Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Gefährliches Duo - Ultrafeine Partikel verstärken allergische Reaktionen

10.04.2006
Die Exposition mit ultrafeinen Partikeln führt bei allergisch Sensibilisierten zu einer Verstärkung des allergischen Entzündungsgeschehens. Aber - auf die Reihenfolge kommt es an: Dieser Zusammenhang zeigt sich vor allem dann, wenn die Partikelbelastung bereits vor dem Kontakt mit dem Allergen erfolgt.

Wissenschaftler am GSF-Forschungszentrum für Umwelt und Gesundheit leiten diese Erkenntnisse aus einer neuen Studie am Mausmodell ab, die nun im Journal of Allergy and Clinical Immunology veröffentlicht wurde. Sie liefern damit einen weiteren wichtigen Baustein bei der Suche nach möglichen Zusammenhängen zwischen der Belastung mit Umweltschadstoffen und dem Auftreten von Allergien.


Elektronenmikroskopische Aufnahme ultrafeiner Kohlenstoffpartikel aus Dieselruß. Foto: GSF-Institut für Pathologie.

Aus epidemiologischen Studien weiß man es seit längerem - die Exposition mit Feinstaub führt zu einer Verschlimmerung allergisch bedingter asthmatischer Reaktionen. Welche Rolle ultrafeine Partikel bei diesem Geschehen spielen, wollten Dr. Francesca Alessandrini und ihre Kollegen aus der Klinischen Kooperationsgruppe Umweltdermatologie und Allergologie (UDA) der GSF genauer untersuchen. "Unsere Vermutung war", so Alessandrini, "dass besonders die ultrafeinen Kohlenstoffpartikel, wie sie im Dieselruß enthalten sind, einen verstärkenden Effekt auf allergisch bedingte Atemwegsreaktionen haben". Die Untersuchungen erfolgten in enger Zusammenarbeit mit Kollegen aus dem GSF-Institut für Inhalationsbiologie, deren langjährige Expertise in die Studie einfloss.

Sensibilisierte Mäuse inhalierten in unterschiedlichen Zeitabständen vor und nach Allergenexposition verschiedene Konzentrationen an ultrafeinen Kohlenstoffpartikeln. Im Anschluss dokumentierten die Wissenschaftler das allergische Entzündungsgeschehen während verschiedener Zeitpunkte nach der Allergenexposition. Dafür registrierten sie mittels bronchoalveolärer Lavage die Gehalte an den Zytokinen IL-4, IL-5 und IL-13 sowie Gesamtprotein und verglichen die Werte mit der unbelasteten Kontrollgruppe.

Die Ergebnisse waren eindeutig: Eine Exposition mit ultrafeinen Kohlenstoffpartikeln 24 Stunden vor der Allergenexposition führte zu einem signifikanten Anstieg der Entzündungsmarker gegenüber den Kontrolltieren. Auch waren die Effekte klar dosis- und zeitabhängig und sogar dann noch nachweisbar, wenn die Partikel bereits vier Tage vor der Allergenexposition inhaliert wurden. Sie gingen ebenfalls einher mit einer erhöhten Schleimproduktion und verstärkter Reagibilität der Atemwege. In der umgekehrten Reihenfolge - Partikelinhalation nach Allergenexposition - ließen sich dagegen nur mäßige Effekte beobachten.

"Unsere Ergebnisse unterstützen die Vermutung, dass allergisch sensibilisierte Menschen möglicherweise empfindlicher als andere auf ultrafeine Partikel reagieren könnten", resümieren die Forscher.

Zu verdanken sind die nun veröffentlichten Ergebnisse vor allem der Disziplin übergreifenden engen Zusammenarbeit von GSF-Wissenschaftlern aus Klinik und Labor. Diese Kooperation basiert auf dem bereits im Jahre 2002 von der GSF gegründeten Projektfeld "Gesundheitsrelevanz von Aerosolen", in dem mehrere Institute und Projektgruppen ihre Expertise einbringen, um so eine komplexe Risikoanalyse inhalierter Partikel zu ermöglichen.

Weitere Informationen:

Zugrunde liegende Publikation: Francesca Alessandrini, Holger Schulz, Shinji Takenaka, Bernd Lentner, Erwin Karg, Heidrun Behrendt and Thilo Jakob: "Effects of Ultrafine Carbon Particle Inhalation on Allergic Inflammation of the Lung". The Journal of Allergy and Clinical Immunology April 2006; online verfügbar ab dem 3. März 2006.

GSF - Forschungszentrum für Umwelt und Gesundheit
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Tel: 089/3187-2460
Fax 089/3187-3324
E-Mail: oea@gsf.de

Michael van den Heuvel | idw
Weitere Informationen:
http://www.gsf.de/neu/Aktuelles/Presse/2006/allergien.php

Weitere Berichte zu: Allergenexposition Entzündungsgeschehen Exposition Partikel

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Sollbruchstellen im Rückgrat - Bioabbaubare Polymere durch chemische Gasphasenabscheidung
02.12.2016 | Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

nachricht "Fingerabdruck" diffuser Protonen entschlüsselt
02.12.2016 | Universität Leipzig

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Im Focus: Neuer Sensor: Was im Inneren von Schneelawinen vor sich geht

Ein neuer Radarsensor erlaubt Einblicke in die inneren Vorgänge von Schneelawinen. Entwickelt haben ihn Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum (RUB) um Dr. Christoph Baer und Timo Jaeschke gemeinsam mit Kollegen aus Innsbruck und Davos. Das Messsystem ist bereits an einem Testhang im Wallis installiert, wo das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung im Winter 2016/17 Messungen damit durchführen möchte.

Die erhobenen Daten sollen in Simulationen einfließen, die das komplexe Geschehen im Inneren von Lawinen detailliert nachbilden. „Was genau passiert, wenn sich...

Im Focus: Neuer Rekord an BESSY II: 10 Millionen Ionen erstmals bis auf 7,4 Kelvin gekühlt

Magnetische Grundzustände von Nickel2-Ionen spektroskopisch ermittelt

Ein internationales Team aus Deutschland, Schweden und Japan hat einen neuen Temperaturrekord für sogenannte Quadrupol-Ionenfallen erreicht, in denen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

Die Perspektiven der Genom-Editierung in der Landwirtschaft

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Parkinson-Krankheit und Dystonien: DFG-Forschergruppe eingerichtet

02.12.2016 | Förderungen Preise

Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave

02.12.2016 | Studien Analysen

Nach der Befruchtung übernimmt die Eizelle die Führungsrolle

02.12.2016 | Biowissenschaften Chemie