Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

In Brennnesseln lauert eine neue Gefahr für Reben

11.07.2006
Überträger-Insekten der Schwarzholzkrankheit erschließen sich neue Wirtspflanzen. Forscher der Biologischen Bundesanstalt (BBA) bitten Winzer, befallene Flächen mit Brennnesselwuchs zu melden

Die Winden-Glasflügelzikade stammt aus Südosteuropa. Das Wärme liebende Insekt ist schon seit Jahren in den Weinbergssteillagen an Mosel und Mittelrhein heimisch. Bei den Winzern hier ist Hyalesthes obsoletus nicht gern gesehen, denn die Zikade ist Überträger für die Schwarzholzkrankheit der Rebe. Wegen des günstigen Mikroklimas waren bisher ausschließlich die Steillagen betroffen. Das ändert sich jedoch. "Wir registrieren seit einigen Jahren neue Ausbrüche in bisher nicht befallenen Regionen", berichtet Dr. Michael Maixner von der der Biologischen Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft (BBA).

Der Leiter des Instituts für Pflanzenschutz in Weinbau in Bernkastel-Kues beobachtet intensiv den Flug der ausgewachsenen Zikaden, der jetzt in vollem Gange ist und knappe sechs Wochen anhält. An seinem Institut sind 1994 Phytoplasmen, das sind Bakterien, als Erreger der Schwarzholzkrankheit entdeckt worden. Die Krankheit wird durch unterschiedliche Typen von Phytoplasmen hervorgerufen. Die BBA-Forscher erkannten, dass die Zikaden die Krankheit von Ackerwildkräutern auf die Reben übertragen. Bisher galt in Deutschland die Ackerwinde als häufigste Infektionsquelle. Nun breitet sich die Winden-Glasflügelzikade aber zunehmend auf Brennnesseln aus. Das führt dazu, dass jetzt ein neuer Schwarzholz-Typ die Reben infiziert.

Die Wissenschaftler aus Bernkastel sind derzeit in den Weinbergen unterwegs, um Material zu sammeln. "Wir haben festgestellt, dass wieder Brennnesseln an neuen Standorten besiedelt worden sind", berichtet Dr. Maixner. Er bittet die Winzer, von der Schwarzholzkrankheit befallene Rebflächen mit Brennnesseln im Institut zu melden. Durch molekulargenetische Untersuchungen der gefangenen Zikaden kann im Labor der Typ des Krankheitserregers bestimmt werden. "Dort, wo der neuartige Brennnessel-Phytoplasmatyp auftritt, sollten diese Unkräuter in den Rebflächen bekämpft werden", rät Maixner. Die Brennnesseln sollten jedoch keinesfalls vor Mitte August entfernt werden, warnt der BBA-Experte, da sonst die Zikaden auf die Reben überwechseln und das Problem verschärft wird.

Die Schwarzholzkrankheit ist ein Problem mit europäischer Dimension. Deshalb kooperieren die Wissenschaftler der betroffenen Weinbaugebiete. Gemeinsam mit Kollegen aus Frankreich und Italien erarbeiten die Bernkasteler praxisgerechte Lösungen für den Weinbau. Erst im Juni waren australische Wissenschaftler am Institut, um sich über neueste Erkenntnisse auf dem Gebiet der Phytoplasmen zu informieren. "Die Weinpflanzungen in den Steillagen sind ein ideales Terrain für Versuche. Denn schon jetzt treten hier Rebschutzprobleme auf, die bei fortschreitendem Klimawandel in allen Weinbaulagen zu erwarten sind", erklärt der BBA-Wissenschaftler die Bedeutung der Forschungsarbeiten. Zusammen mit der Universität in Mainz untersuchen sie aktuell, woher die Winden-Glasflügelzikade in die deutschen Weinbaugebiete eingewandert ist.

Info zur Schwarzholzkrankheit (wiss. Bois noir):
Gelbe, gerollte Blätter, unverholzte, später schwarze Triebe sowie schrumpfende Trauben sind das Kennzeichen der Schwarzholzkrankheit. Erreger der Krankheit ist ein Bakterium, ein so genanntes Phytoplasma.
Kontakt:
Dr. Michael Maixner
Institut für Pflanzenschutz im Weinbau der BBA
Brüningstr. 84, 54470 Bernkastel-Kues
Tel.: 06531 / 971810
E-Mail: weinbau@bba.de

Stefanie Hahn | idw
Weitere Informationen:
http://www.bba.bund.de
http://www.bba.bund.de/cln_044/nn_805044/DE/veroeff/popwiss/pdfs/schwarzholzrebe.html

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Zirkuläre RNA wird in Proteine übersetzt
24.03.2017 | Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft

nachricht Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen
24.03.2017 | Universität Bayreuth

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise