Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Dem Geheimnis der Sprache auf der Spur

14.02.2006


Leipziger Grundlagenforschung auf dem Gebiet der Sprachwissenschaft wird nach jüngster Entscheidung der Gremien der Deutschen Forschungsgemeinschaft in Gestalt der Forschergruppe 742 "Grammatik und Verarbeitung verbaler Argumente" gefördert. Sprecher ist Prof. Dr. Gereon Müller vom Institut für Linguistik der Universität Leipzig. Eine Forschergruppe, in der nach DFG-Maßstab "mehrere herausragend ausgewiesene Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler" zusammenarbeiten, wird bis zu sechs Jahre finanziell unterstützt.



In der neuen Forschergruppe arbeiten Wissenschaftler der Institute für Linguistik und für Slavistik sowie der Max-Planck-Institute für Evolutionäre Anthropologie und für Kognitions- und Neurowissenschaften zusammen. Im Zentrum der Arbeit steht, so Gereon Müller, die Natur der menschlichen Sprachfähigkeit im Allgemeinen und der Kern der Grammatik, die Beziehung zwischen Verb und Argument, im Besonderen. Mit Argument werden die ein, zwei, drei etc. "Mitspieler" (Satzglieder) bezeichnet, die dem "Mannschaftskapitän" Verb obligatorisch oder optional zur Seite stehen. Diese Information zum Verb ist im Lexikon des Sprechers, also im Gehirn, gespeichert, was die Kooperation mit der Hirnforschung nahe legt. Zum Beispiel sind beim Verb "sehen" zwei Mitspieler gegeben: das sehende Subjekt, das belebt sein muss, und das, was gesehen wird, das Objekt, das Thema. Diese Ebene der Betrachtung, eine lexikologische, bezieht sich auf die Argumentstruktur. Eine weitere Ebene, die syntaktische, gilt der Argumentrealisierung, in der untersucht wird, wie Informationen über die Mitspieler zu grammatischen Funktionen (Objekt, Subjekt usw.) werden. Die dritte Ebene, die morphologische, wendet sich der Argumentkodierung zu, mithin der Frage, wie die grammatischen Funktionen sichtbar werden, etwa durch die Flexion von Wörtern (z. B. Kasusendung). Die vierte Betrachtungsebene, die semantische, zielt auf die Argumentinterpretation, wo die Bedeutung der Mitspieler analysiert wird. Da diese Grammatikforschung Typologie-basiert, anhand einer Vielzahl von unterschiedlichen Sprachen geleistet wird, besteht die Möglichkeit und auch der Reiz darin, wie Prof. Müller unterstreicht, immer wiederkehrende Muster im grammatischern Verhalten von verbalen Argumenten zu finden.



Das von Linguisten zur Verfügung gestellte sprachliche Datenmaterial trifft dann, wenn man den eingangs erhobenen Anspruch in Bezug auf die Erforschung der Sprachfähigkeit wieder in den Blick nimmt, auf Erkenntnisse der Kognitionsforschung, wie sie etwa mit der Methode zur Messung elektrischer Gehirnströme gewonnen werden. Und damit rückt die Hauptaufgabe der Forschergruppe in den Mittelpunkt, die Lücke zwischen Psycholinguistik und allgemeiner Sprachwissenschaft zu schließen bzw. beide näher zusammenrücken zu lassen, indem neue Erkenntnisse über die Organisation der Grammatik und deren Verarbeitung im menschlichen Gehirn zusammengeführt werden.

Dem Geheimnis der Sprache auf die Spur zu kommen, stellt im Übrigen eine alte, gleichwohl international viel beachtete Leipziger Forschungsrichtung dar. Man denke an die historisch-vergleichende Sprachwissenschaft, wie sie die sog. Junggrammatiker am Ende des 19. Jahrhunderts verkörperten. Sie begriffen wie wir heute, so Gereon Müller, die Sprachwissenschaft als einen Forschungsgegenstand, dem man sich auf der Grundlage von einzelsprachlichen Daten mit formaler Präzision und unter theoretischer Abstraktion nähern muss, weil in der Sprache Gesetze mit Naturnotwendigkeit wirken. Die Reihe der bedeutenden Namen reicht von Brugmann, Delbrück, Leskien bis hin zu dem Begründer des Strukturalismus, Ferdinand de Saussure, der in Leipzig promoviert hat - und zwar zum Genitiv in den indoeuropäischen Sprachen, einem Thema, das perfekt in den Arbeitszusammenhang der neuen Forschergruppe passen würde. In dieser Tradition sehen sich die in der Forschergruppe vereinten Leipziger Sprachwissenschaftler.

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Gereon Müller
Telefon: 0341 97-37611
E-Mail: gereon.mueller@uni-leipzig.de

Volker Schulte | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-leipzig.de/~muellerg

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht
18.10.2017 | Fraunhofer-Institut für Lasertechnik ILT

nachricht Pflanzen können drei Eltern haben
18.10.2017 | Universität Bremen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Im Focus: Neutron star merger directly observed for the first time

University of Maryland researchers contribute to historic detection of gravitational waves and light created by event

On August 17, 2017, at 12:41:04 UTC, scientists made the first direct observation of a merger between two neutron stars--the dense, collapsed cores that remain...

Im Focus: Breaking: the first light from two neutron stars merging

Seven new papers describe the first-ever detection of light from a gravitational wave source. The event, caused by two neutron stars colliding and merging together, was dubbed GW170817 because it sent ripples through space-time that reached Earth on 2017 August 17. Around the world, hundreds of excited astronomers mobilized quickly and were able to observe the event using numerous telescopes, providing a wealth of new data.

Previous detections of gravitational waves have all involved the merger of two black holes, a feat that won the 2017 Nobel Prize in Physics earlier this month....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mobilität 4.0: Konferenz an der Jacobs University

18.10.2017 | Veranstaltungen

Smart MES 2017: die Fertigung der Zukunft

18.10.2017 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Dezember 2017

17.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

18.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Biokunststoffe könnten auch in Traktoren die Richtung angeben

18.10.2017 | Messenachrichten

»ILIGHTS«-Studie gestartet: Licht soll Wohlbefinden von Schichtarbeitern verbessern

18.10.2017 | Energie und Elektrotechnik