Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Potsdamer Biologen erforschen Vogelviren an Störchen

22.02.2006


In einem Wettlauf mit der Zeit bilden Ökologen und Verhaltensbiologen am Institut für Biochemie und Biologie der Universität Potsdam in enger Kooperation mit dem Friedrich-Loeffler-Institut für Tiergesundheit gegenwärtig ein internationales Konsortium aus Vogelkundlern und Virologen. Die Forscher beteiligen sich an einem Aufruf der Europäischen Union zur "Wissenschaftlichen Unterstützung der Politik - SSP-5B Influenza".

... mehr zu:
»Störche »Störchen »Virus »Weißstorch

Im Mittelpunkt wird der Weißstorch stehen, wobei die über den Balkan ziehende Population untersucht werden soll. Durch ein Netz von Probeflächen in Mittel-, Ost- und Südosteuropa soll geklärt werden, ob der Weißstorch als nach Afrika ziehender Langstreckenzieher als Träger, Transporteur und Verbreiter des Vogelgrippevirus H5N1 dient. Weiterhin wollen die Wissenschaftler untersuchen, ob die Vogelgrippe für Störche tödlich ist oder diese zumindest in ihrer Fitness beeinträchtigt werden.

Der Storch ist als Symbol des Glücks und der Fruchtbarkeit in der Bevölkerung weithin bekannt. Durch seine enge Bindung an menschliche Siedlungen besteht bei intensivem Kontakt ein Risiko der Übertragung von Viren verschiedener Art auf Menschen und Nutzgeflügel. Dieses Risiko wird gegenwärtig in der Öffentlichkeit sehr unterschiedlich bewertet, und die Wissenschaft ist gefragt, darauf durch Forschung bestätigte Antworten zu geben. Diesbezüglich bestehen nach Auffassung der Forscher zurzeit große Defizite.

Bereits Mitte der 1990er Jahre begannen Wissenschaftler der Universität Potsdam gemeinsam mit dem Friedrich-Loeffler-Institut und dem Landeslabor Brandenburg mit der Suche nach Viren bei am Gülper See in der Havelniederung rastenden nordischen Saat- und Blässgänsen. Diese Arbeiten wurden in den Jahren 2001 und 2002 durch Probennahme an 630 Wasser- und Watvögeln aus 29 Arten fortgesetzt. Besondere Unterstützung erhielten die Fachleute durch eine Vielzahl ehrenamtlicher Vogelkundler aus Brandenburg und Berlin, die im Rahmen eines vom Naturschutzbund geförderten Beringungsprogramms alljährlich am Gülper See tätig sind. Die in der Märzausgabe der renommierten Fachzeitschrift "Journal of Veterinary Medicine" vorgestellten Ergebnisse erbrachten den Nachweis einer Vielzahl verschiedener Virentypen. Influenzaviren, der niedrig pathogenen Stämmen H3 und H4 konnten zu diesem Zeitpunkt nur bei einigen Enten gefunden werden.

Seit 2003 liegt der Schwerpunkt der Untersuchungen auf dem Weißstorch. Wiederum mit Unterstützung der Vogelberinger wurden alljährlich Tupfer- und Blutprobenproben auf drei brandenburgischen Probeflächen von bisher mehr als 300 Störchen entnommen und tiefgefroren. Aus finanziellen Gründen konnten diese Proben bisher nicht analysiert werden.

Somit sind sehr gute Voraussetzungen für eine Ausweitung der Untersuchungen auf große Teile des Verbreitungsgebiets des Weißstorchs vorhanden. Auf seinem diesjährigen Heimzug in die Brutareale, der im März einsetzt, wird der ostziehende Weißstorch verschiedene Gebiete berühren, in denen in den letzten Wochen und Tagen Influenzaviren bei Wildvögeln nachgewiesen wurden (Ägypten, Türkei, Slowenien, Österreich). An dem Forschungsverbund werden sich nach gegenwärtigem Stand zwei Forschungseinrichtungen aus Polen, je eine aus der Ukraine, Litauen, Lettland und Kroatien sowie vier aus Deutschland beteiligen.
Die Forscher stehen jedoch vor einem scheinbar unüberwindlichen Problem - entsprechend der Ausschreibung der Europäischen Union werden die Fördergelder im Falle der Genehmigung des Projektes erst ab 2007 fließen. Alle sind jedoch der Meinung, dass sofort gehandelt werden muss und die Politik vorausschauendes Handeln an den Tag legen muss. Anfragen an den zuständigen Bundesminister und die Vorsitzenden der Bundestagsausschüsse für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz sowie Gesundheit bezüglich einer Anschubfinanzierung blieben bisher ohne Antwort.

Andrea Benthien | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-potsdam.de/pressmitt/pm027_06.htm

Weitere Berichte zu: Störche Störchen Virus Weißstorch

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Was nach der Befruchtung im Zellkern passiert
06.12.2016 | Helmholtz Zentrum München - Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt

nachricht Forscher vergleichen Biodiversitätstrends mit dem Aktienmarkt
06.12.2016 | Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Im Focus: Significantly more productivity in USP lasers

In recent years, lasers with ultrashort pulses (USP) down to the femtosecond range have become established on an industrial scale. They could advance some applications with the much-lauded “cold ablation” – if that meant they would then achieve more throughput. A new generation of process engineering that will address this issue in particular will be discussed at the “4th UKP Workshop – Ultrafast Laser Technology” in April 2017.

Even back in the 1990s, scientists were comparing materials processing with nanosecond, picosecond and femtosesecond pulses. The result was surprising:...

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Im Focus: Shape matters when light meets atom

Mapping the interaction of a single atom with a single photon may inform design of quantum devices

Have you ever wondered how you see the world? Vision is about photons of light, which are packets of energy, interacting with the atoms or molecules in what...

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Was nach der Befruchtung im Zellkern passiert

06.12.2016 | Biowissenschaften Chemie

Tempo-Daten für das „Navi“ im Kopf

06.12.2016 | Medizin Gesundheit

Patienten-Monitoring in der eigenen Wohnung − Sensorenanzug für Schlaganfallpatienten

06.12.2016 | Medizintechnik