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Überlebensschalter - Schutz vor Herzversagen

15.03.2006


Herzschwäche (Herzinsuffizienz) ist eine der Haupttodesursachen weltweit bei Menschen über 65. Forscher der Charité - Universitätsmedizin Berlin und des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch haben jetzt in Zusammenarbeit mit Klinikern in Würzburg und Hannover erstmals zeigen können, dass Auslöser für das Herzversagen der Selbstmord (Apoptose) der Herzmuskelzellen ist und dass es aber einen Überlebensschalter (ARC) gibt, der gesunde Herzen davor schützt. Die Arbeit von Dr. Stefan Donath, Dr. Peifeng Li, Prof. Rainer Dietz und Dr. Rüdiger von Harsdorf ist jetzt in der Fachzeitschrift Circulation (2006; 113:1203-1212)* erschienen.



Die Apoptose oder der programmierte Selbstmord hat eigentlich die Aufgabe, den Körper vor kranken oder defekten Zellen zu schützen. In der Krebsforschung bemühen sich die Wissenschaftler deshalb, dieses Programm für eine Therapie zu nutzen. Ziel ist, die Apoptose, die bei Tumorzellen außer Gefecht gesetzt ist und die deshalb unkontrolliert wachsen, wieder anzuschalten, um die wuchernden Krebszellen in den Selbstmord zu treiben.



Bei Herzversagen oder einer plötzlich auftretenden Blutleere (Ischämie) hingegen, gehen verstärkt Herzmuskelzellen zu Grunde. Was bisher eine Vermutung war, konnten die Mediziner und Forscher jetzt zeigen: Das Herz versagt, weil die Herzmuskelzellen im Laufe einer Herzschwäche Selbstmord begehen. Die Herzkammerwände werden immer dünner und die Herzmuskelzellen sterben ab. Trotz medikamentöser Behandlung haben die Betroffenen eine verringerte Lebenserwartung.

Im Zusammenhang von Herzschwäche und Apoptose nahmen die Forscher einen kürzlich ausschließlich in Herz- sowie Nervenzellen entdeckten Schalter unter die Lupe. Bei Mäusen schalteten sie das Gen für diesen Regulator, der in der Fachsprache Apoptose Repressor mit Caspasen-Rekrutierungsdomäne (ARC) heißt, aus. In Ruhe waren die Tiere gesund. Sobald sie aber Belastungen ausgesetzt waren, versagte ihr Herz. Die Forscher stellten weiter an Herzgewebe von Patienten, die eine Transplantation erhalten hatten, fest, dass die ARC-Spiegel der kranken Herzen sehr niedrig waren. Möglicherweise, so Dr. Donath, ist ARC deshalb als Zielstruktur für eine Therapie geeignet. Die Blockade des programmierten Selbstmords würde ausschließlich im Herzen und im Gehirn vorgenommen, da ARC nur dort vorkomme. Als Nächstes wollen die Forscher, die im Kompetenznetzwerk Herzinsuffizienz des Bundesforschungsministeriums zusammenarbeiten, deshalb die Bedeutung dieses Schutzschalters in Nervenzellen und damit bei Schlaganfall untersuchen. Die Entwicklung einer Therapie wird noch viele Jahre dauern.

*Apoptosis Repressor With Caspase Recruitment Domain Is Required for Cardioprotection in Response to Biomechanical and Ischemic Stress

Stefan Donath, Peifeng Li, Christian Willenbockel, Nidal Al-Saadi, Volkmar Gross, Thomas Willnow, Michael Bader, Ulrich Martin, Johann Bauersachs, Kai C. Wollert, Rainer Dietz, Rüdiger von Harsdorf on behalf of the German Heart Failure Network

From the Departments of Cardiology, Campus Virchow Clinic, Charité, Humboldt University, and Franz-Volhard Clinic, HELIOS GmbH, Berlin, Germany (S.D., P.L., N.A., R.D., R.v.H.); Max Delbrück Center for Molecular Medicine, Berlin, Germany (S.D., V.G., T.W., M.B., R.v.H.); Department of Cardiology and Angiology, Hannover Medical School, Hannover, Germany (C.W., K.C.W.); Leibniz Research Laboratories for Biotechnology and Artificial Organs, Department of Thoracic and Cardiovascular Surgery, Hannover Medical School, Hannover, Germany (U.M.); and Department of Internal Medicine I, Julius-Maximilians University, Würzburg, Germany (J.B.).

*The first 2 authors contributed equally to this work.
Correspondence to Rüdiger von Harsdorf, MD, FRCPS, Associate Professor of Medicine, Division of Cardiology, University Health Network, 200 Elizabeth St, MaRS 3-908, Toronto, ON, M5G 2C4, Canada. E-mail rudiger.vonharsdorf@uhn.on.ca

Circulation, Mar 2006; 113: 1203 - 1212.

Pressestelle
Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch
Barbara Bachtler
Robert-Rössle-Straße 10
13125 Berlin
Tel.: 0049/30/94 06 - 38 96
Fax: 0049/30/94 06 - 38 33
e-mail: presse@mdc-berlin.de

Barbara Bachtler | idw
Weitere Informationen:
http://www.mdc-berlin.de

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