Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Hoden zur Inkubation von Stammzellen

25.04.2006
Männer fühlen sich vermutlich bei diesem Gedanken nicht wohl, aber spermienproduzierende Stammzellen in den Hoden können entfernt, im Labor kultiviert und zur zukünftigen Verwendung eingefroren werden. Ein Forscherteam in den Niederlanden hat Stammsamenzellen von Kühen gesammelt und diese in Mäusehoden kultiviert.

Nun besteht die Hoffnung, dass der gleiche Vorgang auf Männer angewandt möglich wird. "Das wäre speziell für junge Krebspatienten, die sich einer Chemotherapie unterziehen müssen, eine hoffnungsvolle Lösung", teilte Dirk de Rooij von der Universität in Utrecht (NL) Teilnehmern der ersten EuroSTELLS-Konferenz in Venedig im letzten Monat mit.

Das Forscherteam war sehr erfreut zu sehen, dass ausreichende Stammsamenzellen in den Mäusehoden gedeihten, da diese in Gewebeschnitten schwer zu finden sind. Sobald die Forscher herausfanden, wie diese schwer fassbaren spermienproduzierenden Zellen von jungen Stieren gewonnen werden konnten, wurden diese in Mäusehoden verpflanzt. "Trotz der ungewöhnlichen Umgebung überlebten die Rinderzellen lange Zeit (bis zu drei Monaten), obwohl sie sich nicht ganz in Spermien verwandelten", sagte de Rooij.

"Es ist unser Plan, eine Kultur für Stammsamenzellen zu entwickeln", teilte de Rooij Konferenzteilnehmern mit. Obwohl es noch ein beträchtlicher Schritt ist, dieses Verfahren in Menschen anzuwenden, bieten kolonisierte Mäusehoden bereits nützliche Erkenntnisse.

"Wir würden gerne wissen, wie man menschliche Stammsamenzellen kultivieren kann, um die männliche Fruchtbarkeit nach Krebstherapie wieder herzustellen", sagt Hannu Sariola von der Universität in Helsinki, der ein ähnliches Ziel verfolgt.

Interessanterweise hat ein Nervenwachstumsfaktor in Gehirnzellen eine starken Einfluss auf Stammsamenzellen. Der Nervenwachstumsfaktor GDNF (glial cell derived neurotrophic factor) spielt auch bei der Spermatogenese eine Rolle: das GDNF-Niveau ist während der Neugeborenenperiode höher und sinkt beim Erwachsenen ab. Mäuse, die genetisch manipuliert wurden, um zu einem hohen Niveau von GDNF in den Hoden zu gelangen, produzieren grosse Cluster an Stammsamenzellen. Allerdings steigt gleichzeitig das Krebsrisiko; d.h. also, dass man nicht einfach nach Belieben den GDNF-Hahn aufdrehen kann. "Soetwas muss streng überwacht werden", bemerkte Sariola.

Das Forscherteam in den Niederlanden bemüht sich auch um ideale Bedingungen und Nährstoffe, um die Stammsamenzellen dazu zu bringen, sich in Spermien zu verwandeln. Bislang hat das Team herausgefunden, dass die Wachstumsfaktoren GDNF und FGF (Fibroblasten-Wachstumsfaktor) erforderlich sind, um Zellwachstum anzuregen. Das Team hat als nächsten Schritt geplant, menschliche und Affenzellen in Mäusehoden zu verpflanzen.

"Es ist sehr erstaunlich, dass es Mäusehoden gelingt, diese Rinderzellen in Laborkulturen zu bewahren", bemerkt Elaine Dzierzak, die im medizinischen Zentrum der Erasmus Universität in Rotterdam ein EuroSTELLS-Projekt leitet. Testikulärkulturen könnten auch ein ideales System sein, um Verbindungen zu testen, die auf die Spermienproduktion Einfluss nehmen, wie z. B. Endokrin wirksame Stoffe (endocrine disruptors) oder therapeutische Medikamente.

Jens Persson
Tel.: +33-3-88-76-21-58
Email: jpersson@esf.org
Handy: +33-682-303150

Jens Persson | presseportal
Weitere Informationen:
http://www.esf.org

Weitere Berichte zu: GDNF Hoden Mäusehoden Stammsamenzellen Stammzelle

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Sollbruchstellen im Rückgrat - Bioabbaubare Polymere durch chemische Gasphasenabscheidung
02.12.2016 | Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

nachricht "Fingerabdruck" diffuser Protonen entschlüsselt
02.12.2016 | Universität Leipzig

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Im Focus: Neuer Sensor: Was im Inneren von Schneelawinen vor sich geht

Ein neuer Radarsensor erlaubt Einblicke in die inneren Vorgänge von Schneelawinen. Entwickelt haben ihn Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum (RUB) um Dr. Christoph Baer und Timo Jaeschke gemeinsam mit Kollegen aus Innsbruck und Davos. Das Messsystem ist bereits an einem Testhang im Wallis installiert, wo das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung im Winter 2016/17 Messungen damit durchführen möchte.

Die erhobenen Daten sollen in Simulationen einfließen, die das komplexe Geschehen im Inneren von Lawinen detailliert nachbilden. „Was genau passiert, wenn sich...

Im Focus: Neuer Rekord an BESSY II: 10 Millionen Ionen erstmals bis auf 7,4 Kelvin gekühlt

Magnetische Grundzustände von Nickel2-Ionen spektroskopisch ermittelt

Ein internationales Team aus Deutschland, Schweden und Japan hat einen neuen Temperaturrekord für sogenannte Quadrupol-Ionenfallen erreicht, in denen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

Die Perspektiven der Genom-Editierung in der Landwirtschaft

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Parkinson-Krankheit und Dystonien: DFG-Forschergruppe eingerichtet

02.12.2016 | Förderungen Preise

Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave

02.12.2016 | Studien Analysen

Nach der Befruchtung übernimmt die Eizelle die Führungsrolle

02.12.2016 | Biowissenschaften Chemie