Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Verletzte Organe "einfach" nachwachsen lassen?

20.12.2001


Lassen sich die erstaunlichen Regenerationsfähigkeiten vieler Tiere auf den Menschen übertragen?

Molche können bei Verletzungen neue Beine, Süßwasserpolypen sogar aus einzelnen Zellen wieder einen ganzen Organismus bilden. Diese enorme Regenerationsfähigkeit stellt ein großes, bisher ungenutztes Potential dar. Forscher, die Zelltherapien für Menschen entwickeln, können möglicherweise viel von Molchen und Süßwasserpolypen lernen. Die Zusammenhänge zwischen zukünftigen Zelltherapien und der erstaunlichen Regenerationsfähigkeit vieler Organismen werden erst jetzt erkannt. Prof. Dr. Thomas Holstein vom Institut für Zoologie an der Technischen Universität Darmstadt ist einer der Wissenschaftler, die die Regenerationsmechanismen verschiedener Tierarten erforschen. In einem Hintergrundbericht berichtet das Wissenschaftsmagazin Nature (Vol 414, 22. November 2001) über die weltweit laufenden Forschungen auf diesem Gebiet.

Zur Zeit erfährt die Forschung an menschlichen Stammzellen sehr viel Aufmerksamkeit. Der Nature-Artikel verdeutlicht, dass die Erforschung der Regenerationsfähigkeit vieler "niederer" Organismen für die Medizin von ebensolcher Bedeutung sein könnte wie die Stammzellenforschung.

Wenn es gelänge, die Funktionsweise der Regenerationsmechanismen von Hydren, Plattwürmern, Seesternen und anderen Tieren zu verstehen, deren Fähigkeiten manchmal wie ein Wunder scheinen, wäre das ein wichtiger Schritt dahin, diese auch für den Menschen verfügbar zu machen. Wie die Regenerationsmechanismen etwa bei Hydra funktionieren, dazu hat die Arbeit von Holstein und seiner Arbeitsgruppe in letzter Zeit wesentliche Erkenntnisse geliefert. Dabei hat sich z.B. herausgestellt, dass die Unterschiede zwischen hochgradig regenerationsfähigen "niederen" Tieren und dem Menschen nicht so groß sind wie bisher angenommen.

Ein Schwerpunkt der Arbeit von Holstein und seinen Mitarbeitern ist die Frage, wie während des Wachstums und während der Regeneration des "Kopfes" von Hydren Körperachsen angelegt werden (Nature 407, 186-189; 407, 81-85, PNAS97 12127-12231). Holstein und seine Mitarbeiter fanden heraus, dass die sogenannten Wnt-Signalmoleküle, die dabei eine zentrale Rolle spielen, eine erstaunliche Ähnlichkeit zu den entsprechenden Proteinen von Wirbeltieren, also auch des Menschen, aufweisen. Beispielsweise ist ein Protein des Süßwasserpolypen in der Lage, sowohl beim Polypen als auch im Amphibienembryo die Entstehung einer neuen Körperachse auszulösen.

"Die Forschung an Hydra könnte aufdecken, wie man jene Gene und Proteine selektiv reaktiviert, die der frühen Steuerung der Säugetierentwicklung dienen. Diese könnten dann die Regeneration von verletztem oder erkranktem Gewebe veranlassen", folgert Nature.

Diplom-Volksw. Sabine Gerbaulet | idw

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Blattkäfer: Schon winzige Pestizid-Dosis beeinträchtigt Fortpflanzung
26.07.2017 | Universität Bielefeld

nachricht Akute myeloische Leukämie (AML): Neues Medikament steht kurz vor der Zulassung in Europa
26.07.2017 | Universitätsklinikum Ulm

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Navigationssystem der Hirnzellen entschlüsselt

Das menschliche Gehirn besteht aus etwa hundert Milliarden Nervenzellen. Informationen zwischen ihnen werden über ein komplexes Netzwerk aus Nervenfasern übermittelt. Verdrahtet werden die meisten dieser Verbindungen vor der Geburt nach einem genetischen Bauplan, also ohne dass äußere Einflüsse eine Rolle spielen. Mehr darüber, wie das Navigationssystem funktioniert, das die Axone beim Wachstum leitet, haben jetzt Forscher des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) herausgefunden. Das berichten sie im Fachmagazin eLife.

Die Gesamtlänge des Nervenfasernetzes im Gehirn beträgt etwa 500.000 Kilometer, mehr als die Entfernung zwischen Erde und Mond. Damit es beim Verdrahten der...

Im Focus: Kohlenstoff-Nanoröhrchen verwandeln Strom in leuchtende Quasiteilchen

Starke Licht-Materie-Kopplung in diesen halbleitenden Röhrchen könnte zu elektrisch gepumpten Lasern führen

Auch durch Anregung mit Strom ist die Erzeugung von leuchtenden Quasiteilchen aus Licht und Materie in halbleitenden Kohlenstoff-Nanoröhrchen möglich....

Im Focus: Carbon Nanotubes Turn Electrical Current into Light-emitting Quasi-particles

Strong light-matter coupling in these semiconducting tubes may hold the key to electrically pumped lasers

Light-matter quasi-particles can be generated electrically in semiconducting carbon nanotubes. Material scientists and physicists from Heidelberg University...

Im Focus: Breitbandlichtquellen mit flüssigem Kern

Jenaer Forschern ist es gelungen breitbandiges Laserlicht im mittleren Infrarotbereich mit Hilfe von flüssigkeitsgefüllten optischen Fasern zu erzeugen. Mit den Fasern lieferten sie zudem experimentelle Beweise für eine neue Dynamik von Solitonen – zeitlich und spektral stabile Lichtwellen – die aufgrund der besonderen Eigenschaften des Flüssigkerns entsteht. Die Ergebnisse der Arbeiten publizierte das Jenaer Wissenschaftler-Team vom Leibniz-Instituts für Photonische Technologien (Leibniz-IPHT), dem Fraunhofer-Insitut für Angewandte Optik und Feinmechanik, der Friedrich-Schiller-Universität Jena und des Helmholtz-Insituts im renommierten Fachblatt Nature Communications.

Aus einem ultraschnellen intensiven Laserpuls, den sie in die Faser einkoppeln, erzeugen die Wissenschaftler ein, für das menschliche Auge nicht sichtbares,...

Im Focus: Flexible proximity sensor creates smart surfaces

Fraunhofer IPA has developed a proximity sensor made from silicone and carbon nanotubes (CNT) which detects objects and determines their position. The materials and printing process used mean that the sensor is extremely flexible, economical and can be used for large surfaces. Industry and research partners can use and further develop this innovation straight away.

At first glance, the proximity sensor appears to be nothing special: a thin, elastic layer of silicone onto which black square surfaces are printed, but these...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

10. Uelzener Forum: Demografischer Wandel und Digitalisierung

26.07.2017 | Veranstaltungen

Clash of Realities 2017: Anmeldung jetzt möglich. Internationale Konferenz an der TH Köln

26.07.2017 | Veranstaltungen

2. Spitzentreffen »Industrie 4.0 live«

25.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Robuste Computer für's Auto

26.07.2017 | Seminare Workshops

Läuft wie am Schnürchen!

26.07.2017 | Seminare Workshops

Leicht ist manchmal ganz schön schwer!

26.07.2017 | Seminare Workshops