Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Industrielle Biotechnologie Nord (IBN)

29.05.2006
Ein Bündnis für die Weiße Biotechnologie im Norden
Der Norden holt auf. Mit der Initiative Industrial Biotechnology North (IBN) stellen Experten aus Hochschulen und Industrie das große Potenzial der Weißen Biotechnologie in den Bundesländern Hamburg und Schleswig-Holstein unter Beweis. Die Weiße Biotechnologie, im internationalen Sprachgebrauch häufig auch als Industrielle Biotechnologie (industrial biotechnology) bezeichnet, spielt schon heute ein herausragende Bedeutung bei der nachhaltigen Herstellung von (Fein-) Chemikalien, Wirkstoffen, Lebens- und Futtermitteln neuen Materialien und Treib-stoffen aus nachwachsenden Rohstoffen. Als Zweig der modernen Life Sciences kommen in der Weißen Biotechnologie intakte Mikroorganismen (Ganzzellbiotran-formation) oder deren Enzyme als Biokatalysatoren zum Einsatz.

Die Gründungsveranstaltung am heutigen Tag stellte die in Entstehung begriffenen Netzwerke und ihre Partner vor und zeigte einen wichtigen Beitrag zur länderübergrei-fenden Vernetzung von Wissenschaft und Wirtschaft.

Die Initiatoren der "Industriellen Biotechologie Nord" sind TuTech Innovation GmbH/Hamburg Innovation GmbH, Innovationsstiftung Schleswig-Holstein und das Institut für Technische Mikrobiologie der Technischen Universität Hamburg-Harburg (TUHH).

Dem neuen Netzwerk "IBN" können sich Firmen sowie Forschungsinstitute aus Nord-deutschland anschließen.

Auf Initiative der Innovationsstiftung Schleswig-Holstein und der TuTech Innovation GmbH trafen sich im November 2005 in Kiel erstmalig Experten aus beiden Bundeslän-dern, um über aktuelle Forschungsergebnisse auf dem Gebiet der Weißen Biotechnolo-gie zu berichten und weitere Potenziale zu erschließen. In Schleswig-Holstein und Hamburg sind momentan rund 110 Firmen (Zahl aus aktuellen Branchenführern) Fir-men in den Bereichen Biokatalyse, Enzyme, Feinchemie, Lebensmittel, Futtermittel und Kosmetik, also den Kernbereichen der Weißen Biotechnologie tätig. Hinzu kommen zahlreiche renommierte Arbeitsgruppen an den Universitäten und Fachhochschulen beider Bundesländer. Über eines waren sich die Experten in Kiel einig: Die Weiße Biotechnologie im Norden hat ein immenses Potenzial. Sie leidet aber auch an einem Visi-bilitätsproblem. So werden unter dem Begriff der Life Sciences gerade im Norden häufig nur die medizinische Biotechnologie und Medizintechnik zusammengefasst (Rote Bio-technologie). Die Weiße Biotechnologie hingegen wird nicht als eigenständige Disziplin wahrgenommen.

Mit der Gründung von IBN soll daher folgendes erreicht werden:

o Erhöhung der Visibilität und Stärkung der Weißen Biotechnologie in der Nord-deutschen Region

o Vernetzung der wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Aktivitäten auf dem Ge-biet der industriellen Biotechnologie in Hamburg und Schleswig

o Interessensvertretung gegenüber Politik und Förderinstitutionen auf regionaler, nationaler und europäischer Ebene

o Initiierung und Unterstützung von Kooperationsprojekten zwischen Wissenschaft und Wirtschaft

Das Angebot von IBN richtet sich dabei an alle wissenschaftlichen Institute und Hoch-schulen sowie an Wirtschaftsunternehmen und Organisationen der Wirtschaftsförde-rung.

IBN ist organisatorisch an die TuTech Innovation GmbH angebunden und wird nach außen durch ein vierköpfiges Programm-Komitee und dessen Sprecher, Professor Garabed Antranikian (Technischen Universität Hamburg-Harburg), vertreten. Zum Gründungstreffen am 29. Mai an der Technischen Universität Hamburg-Harburg werden der IBN-Sprecher Professor Antranikian und die Sprecher der Fachausschüsse das Konzept und die Ziele der neuen Initiative vorstellen.

Erste gemeinsame Projekte wurden bereits initiiert. So kooperieren ab dem 1. Juni 2006 die Institute für Technische Mikrobiologie und Thermische Verfahrenstechnik an der Technischen Universität Hamburg-Harburg mit dem Schleswig-Holsteinischen Unter-nehmen Stern Enzym GmbH (Ahrensburg) auf dem Gebiet der Bioethanolerzeugung aus nachwachsenden Rohstoffen. Ziel ist es, neuartige Enzymsysteme bereitzustellen, die die Ethanolausbeute aus cellulosehaltigem Pflanzenmaterial erhöhen. Das Projekt hat ein Gesamtvolumen von 1,1 Mio. Euro und wird mit 460.000 Euro von der Deut-schen Bundesstiftung Umwelt (DBU) gefördert.

Über IBN

o Mitglieder des Programm-Komitees: Prof. Garabed Antranikian (Sprecher, TU Hamburg-Harburg), Dr. Lutz Popper (Stern-Wywiol Gruppe Holding GmbH & Co. KG, Hamburg), Dr. André Rieks (Dr. Rieks Healthcare GmbH, Uetersen), Prof. Ruth Schmitz-Streit (Universität Kiel)

o Fachausschüsse: Biokatalyse und Feinchemie (Sprecher: Prof. Andreas Liese, TU Hamburg-Harburg), Bioenergie (Sprecher: Prof. Hartung, Universität Kiel), Funktionelle Makromoleküle (Sprecher: Dr. Matthias Wilmanns, EMBL Ham-burg), Systembioengineering (Sprecher: Prof. An-Ping Zeng, TU Hamburg-Harburg), Bioinformatik (Sprecher: Prof. Matthias Rarey, Universität Hamburg), Verfahrenstechnik (Sprecher: Prof. Bernd Niemeyer, Helmut-Schmidt-Universität), Lebensmitteltechnologie (Sprecher: Prof. Knut Heller, Bundesfor-schungsanstalt für Ernährung und Lebensmittel)

o Gründung am 29. Mai 2006

Über die Weiße Biotechnologie

Biokatalysatoren - Motor der Weißen Biotechnologie

Den Motor der Weißen Biotechnologie bilden die Biokatalysatoren, also stoffwechselaktive Mikroorganismen (Ganzzellbiokatalyse) und Enzyme. Die große Diversität in der Physiologie und Enzymausstattung dieser Kleinstlebewesen versetzt uns in die Lage, biotechnologische Verfahren zur Herstellung von Grund- und Feinchemikalien mit hoher Effizienz zu entwickeln. Durch Ganzzellbiotransformationen können Zucker oder kom-plexere Kohlenhydrate (Stärke, Cellulose) aus nachwachsenden Rohstoffen zu Wert schöpfenden Produkten (Vitamine, Aminosäuren, Ethanol, Kosmetika) umgesetzt werden, ohne dabei auf Schwermetallkatalysatoren oder aggressive Lösungsmittel angewiesen zu sein.
Enzyme sind als katalytisch aktive Proteine in der Lage, sehr komplexe biochemische Reaktionen durchzuführen. Sie ermöglichen (bio-)chemische Umsetzungen in zellfreien Systemen, sind also auch außerhalb der lebenden Zelle aktiv. In enzymkatalysierten Umsetzungen wird eine Ausgangssubstanz in einem oder mehreren Schritten in ein hochwertiges Endprodukt umgewandelt. Enzyme spielen insbesondere eine herausragende Rolle bei der Herstellung von hoch reinen chemischen Substanzen, wie sie beispielsweise in der Arzneimittelherstellung benötigt werden. Biokatalysatoren arbeiten in der Regel präziser als chemische Katalysatoren, da sie eine höhere Selektivität aufwei-sen, d.h. nur bestimmte Ausgangsprodukte zu definierten Produkten umsetzen. Ein weiterer Vorteil von Enzymen ist ihre Enantioselektivität, die es ermöglicht, die Produktsicherheit beispielsweise in der Pharamaindustrie signifikant zu erhöhen. In der klassischen chemischen Synthese müssen die unerwünschten Enantiomere durch aufwändige Techniken aus dem Produkt entfernt werden.

Wirtschaftliche Bedeutung der Weißen Biotechnologie

Die Weiße Biotechnologie nimmt innerhalb der nachhaltigen Chemie eine immer wichtigere Rolle ein, wie auch aktuelle Zahlen belegen. So beträgt der weltweite Umsatz an Enzymen ca. 5 Mrd. € bei einer jährlichen Wachstumsrate von 5-10%. Das Marktvolumen der mit Hilfe von Enzymen erzeugten Produkte liegt bei etwa 150 Mrd. € pro Jahr. Die Haupteinsatzgebiete für Enzyme sind Waschmittel (32%), technische Prozesse (20%) und die Herstellung von Lebensmitteln (33%) und Futtermitteln (11%).

Laut einer Studie von McKinsey & Company beträgt der Umsatz der mit Hilfe biotechnologischer Verfahren erzeugten chemischen Produkte rund 30 Mrd. €. Nach aktuellen Prognosen sollen im Jahr 2010 rund 20% aller Chemieprodukte in einer Größenordnung von rund 310 Mrd. US-Dollar auf biotechnologischem Weg hergestellt werden. Insbesondere bei der Produktion von Feinchemikalien (Aminosäuren, Wirkstoffe), Polymeren (auf Basis nachwachsender Rohstoffe), von Spezialchemikalien für die Lebensmittel-, Kosmetik-, Textil- und Lederindustrie sowie von Bulkchemikalien und Buil-ding Blocks wird die industrielle Biotechnologie zukünftig ökonomisch und ökologisch überlegene Konzepte anbieten. Die entscheidenden Triebkräfte für einen Wechsel zu biotechnologischen Produktionsverfahren sind:

o Einsparung von Rohstoffen und Energie
o Prozessvereinfachung: Ersatz mehrstufiger chemischer Syntheseverfahren durch biotechnologische Verfahren (Fermentation bzw. enzymatische Synthese)
o Optimierung der Produktaufarbeitung und -reinigung im Vergleich zu chemischen Syntheseverfahren
o Vermeidung bzw. Reduktion von Neben- und Abfallprodukten

Rückfragen: Rüdiger Bendlin, Tel. 040/42878-3330

Rüdiger Bendlin | idw
Weitere Informationen:
http://www.tu-harburg.de

Weitere Berichte zu: Antranikian Biokatalysator Biotechnologie Enzym Futtermittel IBN Rohstoff TuTech

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Auf der molekularen Streckbank
24.02.2017 | Technische Universität München

nachricht Sicherungskopie im Zentralhirn: Wie Fruchtfliegen ein Ortsgedächtnis bilden
24.02.2017 | Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: „Vernetzte Autonome Systeme“ von acatech und DFKI auf der CeBIT

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kooperation mit der Deutschen Messe AG vernetzte Autonome Systeme. In Halle 12 am Stand B 63 erwarten die Besucherinnen und Besucher unter anderem Roboter, die Hand in Hand mit Menschen zusammenarbeiten oder die selbstständig gefährliche Umgebungen erkunden.

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für...

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aufbruch: Forschungsmethoden in einer personalisierten Medizin

24.02.2017 | Veranstaltungen

Österreich erzeugt erstmals Erdgas aus Sonnen- und Windenergie

24.02.2017 | Veranstaltungen

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer HHI auf dem Mobile World Congress mit VR- und 5G-Technologien

24.02.2017 | Messenachrichten

MWC 2017: 5G-Hauptstadt Berlin

24.02.2017 | Messenachrichten

Auf der molekularen Streckbank

24.02.2017 | Biowissenschaften Chemie