Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Quallenähnliche Tiere spielen wichtige Rolle im CO2-Kreislauf

03.07.2006
Salpen-Populationen bedecken bis zu 100.000 Quadratkilometer Meeresflächen

Transparente quallenähnliche Tiere, so genannte Salpen, spielen im CO2-Kreislauf der Ozeane offenbar eine wichtigere Rolle als bisher angenommen. Ein Forscherteam der Woods Hole Oceanographic Institution WHOI hat festgestellt, dass die kleinen Tiere, die nur etwa Daumengroß sind, aber in milliardenstarker Anzahl auftreten, Tonnen von Kohlenstoff von der Meeresoberfläche in die Tiefe transportieren.


Kette von Salpa aspera - Copyright: Larry Madin

Salpen gehören zum Unterstamm der Manteltiere. Die tonnenförmigen Tiere gleiten glashell und durchsichtig in ganzen Ketten oder als Einzeltiere durch die Meere. Um ihren Körper ziehen sich zarte Muskelbänder, die entweder reifenartig geschlossen, oder bandförmig und oft nicht ganz umlaufend sind. Der Körper besteht zum größten Teil aus dem Kiemendarm, durch den hinten schräg die Kiemenspalten verlaufen. Salpen schwimmen unter rhythmischer Kontraktion hufeisenförmiger oder ringförmiger Muskelbänder, die zum Teil nur auf einer Seite des Körpers liegen. Die Kontraktion dieser Bänder treibt das Wasser, das durch die Mundöffnung in den Kiemendarm hereingeströmt ist, durch das hintere Ende des Körpers aus, so dass sich das Tier mit einer Art Düsenantrieb vorwärts bewegt. Gleichzeitig werden im Kiemendarm aus diesem Wasserstrom einzellige Algen und kleine tierische Organismen wie etwa Planktonorganismen ausgefiltert und als Nahrung verwertet.

Die Biologen Laurence Madin vom WHOI und Patricia Kremer von der University of Connecticut forschen seit 1975 vor der Ostküste der USA von Cape Hatteras bis zur Georges Bank die Meeresoberfläche. Dabei konnten sie wiederholt feststellen, dass Schwärme von Salpa aspera Flächen von bis zu 100.000 Quadratkilometer besiedelten und monatelang dort blieben. Die Forscher nehmen an, dass diese Schwärme täglich bis zu 74 Prozent der mikroskopischen kohlenstoffhaltigen Lebewesen, Phytoplankton, von der Meeresoberfläche fressen. Über die Ausscheidung gelangen damit bis zu 4.000 Tonnen Kohlenstoff zum Meeresgrund. "Salpen schwimmen, fressen und verdauen permanent", so Madin. "Sie nehmen kleine Kohlenstoffpakete und machen daraus große, die schnell absinken."

In vorangegangen Arbeiten hatte Madin mit seinem Team festgestellt, dass Salpenkot bis 1.000 Meter am Tag absinken kann. Aber auch abgestorbene Salpen selbst sinken schnell zum Meeresgrund hinunter. Die Forscher haben auch gezeigt, dass diese Salpenspezies große Distanzen unter Tags in die Tiefe zurücklegen - bis zu 800 Meter - und dann am Abend zur Wasseroberfläche zurückkehren. "Den Weg in die Tiefe nehmen sie deshalb, um sich vor Fressfeinden zu schützen", so Madin. "Das Auftauchen in der Nacht erlaubt ihnen sich anzusammeln um sich zu reproduzieren und wenn Nahrung vorhanden ist, sich schnell zu vermehren."

2004 und 2006 hatten die Forscher Madin und Kremer in der Antarktis Salpen untersucht, da einige Wissenschaftler zuvor behauptet haben, dass die Menge an Salpen in wärmeren Jahren deutlich zunimmt. Wenn diese Behauptung wahr ist, haben die kleinen Tiere einen größeren Effekt auf das Phytoplankton und damit auch auf den Kohlenstoffkreislauf als bisher angenommen.

Wolfgang Weitlaner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.whoi.edu

Weitere Berichte zu: CO2-Kreislauf Kiemendarm Meeresoberfläche Salpen

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Wegbereiter für Vitamin A in Reis
21.07.2017 | Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

nachricht Pharmakologie - Im Strom der Bläschen
21.07.2017 | Ludwig-Maximilians-Universität München

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Einblicke unter die Oberfläche des Mars

Die Region erstreckt sich über gut 1000 Kilometer entlang des Äquators des Mars. Sie heißt Medusae Fossae Formation und über ihren Ursprung ist bislang wenig bekannt. Der Geologe Prof. Dr. Angelo Pio Rossi von der Jacobs University hat gemeinsam mit Dr. Roberto Orosei vom Nationalen Italienischen Institut für Astrophysik in Bologna und weiteren Wissenschaftlern einen Teilbereich dieses Gebietes, genannt Lucus Planum, näher unter die Lupe genommen – mithilfe von Radarfernerkundung.

Wie bei einem Röntgenbild dringen die Strahlen einige Kilometer tief in die Oberfläche des Planeten ein und liefern Informationen über die Struktur, die...

Im Focus: Molekulares Lego

Sie können ihre Farbe wechseln, ihren Spin verändern oder von fest zu flüssig wechseln: Eine bestimmte Klasse von Polymeren besitzt faszinierende Eigenschaften. Wie sie das schaffen, haben Forscher der Uni Würzburg untersucht.

Bei dieser Arbeit handele es sich um ein „Hot Paper“, das interessante und wichtige Aspekte einer neuen Polymerklasse behandelt, die aufgrund ihrer Vielfalt an...

Im Focus: Das Universum in einem Kristall

Dresdener Forscher haben in Zusammenarbeit mit einem internationalen Forscherteam einen unerwarteten experimentellen Zugang zu einem Problem der Allgemeinen Realitätstheorie gefunden. Im Fachmagazin Nature berichten sie, dass es ihnen in neuartigen Materialien und mit Hilfe von thermoelektrischen Messungen gelungen ist, die Schwerkraft-Quantenanomalie nachzuweisen. Erstmals konnten so Quantenanomalien in simulierten Schwerfeldern an einem realen Kristall untersucht werden.

In der Physik spielen Messgrößen wie Energie, Impuls oder elektrische Ladung, welche ihre Erscheinungsform zwar ändern können, aber niemals verloren gehen oder...

Im Focus: Manipulation des Elektronenspins ohne Informationsverlust

Physiker haben eine neue Technik entwickelt, um auf einem Chip den Elektronenspin mit elektrischen Spannungen zu steuern. Mit der neu entwickelten Methode kann der Zerfall des Spins unterdrückt, die enthaltene Information erhalten und über vergleichsweise grosse Distanzen übermittelt werden. Das zeigt ein Team des Departement Physik der Universität Basel und des Swiss Nanoscience Instituts in einer Veröffentlichung in Physical Review X.

Seit einigen Jahren wird weltweit untersucht, wie sich der Spin des Elektrons zur Speicherung und Übertragung von Information nutzen lässt. Der Spin jedes...

Im Focus: Manipulating Electron Spins Without Loss of Information

Physicists have developed a new technique that uses electrical voltages to control the electron spin on a chip. The newly-developed method provides protection from spin decay, meaning that the contained information can be maintained and transmitted over comparatively large distances, as has been demonstrated by a team from the University of Basel’s Department of Physics and the Swiss Nanoscience Institute. The results have been published in Physical Review X.

For several years, researchers have been trying to use the spin of an electron to store and transmit information. The spin of each electron is always coupled...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Den Geheimnissen der Schwarzen Löcher auf der Spur

21.07.2017 | Veranstaltungen

Den Nachhaltigkeitskreis schließen: Lebensmittelschutz durch biobasierte Materialien

21.07.2017 | Veranstaltungen

Operatortheorie im Fokus

20.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Einblicke unter die Oberfläche des Mars

21.07.2017 | Geowissenschaften

Wegbereiter für Vitamin A in Reis

21.07.2017 | Biowissenschaften Chemie

Den Geheimnissen der Schwarzen Löcher auf der Spur

21.07.2017 | Veranstaltungsnachrichten