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Korallen blockieren Virus-Vermehrung in Zellen

13.03.2006


Korallen-Steroid könnte neues Mittel gegen Krebs darstellen


Naturschützer stehen Beschaffung kritisch gegenüber


Kanadische Wissenschaftler haben herausgefunden, dass ein natürlicher Bestandteil der Isis-hippuris-Koralle aus dem West-Pazifik einen wichtigen Zell-Prozess blockiert, den Viren zur Vermehrung benutzen. Dazu hat ein Forscherteam um Jerry Pelletier von der McGill-Universität Montreal aus der gelben Koralle ein natürliches Steroid isoliert und auf seine therapeutischen Eigenschaften getestet. Ihre Ergebnisse veröffentlichen die Wissenschaftler jetzt in der Online-Version des Fachmagazins Nature Chemical Biology.

Viren schalten sich in die Prozesse der überfallenen Wirtszelle ein und zwingen die Zelle, Viren-Erbgut zu vervielfältigen. Auf diese Weise vermehren sich Viren. Allerdings verlassen sie sich dabei meist auf wenige spezielle Zell-Mechanismen. Für die Protein-Produktion benutzen Viren den molekularen Motor elF4A. Genau hier greift das Korallen-Steroid Hippuristanol ein, indem es den molekularen Motor hemmt. Die Forscher konnten in vitro und in vivo beobachten, dass der Stoff aus dem Meer die Replikation des Poliovirus verlangsamt, ohne die Protein-Produktion in gesunden Nachbarzellen zu beeinflussen.


Da die Protein-Produktion bei manchen Krebsarten außer Kontrolle gerät, könnte sich Hippuristanol als effektives Behandlungsmittel erweisen. Jerry Pelletier, Biochemiker an der McGill-Universität, glaubt an das Potenzial des Korallen-Steroids. "Es könnte ein neues therapeutisches Feld öffnen", so Pelletier. Problematisch sieht der Wissenschaftler jedoch die Beschaffung der Korallen, ohne die Riffe im Westpazifik zu schänden. "Korallenriffe sind eines der weltweit am stärksten bedrohten Ökosysteme", erklärt auch Antje Helms, Meeresbiologin bei Greenpeace, im pressetext-Interview.

Korallen kämpfen derzeit mit der Klimaerwärmung, denn die temperaturempfindlichen Polypen ertragen nur einen bestimmten Wärmegrad. "Auch die Fischerei oder eine touristische Nutzung können für Korallenriffe eine Bedrohung sein", sagt Helms. Doch prinzipiell sei gegen die Suche nach Medizin im Meer nichts einzuwenden, betont die Meeresbiologin gegenüber pressetext und hofft auf eine vorsichtige Vorgehensweise.

Lisa Hartmann | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.mcgill.ca
http://www.nature.com/nchembio
http://www.greenpeace.de

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