Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Sauberer Diesel vom Acker

24.02.2006


In Zeiten steigender Kraftstoffpreise und der Klimaveränderung hat die Suche nach Alternativen zu fossilen Energieträgern Priorität. Ein Ersatz für herkömmlichen Treibstoff ist Biodiesel. Mit einem neuen Verfahren lässt sich Rapsöl effizienter in Biodiesel umwandeln.


In der Reklame wird Biodiesel gern mit blühenden Rapsfeldern und dem Begriff "CO2-neutral" beworben. Tatsächlich werden "nachwachsende" Pflanzen gezeigt, aus denen die meisten flüssigen Motorkraftstoffe dieser Art gewonnen werden. Bis zum Jahr 2010 soll deren Anteil in der EU 5,75 Prozent erreichen - derzeit sind es etwa zwei Prozent. Ganz ohne Treibhausgase geht es natürlich auch hier nicht: Mäh- und Dreschmaschinen, Ölmühlen und Tanklaster brauchen ebenso Energie wie der Prozess der Umesterung, der chemischen Verwandlung, die nötig ist, wenn reines Rapsöl in nicht modifizierten Dieselmotoren verbrannt werden soll. Rapsöl besteht im Wesentlichen aus Glycerin und Fettsäuren und wird mit Natron- oder Kalilauge und Methanol gemischt und erwärmt. Die Lauge spaltet das Glycerin von den Fettsäuren ab. Diese verbinden sich mit dem Methanol und bilden Rapsölmethylester, der als Kraftstoff - noch - von der Steuer befreit ist. Ein Nachteil des herkömmlichen Verfahrens: Das Endprodukt enthält rund zehn Masseprozent Glycerin. Diese Menge löst sich nicht einfach im Diesel auf, sondern muss - wie andere Nebenprodukte auch - abgetrennt werden. Ein weiterer, Energie verbrauchender verfahrenstechnischer Schritt ist notwendig.

Einen gänzlich anderen Prozess, bei dem auf Träger fixierte Enzyme die Umesterung katalysieren, untersuchen Forscher vom Fraunhofer-Institut für Verfahrenstechnik und Verpackung IVV in Freising. Der wesentliche Unterschied zum herkömmlichen Weg besteht darin, dass das Rapsöl nicht vollständig umgesetzt wird. Ein Teil der Fettsäuren ist vielmehr chemisch am Glycerin gebunden. So bleibt das Glycerin im Biodiesel löslich. Das "Glycerinproblem" entfällt und die Ausbeute steigt um zehn Prozent. Weitere Vorteile des Prozesses: Er kommt mit etwa einem Drittel weniger Alkohol aus. Anstatt des giftigen, synthetisch hergestellten Methanol kann Ethanol verwendet werden. Da keine Säuren oder Laugen nötig sind, bilden sich auch keine Seifen. Es fällt weniger Abwasser an, das mit Ölresten kontaminiert ist. "In unseren Vorversuchen konnte die Eignung des Verfahrens zur Teilumesterung von Pflanzenölen gezeigt werden", betont Dr. Peter Eisner vom IVV. "Eine erste Bewertung von Laborprodukten lässt auf gute Eigenschaften des Kraftstoffes schließen." Zusammen mit dem Lehrstuhl für Energie und Umwelttechnik der Lebensmittelindustrie der TU München und einigen mittelständischen Unternehmen wollen die Forscher vom IVV nun die Entwicklung und Optimierung des neuen Kraftstoffes weiter voranzutreiben.

Marion Horn | Fraunhofer-Gesellschaft
Weitere Informationen:
http://www.fraunhofer.de/fhg/press/pi/2006/02/Mediendienst22006Thema3.jsp

Weitere Berichte zu: Biodiesel Diesel Fettsäure Glycerin IVV Kraftstoff Methanol Prozess Rapsöl

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Sollbruchstellen im Rückgrat - Bioabbaubare Polymere durch chemische Gasphasenabscheidung
02.12.2016 | Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

nachricht "Fingerabdruck" diffuser Protonen entschlüsselt
02.12.2016 | Universität Leipzig

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Im Focus: Neuer Sensor: Was im Inneren von Schneelawinen vor sich geht

Ein neuer Radarsensor erlaubt Einblicke in die inneren Vorgänge von Schneelawinen. Entwickelt haben ihn Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum (RUB) um Dr. Christoph Baer und Timo Jaeschke gemeinsam mit Kollegen aus Innsbruck und Davos. Das Messsystem ist bereits an einem Testhang im Wallis installiert, wo das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung im Winter 2016/17 Messungen damit durchführen möchte.

Die erhobenen Daten sollen in Simulationen einfließen, die das komplexe Geschehen im Inneren von Lawinen detailliert nachbilden. „Was genau passiert, wenn sich...

Im Focus: Neuer Rekord an BESSY II: 10 Millionen Ionen erstmals bis auf 7,4 Kelvin gekühlt

Magnetische Grundzustände von Nickel2-Ionen spektroskopisch ermittelt

Ein internationales Team aus Deutschland, Schweden und Japan hat einen neuen Temperaturrekord für sogenannte Quadrupol-Ionenfallen erreicht, in denen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

Die Perspektiven der Genom-Editierung in der Landwirtschaft

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Parkinson-Krankheit und Dystonien: DFG-Forschergruppe eingerichtet

02.12.2016 | Förderungen Preise

Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave

02.12.2016 | Studien Analysen

Nach der Befruchtung übernimmt die Eizelle die Führungsrolle

02.12.2016 | Biowissenschaften Chemie