Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Hochleistungs-Zellen für die Gentherapie

10.07.2006
Forscher entwickeln neues Verfahren zur Herstellung von Gen-Vektoren

Ein neuer Typ von Zellen, den Forscher jetzt entwickelt haben, kann schnell und kontinuierlich große und definierte Mengen von retroviralen Viruspartikeln herstellen. Der Trick dabei: Man lässt die für die Virusproduktion erforderlichen Gen-Vektoren nicht an einer beliebigen Stelle in das Chromosom der Zelle integrieren, sondern an einem bestimmten, vorher markierten und zugänglich gemachten Ort, der besonders vorteilhafte Bedingungen für die Ablesung der Gene bietet. Ihr Verfahren zur Herstellung der Hochleistungs-Produktionszellen beschreiben die Wissenschaftler der Gesellschaft für Biotechnologische Forschung (GBF) und ihre Kollegen aus Frankreich und Portugal jetzt in der Fachzeitschrift Molecular Therapy.

Retroviren zählen zu den gebräuchlichsten "Gen-Fähren" in der Grundlagenforschung und bei der Erprobung gentherapeutischer Methoden. Man nutzt sie vor allem, um Gene in Blutstammzellen einzuschleusen. Um das in therapeutischem Maßstab tun zu können, benötigt man eine größere Zahl solcher Viren - mitsamt der Gene, die sie übertragen sollen. Zur Herstellung dieser größeren Menge muss man die Vektoren in so genannte Produktionszellen einbringen: Sie lesen das Vektor-Konstrukt ab, komplementieren mit Virusproteinen und erzeugen dann zahlreiche Virus-Partikel.

Problemloser Austausch

Diese Art der Virenproduktion ist mühselig und aufwändig: "Im Prinzip verwendet man dazu noch immer die Methoden von vor 25 Jahren", erklärt GBF-Wissenschaftlerin Dr. Dagmar Wirth. Gegenwärtige Verfahren beruhen darauf, die Vektoren in die Produktionszellen einzuschleusen, wo sie sich dann unkontrolliert in die Chromosomen einbauen. Dann wählt man diejenigen Zellen aus, die diese "Gen-Fracht" am besten vervielfältigen. "Diese Zellen muss man dann noch für die Produktion in größerem Maßstab optimieren", sagt Wirth.

Die praktischere Lösung: Man identifiziert statt dessen vorher die Stellen des Genoms, an denen eingebaute Gen-Vektoren besonders intensiv abgelesen werden, und platziert dort spezifische Schnittstellen, an denen die Vektoren leicht eingefügt werden können. Dazu dienten Dagmar Wirth und ihren Forscherkollegen so genannte "Rekombinase-Erkennungs-Sequenzen". Man gewinnt so einen vielseitig nutzbaren Integrations-Ort, an dem man immer wieder neue, verschiedene Gen-Vektoren samt Fremdgenen einfügen und vervielfältigen kann.

"Die Vorteile des Verfahrens sind beträchtlich", erklärt Dr. Hansjörg Hauser, Leiter des Forschungsbereichs Molekulare Biotechnologie der GBF. "Man erzielt höchstmögliche Virusproduktion. Außerdem kennt man die Eigenschaften der Produktionszelle - und diese ändern sich nicht bei jeder neuen Produktion. Man muss nicht jedes Mal von neuem nach Zellen mit brauchbaren Integrations-Stellen suchen. Das spart Zeit, und es spart die aufwändigen Screening-Systeme, die man für diese Suche sonst jedes Mal einsetzen muss." Besonders wichtig, so Hauser, sei gerade beim Thema Gentherapie der Aspekt der Sicherheit: "Wenn man weiß, an welcher Stelle des Chromosoms der Vektor sitzt, hat man nicht mehr das Risiko, dass er an einem gefährlichen Ort gelandet sein könnte. Zum Beispiel neben einem Krebsgen, das dann bei der Gentherapie ganz oder teilweise mit übertragen werden könnte."

Originalartikel: R. Schucht, A.S. Coroadinha, M.A. Zanta-Boussif, M. Carrondo, H. Hauser and D. Wirth. A new generation of retroviral producer cells: Predictable and stable virus production by Flp mediated site-specific integration of retroviral vectors. Molecular Therapy, Vol. 14, Issue 2 , August 2006, Pages 285-292

Manfred Braun | idw
Weitere Informationen:
http://www.gbf.de

Weitere Berichte zu: Chromosom Gen-Vektoren Gentherapie Maßstab Vektor

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Neuer Mechanismus der Gen-Inaktivierung könnte vor Altern und Krebs schützen
23.02.2017 | Leibniz-Institut für Alternsforschung - Fritz-Lipmann-Institut e.V. (FLI)

nachricht Alge im Eismeer - Genom einer antarktischen Meeresalge entschlüsselt
23.02.2017 | Universität Konstanz

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Im Focus: Innovative Antikörper für die Tumortherapie

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig von diesen teuren Medikamenten profitieren, wird intensiv an deren Verbesserung gearbeitet. Forschern um Prof. Thomas Valerius an der Christian Albrechts Universität Kiel gelang es nun, innovative Antikörper mit verbesserter Wirkung zu entwickeln.

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - April 2017

23.02.2017 | Veranstaltungen

Wie werden wir gesund alt? - Alternsforscher tagen auf interdisziplinärem Symposium in Magdeburg

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Heinz Maier-Leibnitz-Preise 2017: DFG und BMBF zeichnen vier Forscherinnen und sechs Forscher aus

23.02.2017 | Förderungen Preise

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Planeten außerhalb unseres Sonnensystems: Bayreuther Forscher dringen tief ins Weltall vor

23.02.2017 | Physik Astronomie