Cold molecules on collision course

Using a new cooling technique MPQ scientists succeed at observing collisions in a dense beam of cold and slow dipolar molecules.

How do chemical reactions proceed at extremely low temperatures? The answer requires the investigation of molecular samples that are cold, dense, and slow at...

Im Focus: Kalte Moleküle auf Kollisionskurs

Mit einer neuen Kühlmethode gelingt Wissenschaftlern am MPQ die Beobachtung von Stößen in einem dichten Strahl aus kalten und langsamen dipolaren Molekülen.

Wie verlaufen chemische Reaktionen bei extrem tiefen Temperaturen? Um diese Frage zu beantworten, benötigt man molekulare Proben, die gleichzeitig kalt, dicht...

Im Focus: Astronomen entdecken ungewöhnliche spindelförmige Galaxien

Galaxien als majestätische, rotierende Sternscheiben? Nicht bei den spindelförmigen Galaxien, die von Athanasia Tsatsi (Max-Planck-Institut für Astronomie) und ihren Kollegen untersucht wurden. Mit Hilfe der CALIFA-Umfrage fanden die Astronomen heraus, dass diese schlanken Galaxien, die sich um ihre Längsachse drehen, weitaus häufiger sind als bisher angenommen. Mit den neuen Daten konnten die Astronomen außerdem ein Modell dafür entwickeln, wie die spindelförmigen Galaxien aus einer speziellen Art von Verschmelzung zweier Spiralgalaxien entstehen. Die Ergebnisse wurden in der Zeitschrift Astronomy & Astrophysics veröffentlicht.

Wenn die meisten Menschen an Galaxien denken, dürften sie an majestätische Spiralgalaxien wie die unserer Heimatgalaxie denken, der Milchstraße: Milliarden von...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresbiologe Mark E. Hay zu Gast bei den "Noblen Gesprächen" am Beutenberg Campus in Jena

16.10.2017 | Veranstaltungen

bionection 2017 erstmals in Thüringen: Biotech-Spitzenforschung trifft in Jena auf Weltmarktführer

13.10.2017 | Veranstaltungen

Tagung „Energieeffiziente Abluftreinigung“ zeigt, wie man durch Luftreinhaltemaßnahmen profitieren kann

13.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

ESO-Teleskope beobachten erstes Licht einer Gravitationswellen-Quelle

16.10.2017 | Physik Astronomie

Was läuft schief beim Noonan-Syndrom? – Grundlagen der neuronalen Fehlfunktion entdeckt

16.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Gewebe mit Hilfe von Stammzellen regenerieren

16.10.2017 | Förderungen Preise