Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mikroalgen mit "Fischöl" - Fitmacher fürs Herz aus dem Dorfteich?

21.12.2000


Von IGB-Limnologen nachgewiesen: Alge

Nannochloropsis. Abb: V. Sasse, L.

Krienitz/IGB


Biologen des IGB weisen Nannochloropsis erstmals in Binnengewässern Nord- und Mitteldeutschlands nach / Hoher Anteil an blutfettgehalt- und blutdruck-senkenden hochwertigen w3-Fettsäuren

Nannochloropsis ist eine Gattung einzelliger Algen mit gelbgrünen Farbstoffen (Algenklasse: Eustigmatophyceae). Sie wurde bisher ausschließlich im Plankton der Meere gefunden und in der marinen Fischhaltung (Aquakultur) intensiv als Lebendfutter bei der Aufzucht von Meereskrabben, Muscheln und Fischbrut genutzt. Nannochloropsis ist deshalb so interessant, weil sie sich gut kultivieren lässt und einen sehr hohen Anteil an essentiellen Fettsäuren besitzt. Diese Fettsäuren sind auch die Ursache für das gute Wachstum der Jungfische, wenn sie mit dieser Alge gefüttert werden.
Arten von Nannochloropsis wachsen als winzig kleine, kugelförmige oder Ellipsoide Einzelzeller von ca. 2-3 Mikrometern Durchmesser; sie werden daher in die Gruppe der Picoplankter eingeordnet. Diese Organismen sind infolge ihres günstigen Oberflächen/Volumen-Verhältnisses sehr stoffwechselaktiv (sie produzieren photosynthetisch Algenbiomasse) und stehen damit am Beginn von Nahrungsketten in Gewässerökosystemen.

Nachweis auch in Binnengewässern

Unlängst ist es einer Gruppe von Biologen im IGB gelungen, auch in Binnengewässern Nord- und Mitteldeutschlands Nannochloropsis nachzuweisen. Die neue Art Nannochloropsis limnetica kommt in kleinen Seen und Dorfteichen vor und kann dort Zelldichten von 250 - 500 Millionen Zellen pro Liter erreichen. Das entspricht etwa einer Biomasse (Frischmasse) von 2 - 6 Milligramm pro Liter. Das Wasser wird dadurch intensiv bräunlich-grün gefärbt.

... mehr zu:
»Alge »Fettsäure »Herz

Die Zellen von Nannochloropsis limnetica sind so winzig, dass lediglich ein Minimal-Set lebenswichtiger Organellen in die Zellen passt: Zellkern, Chloroplast, Mitochondrium und Vakuolen. Besonders auffällig im elektronenmikroskopischen Bild sind die Fetttröpfchen (siehe Abbildung).

Für Süßwasser bisher einmalige Zusammensetzung an hochwertigen Fettsäuren

Den Wissenschaftlern ist es gelungen, diese Alge zu isolieren und Kulturen daraus zu gewinnen. So konnte auch der Fettsäuregehalt der Zellen überprüft werden. Kulturen von Nannochloropsis können etwa die doppelte Menge an Fettsäuren enthalten als bisher bei marinen Species nachgewiesen wurde. Etwa 10 Prozent der Algenfrischmasse bestehen aus Kohlenstoff. Bei Nannochloropsis limnetica sind gut 30 Prozent des Kohlenstoffs Fettsäuren. Auch andere Süßwasseralgen, besonders Kieselagen, verfügen über einen hohen Fettsäuregehalt. Aber Nannochloropsis hat eine im Phytoplankton des Süßwassers bisher einmalige Zusammensetzung der Fettsäuren, speziell der hohe Anteil der auch für die menschliche Ernährung so hochwertigen w3-Fettsäure (Omega 3 Fettsäuren) Eicosapentaensäure ist interessant. Diese Fettsäure ist wesentlicher Bestandteil des Fischöls. w3-Fettsäuren senken den Blutfettgehalt und den Blutdruck und beugen Herz-Kreislauf-Erkrankungen vor.
Derzeit prüfen die Wissenschaftler, wie diese Alge in limnischen Aquakulturen eingesetzt werden kann. Erste Ansätze bestehen bei Fraß-Experimenten mit Wasserflöhen und Fütterungsversuchen mit der Süßwasser-Dreikantmuschel Dreissena polymorpha. Fischbrutfütterungsversuche sind am IGB in Vorbereitung.

Kontakt: L. Krienitz, Tel. (03 30 82) 699 26, E-Mail: krie@igb-berlin.de


Bildunterschrift:


Zelle der Alge Nannochloropsis limnetica im Elektronenmikroskop. Zelldurchmesser: 2 Mikrometer. Abkürzungen: C = Chloroplast, F = Fetttropfen, K = Zellkern, V = Vakuole. Abbildung: V. Sasse; L. Krienitz / Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei

Weitere Informationen finden Sie im WWW:

Dr. Frank Stäudner | idw

Weitere Berichte zu: Alge Fettsäure Herz

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Selbstfaltendes Origami
27.06.2017 | Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

nachricht Kaltes Wasser: Und es bewegt sich doch!
27.06.2017 | Universität Innsbruck

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Vorbild Delfinhaut: Elastisches Material vermindert Reibungswiderstand bei Schiffen

Für eine elegante und ökonomische Fortbewegung im Wasser geben Delfine den Wissenschaftlern ein exzellentes Vorbild. Die flinken Säuger erzielen erstaunliche Schwimmleistungen, deren Ursachen einerseits in der Körperform und andererseits in den elastischen Eigenschaften ihrer Haut zu finden sind. Letzteres Phänomen ist bereits seit Mitte des vorigen Jahrhunderts bekannt, konnte aber bislang nicht erfolgreich auf technische Anwendungen übertragen werden. Experten des Fraunhofer IFAM und der HSVA GmbH haben nun gemeinsam mit zwei weiteren Forschungspartnern eine Oberflächenbeschichtung entwickelt, die ähnlich wie die Delfinhaut den Strömungswiderstand im Wasser messbar verringert.

Delfine haben eine glatte Haut mit einer darunter liegenden dicken, nachgiebigen Speckschicht. Diese speziellen Hauteigenschaften führen zu einer signifikanten...

Im Focus: Kaltes Wasser: Und es bewegt sich doch!

Bei minus 150 Grad Celsius flüssiges Wasser beobachten, das beherrschen Chemiker der Universität Innsbruck. Nun haben sie gemeinsam mit Forschern in Schweden und Deutschland experimentell nachgewiesen, dass zwei unterschiedliche Formen von Wasser existieren, die sich in Struktur und Dichte stark unterscheiden.

Die Wissenschaft sucht seit langem nach dem Grund, warum ausgerechnet Wasser das Molekül des Lebens ist. Mit ausgefeilten Techniken gelingt es Forschern am...

Im Focus: Hyperspektrale Bildgebung zur 100%-Inspektion von Oberflächen und Schichten

„Mehr sehen, als das Auge erlaubt“, das ist ein Anspruch, dem die Hyperspektrale Bildgebung (HSI) gerecht wird. Die neue Kameratechnologie ermöglicht, Licht nicht nur ortsaufgelöst, sondern simultan auch spektral aufgelöst aufzuzeichnen. Das bedeutet, dass zur Informationsgewinnung nicht nur herkömmlich drei spektrale Bänder (RGB), sondern bis zu eintausend genutzt werden.

Das Fraunhofer IWS Dresden entwickelt eine integrierte HSI-Lösung, die das Potenzial der HSI-Technologie in zuverlässige Hard- und Software überführt und für...

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Internationale Konferenz zu aktuellen Fragen der Stammzellforschung

27.06.2017 | Veranstaltungen

Fraunhofer FKIE ist Gastgeber für internationale Experten Digitaler Mensch-Modelle

27.06.2017 | Veranstaltungen

Future Security Conference 2017 in Nürnberg - Call for Papers bis 31. Juli

26.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Was Stammzellen zu perfekten Alleskönnern macht

27.06.2017 | Biowissenschaften Chemie

Selbstfaltendes Origami

27.06.2017 | Biowissenschaften Chemie

Vorbild Delfinhaut: Elastisches Material vermindert Reibungswiderstand bei Schiffen

27.06.2017 | Materialwissenschaften