Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Geht es der Miesmuschel gut, freut sich der Mensch

28.02.2006


Neuer Terramare-Bericht faßt aktuelle Ergebnisse zur nachhaltigen Miesmuschelzucht zusammen


Auswertung eines Versuchbrutsammlers an Bord eines Muschelkutters [Foto: FTM]


An Kollektoren gewachsene Saatmuscheln Foto:FTM]



Der jetzt erschienene Band aus der Berichte-Reihe des Forschungszentrums TERRAMARE in Wilhelmshaven widmet sich aktuellen Ergebnissen zur nachhaltigen Miesmuschel-Anzucht in Niedersachsen. Auf 80 Seiten erfährt der Leser Aktuelles rund um die Bewirtschaftung des schmackhaften Schalentiers und über neue Möglichkeiten zu schonendem Umgang mit der Natur.


Unter dem Titel "Nachhaltige Miesmuschel-Anzucht im Niedersächsischen Wattenmeer" ist jetzt ein neuer Band der Reihe ’Forschungszentrum TERRAMARE - Berichte’ erschienen. Inhaltlicher Schwerpunkt sind aktuelle Ergebnisse und Ansätze zur Aquakultur des schmackhaften Schalentiers in Niedersachsen, als Hintergrundinformation vorangestellt sind die Entwicklungen aus Sicht von Muschelfischerei (M. Gubernator) und Nationalpark (G. Millat).

Herausgegeben hat den 15. Band der Berichte-Reihe des TERRAMARE, zusammen mit dem Forschungszentrum, der Biologe Dr. Uwe Walter. Seit Ende der 90er Jahre hat er in von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt am Wilhelmshavener Forschungszentrum geförderten Projekten untersucht, wie man Muschelbrut verläßlich gewinnen kann - eine Arbeit, die sowohl der Wirtschaftlichkeit des Fischereizweiges als auch Forderungen nach mehr Nachhaltigkeit zugute kommen wird.


Entlang der gesamten Nordseeküste ist die Muschelfischerei ein traditioneller Aquakulturzweig mit Jahreserträgen von etwa 100.000 Tonnen. Man mag sich über den Begriff ’Aquakultur’ wundern, wenn man davon ausgeht, daß deutsche Muschelfischer - vergleichbar ihren dänischen Kollegen - zu Muschelbänken hinausfahren und dort fischen, was die Natur bereithält. Tatsächlich jedoch wird in Deutschland und den Niederlanden überwiegend eine Bodenkultur von Miesmuscheln betrieben: Die bläulichen Schalentiere werden zunächst als Jungtiere von sogenannten Wildbänken aufgefischt. Andernorts ’säen’ die Fischer ihre ’Muschelsaat’ in für deren Aufwuchs günstigen Bereichen wieder aus. In diesen speziell dafür ausgewiesenen, zumeist dauerhaft von Wasser bedeckten Gebieten wachsen die Muscheln auf ein tellerfertiges Maß. Diese Konsumgröße haben sie, nach ein bis zwei Jahren, ab fünf Zentimetern Länge erreicht.

Nicht in jedem Jahr sind ausreichend Jungmuscheln vorhanden - hier liegen Probleme der Prozedur. Voraussetzung für genügend Muschelbrut sind nämlich sogenannte Brutfälle, eine Art konzertierten Absetzens und Aufwachsens von Muschellarven in bestimmten Bereichen des Wattenmeeres. Es handelt sich dabei um ein unregelmäßig eintretendes Ereignis, das zudem nicht immer einen fischereilich interessanten Umfang erreicht. Das wechselhafte natürliche Angebot von Saatmuscheln führt letztendlich zu schwankenden Anlandungsmengen konsumreifer Muscheln, eine unbefriedigende Situation für einen in Niedersachsen mit fünf Kuttern kleinen Wirtschaftszweig. Darüber hinaus sieht sich die seit etwa 100 Jahren kommerziell betriebene Miesmuschelfischerei in Zeiten geringerer Muschelbestände bisweilen zusätzlich Interessenkonflikten mit dem Naturschutz ausgesetzt.

Vor diesem Hintergrund sind Verfahren wünschenswert, die die Situation sowohl für den Bestand der Miesmuschel als auch für die regelmäßige Verfügbarkeit von Saatmuscheln verbessern. Ausgehend von der Beobachtung, daß sich auch in Jahren unzureichender Brutfälle immer wieder dichter Muschelbewuchs im Unterwasserbereich von Küstenbauwerken und Seezeichen (Bojen, Pfähle etc.) findet, untersuchte Uwe Walter daher zunächst, wann Muschellarven im Wasser auftreten. Es zeigte sich, daß Muschellarven ganzjährig nachzuweisen sind, mengenmäßiger Spitzenreiter ist jedoch der Monat Mai mit in der jüngeren Vergangenheit bis zu 52.000 Larven im Kubikmeter Wasser. - Ein nächster Schritt war es herauszufinden, ob sich neuartige Kulturverfahren, wie sie etwa in Irland oder Spanien in strömungsarmen Meeresbuchten erfolgreich eingesetzt werden, deutlich anderen Verhältnissen an der niedersächsischen Nordseeküste anpassen lassen. Basierend auf seinen Untersuchungen experimentierte Walter erfolgreich mit sogenannten Langleinenkonstruktionen: Von einem "Rückgrat", im einfachsten Falle einer Leine, hängen spezielle, mit hölzernen oder plastikenen Querknebeln oder eingespleißten Leinenbüscheln versehene "Kollektor"-Leinen herab. Walter wies nach, das mit derartigen Kollektoren effektiv Muschelsaat zu gewinnen ist: 210 Testkollektoren erbrachten im Versuchszeitraum über fünf Tonnen Saatmuscheln, die sich von Saatmuscheln traditioneller Herkunft nicht unterschieden.

Inzwischen hat sich der Biologe mit der Firma mytilamar selbständig gemacht. In einer von der EU und dem Land Niedersachsen unterstützten Pilotanlage erproben er und ein heimischer Muschelkulturbetrieb die Produktion und Aussaat großer Saatmuschelmengen von einer speziellen Langleinenkonstruktion.

Einzelheiten lassen sich nachlesen im aktuellen Band 15 aus der Reihe ’Forschungszentrum TERRAMARE - Berichte’. Er trägt den Titel "Nachhaltige Miesmuschel-Anzucht im Niedersächsischen Wattenmeer" und ist am Forschungszentrum TERRAMARE zum Preis von 7,50 € erhältlich.

Dr. Sibet Riexinger | idw
Weitere Informationen:
http://www.fh-wilhelmshaven.de/terramare/terramar.htm

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Mainzer Physiker gewinnen neue Erkenntnisse über Nanosysteme mit kugelförmigen Einschränkungen
27.06.2017 | Johannes Gutenberg-Universität Mainz

nachricht Glykane als Biomarker für Krebs?
27.06.2017 | Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Vorbild Delfinhaut: Elastisches Material vermindert Reibungswiderstand bei Schiffen

Für eine elegante und ökonomische Fortbewegung im Wasser geben Delfine den Wissenschaftlern ein exzellentes Vorbild. Die flinken Säuger erzielen erstaunliche Schwimmleistungen, deren Ursachen einerseits in der Körperform und andererseits in den elastischen Eigenschaften ihrer Haut zu finden sind. Letzteres Phänomen ist bereits seit Mitte des vorigen Jahrhunderts bekannt, konnte aber bislang nicht erfolgreich auf technische Anwendungen übertragen werden. Experten des Fraunhofer IFAM und der HSVA GmbH haben nun gemeinsam mit zwei weiteren Forschungspartnern eine Oberflächenbeschichtung entwickelt, die ähnlich wie die Delfinhaut den Strömungswiderstand im Wasser messbar verringert.

Delfine haben eine glatte Haut mit einer darunter liegenden dicken, nachgiebigen Speckschicht. Diese speziellen Hauteigenschaften führen zu einer signifikanten...

Im Focus: Kaltes Wasser: Und es bewegt sich doch!

Bei minus 150 Grad Celsius flüssiges Wasser beobachten, das beherrschen Chemiker der Universität Innsbruck. Nun haben sie gemeinsam mit Forschern in Schweden und Deutschland experimentell nachgewiesen, dass zwei unterschiedliche Formen von Wasser existieren, die sich in Struktur und Dichte stark unterscheiden.

Die Wissenschaft sucht seit langem nach dem Grund, warum ausgerechnet Wasser das Molekül des Lebens ist. Mit ausgefeilten Techniken gelingt es Forschern am...

Im Focus: Hyperspektrale Bildgebung zur 100%-Inspektion von Oberflächen und Schichten

„Mehr sehen, als das Auge erlaubt“, das ist ein Anspruch, dem die Hyperspektrale Bildgebung (HSI) gerecht wird. Die neue Kameratechnologie ermöglicht, Licht nicht nur ortsaufgelöst, sondern simultan auch spektral aufgelöst aufzuzeichnen. Das bedeutet, dass zur Informationsgewinnung nicht nur herkömmlich drei spektrale Bänder (RGB), sondern bis zu eintausend genutzt werden.

Das Fraunhofer IWS Dresden entwickelt eine integrierte HSI-Lösung, die das Potenzial der HSI-Technologie in zuverlässige Hard- und Software überführt und für...

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Internationale Fachkonferenz IEEE ICDCM - Lokale Gleichstromnetze bereichern die Energieversorgung

27.06.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zu aktuellen Fragen der Stammzellforschung

27.06.2017 | Veranstaltungen

Fraunhofer FKIE ist Gastgeber für internationale Experten Digitaler Mensch-Modelle

27.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Mainzer Physiker gewinnen neue Erkenntnisse über Nanosysteme mit kugelförmigen Einschränkungen

27.06.2017 | Biowissenschaften Chemie

Wave Trophy 2017: Doppelsieg für die beiden Teams von Phoenix Contact

27.06.2017 | Unternehmensmeldung

Warnsystem KATWARN startet international vernetzten Betrieb

27.06.2017 | Informationstechnologie