Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Monogamie bei Säugetieren beruht nicht nur auf einem Gen

12.07.2006
Frühere Forschungsergebnisse zeigten, dass das Vorhandensein einer bestimmten Genvariante bei Mäusen zu monogamem Verhalten führt. Dieses "Treue-Gen" entfaltet seine Wirkung aber nicht überall: Es findet sich nämlich auch bei vielen polygam lebenden Mäusearten. Somit lässt sich bei Säugetieren kein allgemeiner Zusammenhang zwischen der natürlichen Veränderung eines einzelnen Gens und dem Paarungsverhalten feststellen.

Auch Mäuse mit dem "Treue-Gen" leben polygam: Dies haben Populationsgenetiker um Dr. Gerald Heckel vom Zoologischen Institut der Universität Bern herausgefunden. Sie widerlegten damit Vermutungen, dass ein einziges Gen das komplexe Sozialverhalten von Säugetieren grundlegend beeinflussen könne. Frühere Studien zeigten, dass bei der Monogamie der Rezeptor für das Hormon Arginin-Vasopressin im Gehirn von Säugetieren eine wichtige Rolle spielt. Seine Wirkung wurde von amerikanischen Forschern in aufsehenerregenden Experimenten bei vier nahe verwandten Wühlmaus-Arten untersucht. Zwei davon leben monogam, die anderen beiden leben polygam. Die monogam lebenden Mäuse wiesen deutlich mehr Rezeptoren für Vasopressin in bestimmten Hirnregionen auf als diejenigen ohne feste Paarbindung. Bei der Isolation des Gens, das für die Herstellung von Vasopressin-Rezeptoren verantwortlich ist, liessen sich bei monogamen und polygamen Mäusen unterschiedliche Varianten nachweisen. Als die Genvariante von monogamen Mäusen in das Gehirn von polygam lebenden Mäusen eingeschleust wurde, reagierten diese mit verstärktem Paarbildungsverhalten. Daraus wurde geschlossen, dass soziale Verhaltensmuster bereits auf einem einzigen Gen beruhen.

Komplexes Verhalten lässt sich nicht auf ein Gen reduzieren

Die Berner Forscher analysierten die DNA von 25 Mausarten und entdeckten die monogame Variante des "Treue-Gens" in allen untersuchten Tierarten - ausser in den beiden eingangs erwähnten polygamen Mausarten. Allerdings leben fast alle der untersuchten Arten dennoch polygam. Somit konnte kein allgemeiner Zusammenhang zwischen genetischen und sozialen Verhaltensmustern und dem Fehlen oder Vorhandensein bestimmter, natürlicher Varianten des "Treue-Gens" nachgewiesen werden. Gemäss Gerald Heckel zeigen diese Ergebnisse, dass Monogamie bei Säugetieren unabhängig von der geringfügigen Veränderung nur dieses einzigen Gens entstand: "Die simple genetische Programmierung eines so komplexen und wichtigen Verhaltens wie des Paarungsverhaltens ist sehr unwahrscheinlich". Sie wäre auch sicherlich von Nachteil für Organismen wie Nagetiere, die stark variierende Populationsdichten aufweisen und ihre Fortpflanzungsstrategie ständig an wechselnde Bedingungen anpassen müssen.

Die Ergebnisse der Berner Studie wurden in der Early Edition der "Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States" publiziert:

Sabine Fink, Laurent Excoffier, and Gerald Heckel: Mammalian monogamy is not controlled by a single gene. PNAS published July 10, 2006, 10.1073/pnas.0602380103 (Evolution)

Nathalie Matter | idw
Weitere Informationen:
http://www.unibe.ch/
http://www.kommunikation.unibe.ch/medien/mitteilungen/news/2006/monogamie.html

Weitere Berichte zu: Gen Monogamie Mäuse Paarungsverhalten Säugetiere

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht 'Fix Me Another Marguerite!'
23.06.2017 | Universität Regensburg

nachricht Schimpansen belohnen Gefälligkeiten
23.06.2017 | Max-Planck-Institut für Mathematik in den Naturwissenschaften (MPIMIS)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Radioaktive Elemente in Cassiopeia A liefern Hinweise auf Neutrinos als Ursache der Supernova-Explosion

23.06.2017 | Physik Astronomie

Dünenökosysteme modellieren

23.06.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Makro-Mikrowelle macht Leichtbau für Luft- und Raumfahrt effizienter

23.06.2017 | Materialwissenschaften