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Neuer ForschungsReport zu Gentechnik und Sicherheitsforschung erschienen

30.05.2006
Mit dem Schwerpunkt "Gentechnik und Sicherheitsforschung" greift die neue Ausgabe des Wissenschaftsmagazins ForschungsReport ein Thema auf, das in der deutschen Öffentlichkeit nach wie vor kontrovers diskutiert wird.

Dessen ungeachtet sind gentechnisch veränderte Kulturpflanzen weltweit auf dem Vormarsch: rund 90 Millionen Hektar oder sechs Prozent der weltweit verfügbaren Ackerfläche wurden 2005 mit transgenen Pflanzen bestellt, schreibt Professor Gerhard Flachowsky, Leiter des Instituts für Tierernährung der Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft (FAL), im Editorial des Magazins. Grund genug, dass sich die Forschungseinrichtungen des Bundeslandwirtschaftsministeriums, die wissenschaftliche Entscheidungshilfen für die Politik bereitstellen sollen, ausführlich mit der Thematik befassen.


Der ForschungsReport 1/2006

In Deutschland sind seit kurzem drei gentechnisch veränderte Mais-Sorten zugelassen, die gegen den wichtigsten Schädling - die Raupen des Maiszünslers - resistent sind (sog. Bt-Mais). Auf Feldern mit Bt-Mais kann auf Insektizidspritzungen verzichtet werden. Doch wie wirkt sich der Anbau auf andere Insekten aus? In umfangreichen Versuchen sind verschiedene Arbeitsgruppen der Biologischen Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft (BBA) dieser Frage nachgegangen. Die Ergebnisse lassen keine negativen Auswirkungen auf die Bestände von Schmetterlingen wie dem Tagpfauenauge oder dem Kleinen Fuchs im Freiland erwarten, auch wenn im Labor die Raupen dieser Falter durch die gezielte Verfütterung von Bt-Maispollen beeinträchtigt werden konnten. Ein fünfjähriger Vergleich der Insekten- und Spinnenfauna benachbarter Felder mit Bt-Mais und konventionellem Mais ergab keine Unterschiede, die auf die transgenen Pflanzen zurückführbar waren.

Bt-Mais wird, ähnlich wie die meisten transgenen Pflanzen, derzeit hauptsächlich als Viehfutter verwendet. An der Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft (FAL) in Braunschweig wurde untersucht, was passiert, wenn diese Pflanzen, die sich in ihrem Nährwert und ihren Inhaltsstoffen praktisch nicht von konventionellen Sorten unterscheiden, von Nutztieren aufgenommen werden. Unter anderem wurden in einem Langzeitversuch Wachteln über mehr als zehn Generationen mit Bt-Mais beziehungsweise einer nicht veränderten Maissorte gefüttert. Es zeigten sich keine signifikanten Unterschiede in der Lebendmasse der Jungtiere, der Legeleistung der Wachtelhennen oder der Schlupfrate der Eier. Generell wird die mit dem Futter aufgenommene DNA im Verdauungstrakt durch Magensäure und mikrobielle Aktivität rasch abgebaut. Dies gilt für die Fremdgene ebenso wie für die natürlicherweise in der Nahrung vorhandene DNA (eine Kuh nimmt mit der Nahrung täglich 40 bis 60 Gramm DNA zu sich, ein Mensch immerhin 0,1 bis 1 Gramm). Die bisherigen gentechnisch veränderten Futterpflanzen unterscheiden sich in ihrer ernährungsphysiologischen Wertigkeit nicht von konventionellen Pflanzen; sollten in Zukunft transgene Pflanzen mit verändertem Inhaltsstoff-Spektrum auf den Markt kommen, müssten weitere Untersuchungen und eine angepasste Sicherheitsbewertung folgen, resümieren die Forscher.

Bei der gentechnischen Veränderung langlebiger Pflanzen wie Bäumen treten zwei Fragen in den Vordergrund: Bleiben die im Erbgut vorgenommenen Veränderungen über die Jahrzehnte währende Lebensdauer der Bäume stabil und lässt sich eine Ausbreitung der fremden Gene über Pollenflug zuverlässig vermeiden? Arbeitsgruppen der Bundesforschungsanstalt für Forst- und Holzwirtschaft (BFH) in Großhansdorf bei Hamburg und der Bundesanstalt für Züchtungsforschung an Kulturpflanzen (BAZ) in Dresden haben anhand von Pappeln und Apfelbäumen Modellsysteme entwickelt und berichten über ihre Ergebnisse.

Dass Gentechnik im Agrarbereich nicht nur mit Pflanzen zu tun hat, zeigt ein Beitrag aus dem Friedrich-Loeffler-Institut (FLI). Forscher auf der Insel Riems haben einen Marker-Impfstoff entwickelt, der Geflügel gleichzeitig gegen die Vogelgrippe wie auch eine andere bedeutende Geflügelkrankheit schützen kann. Dazu bauten sie in eine ungefährliche Impfvariante des Newcastle-Disease-Virus ein charakteristisches Gen des Vogelgrippe-Virus ein. Der Clou: Die Immunantwort der Tiere lässt die Unterscheidung zu, ob die Tiere geimpft oder tatsächlich von der Vogelgrippe befallen sind. Dies ist für den Handel mit Tieren von ausschlaggebender Bedeutung. Darüber hinaus lässt sich der Impfstoff einfach über Spray oder das Tränkewasser verabreichen.

Der ForschungsReport greift das Thema Gentechnik und Sicherheitsforschung in insgesamt acht Beiträgen auf. Die Ausgabe 1/2006 des Wissenschaftsmagazins ist kostenlos zu beziehen über die Geschäftsstelle des Senats der Bundesforschungsanstalten, Bundesallee 50, 38116 Braunschweig. Telefon: 0531 / 596-1016, E-mail: michael.welling@fal.de.

Dr. Michael Welling | idw
Weitere Informationen:
http://www.bmelv-forschung.de

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