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Stirbt das Kanadische Nationalsymbol wegen eines europäischen Gewürzkrautes aus?

24.05.2006
Zuwanderer unterdrücken das Wachsen einheimischer Baumarten

Zugewanderte Gewürzpflanzen können das Nachwachsen einheimischer Baumarten stark behindern. Das schreibt ein Team aus US-amerikanischen, kanadischen und deutschen Forscher in der Mai-Ausgabe des angesehenen Fachblattes Public Library of Science. Bei Untersuchungen an der Knoblauchsrauke (Alliaria petiolata) waren die Forscher auf einen neuen Mechanismus gestoßen, der die Vermehrung der Bäume bremst. Diese Pflanze sondert giftige Substanzen ab, die Pilze im Boden schädigen. Dadurch können die jungen Baumkeimlinge nicht anwachsen und etablierte Baumarten werden so verdrängt. Mit an den Untersuchungen beteiligt war das Umweltforschungszentrums Leipzig-Halle (UFZ). Die Studie hat in Kanada für Aufsehen gesorgt, weil zu den betroffenen einheimischen Baumarten dort auch der Kanadische Ahorn gehört, dessen Blatt das Nationalsymbol des Landes ist.


Blüten der Knoblauchrauke (Alliaria petiolata). Foto: André Künzelmann/UFZ


Dr. Daniel Prati bei Untersuchungen in der UFZ-Versuchsstation Bad Lauchstädt Foto: Norma Neuheiser/UFZ

Zuckerahorn, Roter Ahorn und Weißesche wurden bei den Versuchen der Forscher deutlich weniger mit Bodenpilzen besiedelt. Die Besiedelung von Baumwurzeln durch Bodenpilze, so genannte Mycorrhiza, ist aber ein wichtiger Schritt für die Etablierung junger Bäume, da diese Pilze den Bäumen wesentlich helfen, Nährstoffe aus dem Boden aufzunehmen. Vergleiche mit anderen Baumarten zeigten, dass die Knoblauchsrauke offenbar nur Harthölzer beeinflusst. Die Studie entstand in Zusammenarbeit der US-Universitäten Havard, Montana und Purdue, der kanadischen Universität Guelph sowie des Umweltforschungszentrums Leipzig-Halle. Am UFZ beschäftigen sich Botaniker seit mehreren Jahren mit Lebensgemeinschaften aus verschiedenen Pflanzen und Tieren, so genannten Biozönosen. "Wir hatten eigentlich die Knoblauchsrauke unter die Lupe genommen, weil wir Insektenbefall an ihr untersuchen wollten, um biologische Schädlingsbekämpfer zu entwickeln", erzählt Dr. Daniel Prati vom UFZ. "Umso mehr waren wir überrascht, dabei auf einen neuen Mechanismus zu stoßen, der ein wichtiger Baustein in den komplizierten Verdrängungsprozessen der Natur sein könnte."

Die unscheinbare Knoblauchsrauke wurde um 1860 als Gewürzpflanze aus Europa nach Nordamerika eingeführt. Mittlerweile gilt sie dort als eine Art, die sich stark vermehrt und ausbreitet. So genannte Neophyten -sinngemäß "neue Pflanzen"- können bestehende Ökosysteme aus dem Gleichgewicht bringen. Der Schaden, den Neophyten allein in der Landwirtschaft der USA anrichten, wird auf über 27 Milliarden Dollar pro Jahr geschätzt. Das Auswildern fremder Arten ist deshalb in Deutschland inzwischen genehmigungspflichtig.

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Die Knoblauchsrauke ist ursprünglich eine Pflanze der Laubwälder - kommt aber ebenfalls an Wegrainen und in Stadtgebieten vor. Die unscheinbare Pflanze wird bis zu einem Meter hoch. Ihren deutschen Namen hat sie durch den intensiven Knoblauchgeschmack erhalten. Alliaria petiolata wird sowohl als Gewürz als auch zur Heilung von Bronchitis und Ekzemen verwendet, da sie ein Senföl-Glykosid enthält.

Die wechselseitigen Abhängigkeiten von Pflanzen und Bodenpilzen sind auch eines der Themen, mit denen sich Biologen auf der internationalen Konferenz PopBio 2006 beschäftigen. Die Tagung findet vom 24. bis 27. Mai in Halle/Saale statt und wird von der Gesellschaft für Ökologie, der Martin-Luther-Universität Halle sowie dem UFZ organisiert.

Tilo Arnhold

Weitere fachliche Informationen über:
Dr. Daniel Prati
Department Biozönoseforschung am Umweltforschungszentrums Leipzig-Halle (UFZ)
Telefon: 0345-558-5305
http://www.ufz.de/index.php?en=903
oder
Dr. Stefan Klotz
Leiter der Biozönoseforschung am Umweltforschungszentrum Leipzig-Halle (UFZ)
Telefon: 0345-558-5301
sowie:
Doris Böhme/ Tilo Arnhold
UFZ-Pressestelle
Telefon: 0341-235-2278
Email: presse@ufz.de
Das Umweltforschungszentrums Leipzig-Halle (UFZ) erforscht die komplexen Wechselwirkungen zwischen Mensch und Umwelt in genutzten und gestörten Landschaften. Die Wissenschaftler entwickeln Konzepte und Verfahren, die helfen sollen, die natürlichen Lebensgrundlagen für nachfolgende Generationen zu sichern. Das UFZ ist Mitglied der Helmholtz-Gemeinschaft, die mit ihren 15 Forschungszentren und einem Jahresbudget von rund 2.2 Milliarden Euro die größte Wissenschaftsorganisation Deutschlands ist. Die insgesamt 24.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Helmholtz-Gemeinschaft forschen in den Bereichen Struktur der Materie, Erde und Umwelt, Verkehr und Weltraum, Gesundheit, Energie sowie Schlüsseltechnologien.

Doris Böhme | idw
Weitere Informationen:
http://www.ufz.de/index.php?de=10008
http://biology.plosjournals.org/perlserv/?request=get-document&doi=10.1371/journal.pbio.0040140
http://www.ufz.de/index.php?en=6583

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