Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Die Nerven bewahren - dem Immunsystem im Gehirn auf der Spur

14.02.2006


Lässt sich der Verlust von Nervenzellen bei Schädigungen des Gehirns aufhalten? Im Nervensystem wird die Immunabwehr vor allem durch Mikroglia-Zellen vertreten, den so genannten "Makrophagen des Gehirns". Die Rolle dieser Mikroglia bei akuter Schädigung des Gehirns, wie Schlaganfall, Trauma als auch chronischen Gehirnschädigungen, beispielsweise bei der Alzheimerschen oder Parkinsonschen Krankheit, ist Gegenstand intensiver Forschung. Dazu gehört auch ein gemeinsames Projekt von Magdeburger und Braunschweiger Wissenschaftlern.



Die Literatur wird von der Meinung beherrscht, dass eine schädigungsbedingte Aktivierung der Mikroglia im Gehirn das Absterben und Abräumen von Nervenzellen verursacht. Aus diesem Grund, wurde bislang auch versucht, die Mikroglia pharmakologisch auszuschalten, um damit den Untergang von Nervenzellen nach z. B. experimentellem Schlaganfall zu verringern.



Seit einiger Zeit jedoch gibt es Hinweise, dass Mikroglia neben ihrem zerstörerischen Charakter, auch einen schützenden Effekt auf Nervenzellen ausüben kann. Nun gelang es einem Team von Forschern aus dem Leibniz-Institut für Neurobiologie und der Magdeburger Universität mit Professor Klaus Reymann, Professor Oliver Ullrich und Dr. Klaus Dinkel in Zusammenarbeit mit Dr. Matthias Gunzer von der Gesellschaft für Biotechnologische Forschung (GBF) Braunschweig an einem in vitro-Modell für Schlaganfall an Hirnschnitt-Kulturen zu zeigen, dass die Mikroglia-Zellen in der ersten Phase des Schädigungsgeschehens tatsächlich die Fähigkeit haben, Nervenzellen nach Sauerstoff/Glukose-Entzug vor dem Untergang zu schützen beziehungsweise den Untergang hinauszuzögern.

Wie der Medizin- und Neurobiologie-Student der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, Jens Neumann, in seinem gerade erschienenen Artikel im renommierten FASEB-Journal (The FASEB Journal express article doi:10.1096/fj.05-4882fje, Published online February 10, 2006) berichtet, verzögert die Zugabe von Mikroglia-Zelllinien direkt auf den Hirnschnitt auch noch wenige Stunden nach dem Sauerstoffentzug den Untergang der Nervenzellen im Hirnschnitt. Die Interaktion zwischen Mikroglia und Nervenzellen konnte mittels 2-Photonenmikroskopie beobachtet werden. Wenige Stunden nach dem experimentellen Schlaganfall geht die Mikroglia einen engen physikalischen Kontakt mit den Nervenzellen ein und umhüllt diese regelrecht.

Die Aufklärung der an dieser Zell-Zell-Wechselwirkung beteiligten extra- und intrazellulären Signalwege ist Gegenstand von Forschungsprojekten, die im Rahmen der Exzellenzinitiative vom Land Sachsen-Anhalt gefördert werden.

Für die Pharmaforschung bedeutet dieser Befund, zukünftig die Rolle der Mikroglia differenzierter zu betrachten.

Tagungshinweis: 4. Magdeburg Meeting on Neuroprotection and Neurorepair
http://www.neurorepair-2006.de

Ansprechpartner für Redaktionen:
Prof. Dr. Klaus Reymann
Leibniz-Institut für Neurobiologie Magdeburg
Tel. 0163/6275600
e-mail: reymann@ifn-magdeburg.de

Kornelia Suske | idw
Weitere Informationen:
http://www.med.uni-magdeburg.de/
http://www.neurorepair-2006.de

Weitere Berichte zu: Hirnschnitt Mikroglia Nervenzelle Schlaganfall Untergang

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Designerviren stacheln Immunabwehr gegen Krebszellen an
26.05.2017 | Universität Basel

nachricht Wachstumsmechanismus der Pilze entschlüsselt
26.05.2017 | Karlsruher Institut für Technologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

Staphylococcus aureus ist aufgrund häufiger Resistenzen gegenüber vielen Antibiotika ein gefürchteter Erreger (MRSA) insbesondere bei Krankenhaus-Infektionen. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben immunologische Prozesse identifiziert, die eine erfolgreiche körpereigene, gegen den Erreger gerichtete Abwehr verhindern. Die Forscher konnten zeigen, dass sich durch Übertragung von Protein oder Boten-RNA (mRNA, messenger RNA) des Erregers auf Immunzellen die Immunantwort in Richtung einer aktiven Erregerabwehr verschieben lässt. Dies könnte für die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs bedeutsam sein. Darüber berichtet PLOS Pathogens in seiner Online-Ausgabe vom 25.05.2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das bei weit über der Hälfte der Erwachsenen Haut und Schleimhäute besiedelt und dabei normalerweise keine...

Im Focus: Can the immune system be boosted against Staphylococcus aureus by delivery of messenger RNA?

Staphylococcus aureus is a feared pathogen (MRSA, multi-resistant S. aureus) due to frequent resistances against many antibiotics, especially in hospital infections. Researchers at the Paul-Ehrlich-Institut have identified immunological processes that prevent a successful immune response directed against the pathogenic agent. The delivery of bacterial proteins with RNA adjuvant or messenger RNA (mRNA) into immune cells allows the re-direction of the immune response towards an active defense against S. aureus. This could be of significant importance for the development of an effective vaccine. PLOS Pathogens has published these research results online on 25 May 2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) is a bacterium that colonizes by far more than half of the skin and the mucosa of adults, usually without causing infections....

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

DFG fördert 15 neue Sonderforschungsbereiche (SFB)

26.05.2017 | Förderungen Preise

Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

26.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Unglaublich formbar: Lesen lernen krempelt Gehirn selbst bei Erwachsenen tiefgreifend um

26.05.2017 | Gesellschaftswissenschaften