Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Gesundheitsprobleme durch Ausbreitung der Beifuß-Ambrosie

13.02.2006


Amerikanischer Korbblütler kann schwere Pollenallergien auslösen / Bundesweiter Arbeitskreis gegründet



Die Beifuß-Ambrosie (Ambrosia artemisiifolia) und ihr Gesundheitsgefährdungspotenzial stand im Mittelpunkt eines von der Biologischen Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft in Braunschweig organisierten Workshops. Die aus Nordamerika stammende Art kann schwere Pollenallergien hervorrufen. Die Brisanz des Themas für die menschliche Gesundheit bewog die Teilnehmer des Workshops, einen interdisziplinären Arbeitskreis zu gründen und sich regelmäßig zu treffen.



Weit verbreitet ist die Beifuß-Ambrosie bereits in mehreren europäischen Ländern, beispielsweise im Raum Lyon oder Raum Mailand oder Ungarn einschließlich aller umgebender Länder. Derzeit breitet sie sich auch in mehreren Regionen Deutschlands aus, etwa im Raum Mannheim-Karlsruhe. Aus Hessen sind bislang nur wenige und zudem individuenarme Vorkommen bekannt.

Die zu der Familie der Korbblütler (Asteraceae) zählende Beifuß-Ambrosie ist eine einjährige Pflanze, die bis zu 200 cm hoch werden kann. Als windblütige Art produziert sie in ihrer Hauptblütezeit zwischen August und Oktober große Menge an Pollen. Einzelne große Pflanzen können bis zu 62.000 Samen ausbilden, die im Boden mehr als 39 Jahre lebensfähig bleiben.

Die Universität Frankfurt lieferte im Rahmen des Workshops einige zentrale Beiträge. Dr. Beate Alberternst und Dr. Stefan Nawrath vom Institut für Ökologie, Evolution und Diversität berichteten im Einleitungsreferat von ihren Forschungsergebnissen zur Biologie, der Verbreitung und den Einschleppungswegen der Beifuß-Ambrosie in Deutschland. Dr. Ralf Horres von der Firma GenXPro GmbH, einer jungen Ausgründung der Universität im Frankfurter Innovationszentrum Biotechnologie (FIZ), referierte über molekularbiologische Ansätze zur Problemanalyse und Entwicklung von Handlungsstrategien. Eine vergleichende Analyse markerbasierter biogeographischer Daten mit meteorologischen Daten, Pollenkonzentrationsmessungen und Untersuchungen zur Sensibilisierung der Bevölkerung gegenüber Ambrosia artemisiifolia-Pollen ermöglicht seiner Meinung nach ein effektives Monitoring der Ausbreitungsdynamik und somit der Entwicklung des Allergie auslösenden Potentials der Beifuß-Ambrosie in Deutschland.

Dr. Frank Reinhardt schließlich hat im Auftrag des Umweltbundesamtes eine Studie zu den ökonomischen Folgen sich ausbreitender gebietsfremder Arten erstellt und dabei erstmals für Deutschland eine Monetarisierung ökologischer Schäden vorgenommen. Obwohl die Beifuß-Ambrosie bislang in Deutschland noch recht selten ist, verursacht sie im Gesundheitswesen nach seinen Schätzungen bereits Kosten von etwa 32 Mio. Euro jährlich. Bei der zu erwartenden weiteren Ausbreitung der Art ist eine Vervielfachung der Kosten absehbar.

Wesentlich zu klären ist für die Frankfurter Forscher, ob und wie schnell eine Ausbreitung der Beifuß-Ambrosie erfolgen wird; auch Einschleppungswege gilt es zu identifizieren.

Eine effektive Einschleppung geschieht über Vogelstreufutter, das mit Samen der Pflanze verunreinigt ist. Nach Analyse von 33 Vogelfutterproben aus verschiedenen Geschäften des Rhein-Main-Gebietes wurden in der Mehrzahl der Produkte Ambrosia-Samen nachgewiesen, teils in großer Zahl. Vielfach kommt es bei diesen Einschleppungen jedoch nicht zum Aufwuchs von Ambrosia, da die Jungpflanzen meist der Gartenpflege zum Opfer fallen. Streuvogelfutter sollte außerhalb gepflegter Gärten jedoch nicht verwendet werden. Wünschenswert wäre, dass bei der Produktion von Streuvogelfutter ebenso strenge Kriterien an die Saatgutreinheit gestellt würden, wie bei dem zu Nahrungszwecken bestimmten Saatgut um eine Einbringung der Art zu verhindern.

Da zu erwarten ist, dass sich die Beifuß-Ambrosie auch im Rhein-Main-Gebiet ausbreiten wird, sind alle Leser gebeten, nach dieser Art zu schauen und Fundorte an Dr. Stefan Nawrath zu melden. Nähere Beschreibungen und Abbildungen sind unter www.ambrosiainfo.de einzusehen

Kontakt: Dr. Stefan Nawrath; Abteilung Ökologie und Diversität; Institut für Ökologie, Evolution und Diversität des Fachbereichs Bio-wissenschaften; Siesmayerstr. 70; 60323 Frankfurt; Tel. 069-798-24731; Fax.: 069-798-24702; E-Mail: S.M.Nawrath@em.uni-frankfurt.de

Dr. Ralf Breyer | idw
Weitere Informationen:
http://www.ambrosiainfo.de

Weitere Berichte zu: Ambrosia Beifuß-Ambrosie Diversität Ökologie

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Der Kobold in der Zange
17.01.2018 | Leibniz-Institut für Katalyse e. V. an der Universität Rostock

nachricht Forscher entschlüsseln zentrales Reaktionsprinzip von Metalloenzymen
16.01.2018 | Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Ein Atom dünn: Physiker messen erstmals mechanische Eigenschaften zweidimensionaler Materialien

Die dünnsten heute herstellbaren Materialien haben eine Dicke von einem Atom. Sie zeigen völlig neue Eigenschaften und sind zweidimensional – bisher bekannte Materialien sind dreidimensional aufgebaut. Um sie herstellen und handhaben zu können, liegen sie bislang als Film auf dreidimensionalen Materialien auf. Erstmals ist es Physikern der Universität des Saarlandes um Uwe Hartmann jetzt mit Forschern vom Leibniz-Institut für Neue Materialien gelungen, die mechanischen Eigenschaften von freitragenden Membranen atomar dünner Materialien zu charakterisieren. Die Messungen erfolgten mit dem Rastertunnelmikroskop an Graphen. Ihre Ergebnisse veröffentlichen die Forscher im Fachmagazin Nanoscale.

Zweidimensionale Materialien sind erst seit wenigen Jahren bekannt. Die Wissenschaftler André Geim und Konstantin Novoselov erhielten im Jahr 2010 den...

Im Focus: Forscher entschlüsseln zentrales Reaktionsprinzip von Metalloenzymen

Sogenannte vorverspannte Zustände beschleunigen auch photochemische Reaktionen

Was ermöglicht den schnellen Transfer von Elektronen, beispielsweise in der Photosynthese? Ein interdisziplinäres Forscherteam hat die Funktionsweise wichtiger...

Im Focus: Scientists decipher key principle behind reaction of metalloenzymes

So-called pre-distorted states accelerate photochemical reactions too

What enables electrons to be transferred swiftly, for example during photosynthesis? An interdisciplinary team of researchers has worked out the details of how...

Im Focus: Erstmalige präzise Messung der effektiven Ladung eines einzelnen Moleküls

Zum ersten Mal ist es Forschenden gelungen, die effektive elektrische Ladung eines einzelnen Moleküls in Lösung präzise zu messen. Dieser fundamentale Fortschritt einer vom SNF unterstützten Professorin könnte den Weg für die Entwicklung neuartiger medizinischer Diagnosegeräte ebnen.

Die elektrische Ladung ist eine der Kerneigenschaften, mit denen Moleküle miteinander in Wechselwirkung treten. Das Leben selber wäre ohne diese Eigenschaft...

Im Focus: The first precise measurement of a single molecule's effective charge

For the first time, scientists have precisely measured the effective electrical charge of a single molecule in solution. This fundamental insight of an SNSF Professor could also pave the way for future medical diagnostics.

Electrical charge is one of the key properties that allows molecules to interact. Life itself depends on this phenomenon: many biological processes involve...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

6. Technologie- und Anwendungsdialog am 18. Januar 2018 an der TH Wildau: „Intelligente Logistik“

18.01.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - März 2018

17.01.2018 | Veranstaltungen

2. Hannoverscher Datenschutztag: Neuer Datenschutz im Mai – Viele Unternehmen nicht vorbereitet!

16.01.2018 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Innovationen in der Bionik gesucht!

18.01.2018 | Förderungen Preise

6. Technologie- und Anwendungsdialog am 18. Januar 2018 an der TH Wildau: „Intelligente Logistik“

18.01.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Projekt "HorseVetMed": Forscher entwickeln innovatives Sensorsystem zur Tierdiagnostik

17.01.2018 | Agrar- Forstwissenschaften