Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Seltenste Antilope der Welt wieder aufgetaucht

13.02.2006


Die Riesen-Rappenantilope galt manchen schon als ausgestorben. Berliner Forscher wiesen jetzt nach, dass in Angola einige Tiere überlebt haben



Die Riesen-Rappenantilope ist wieder aufgetaucht. Jahrzehntelang galt das Tier mit den imposanten Hörnern, das ausschließlich in Angola vorkommt, als verschollen oder ausgestorben. Jetzt haben Wissenschaftler des Berliner Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) anhand von Erbgutvergleichen bestätigt, dass die seltenste Antilope der Welt nicht ausgestorben ist – und das trotz des 30 Jahre tobenden Bürgerkriegs in dem westafrikanischen Land.



„Unser Befund hat eine große Bedeutung für die regionalen Artenschutzbemühungen“, sagt Prof. Dr. Christian Pitra vom IZW, „denn die Riesen-Rappenantilope ist nicht nur das Nationalsymbol Angolas, sondern auch eine so genannte flagship species.“ Als Flaggschiff-Art bezeichnet man Spezies, deren Schutz sich besonders lohnt, weil im Gefolge auch andere Arten oder ganze Ökosysteme von den Schutzmaßnahmen profitieren.

Besonders dramatisch ist die Situation für Riesen-Rappenantilope nicht nur wegen des Bürgerkriegs. Ihre extrem langen Hörner – bis zu 1,65 Meter – machen die Tiere als Trophäe für Jäger begehrt. Die aber wollen nicht ins gefährliche Angola. Und so bieten Wildpark- Betreiber in Südafrika nach Angaben von Pitra bereits bis zu einer Million US-Dollar für ein lebendes Tier. Sie hoffen, durch Einkreuzen der angolanischen Variante in ihre eigenen Rappenantilopen- Bestände Nachwuchs züchten zu können, der ebenfalls lange Hörner trägt und sich dann gewinnbringend als Trophäe zum Abschuss verkaufen lässt.

Durch die nahe Verwandtschaft der Rappenantilopen wäre eine Kreuzung von Tieren zweier Unterarten biologisch kein Problem. Mehr noch: Die molekular-genenetischen Untersuchungen der IZW- Wissenschaftler legen nahe, dass es sich bei den angolanischen Riesen-Rappenantilopen (Hippotragus niger variani) um eine geografisch isolierte Population ihrer nächsten Verwandten namens Hippotragus niger niger handelt, die im Süden Tanzanias sowie in Südafrika leben.

Aber wäre dann eine Kreuzung mit Beständen in Südafrika nicht harmlos? „Nein, auf keinen Fall“, sagt Pitra. Denn von der Gestalt her („morphologisch“) unterschieden sich die Bestände sehr wohl, einerseits durch die langen Hörner, die nur die Tiere in Angola tragen, andererseits durch eine auffällige Zeichnung des Fells am Kopf. Überdies, gibt Pitra zu bedenken, könne man eine Neuordnung von Arten nicht allein auf die DNA-Analysen stützen, sondern müsse immer auch die Morphologie mit einbeziehen.

Hintergrund-Informationen:

Die seltene Antilope mit dem lateinischen Namen Hippotragus niger variani war erst 1914 entdeckt und zuletzt vor 24 Jahren in Angola gesichtet worden. Hin und wieder gab es zwar Gerüchte, dass noch Riesen-Rappenantilopen in den beiden benachbarten Schutzgebieten Luando Integral Nature Reserve und Cangandala National Park lebten, doch ein sicherer Nachweis fehlte bislang. Unter zum Teil abenteuerlichen Bedingungen hatten portugiesische und englische Wissenschaftler im Jahr 2004 Kotproben aus den beiden Gebieten in Zentralangola gesammelt und nach Berlin zur Analyse geschickt. Hier verglichen die Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung daraus gewonnenes Erbgut mit Material, das aus Museen stammt. Das Erbgut im Kot kam von Zellen der Darmschleimhaut, die immer in den Pellets zu finden sind.

Nach der Bestätigung, dass es sich um Kot von Riesen- Rappenantilopen handelte, wurden automatische Kameras an Salzlecken aufgestellt. Diese „Fotofallen“ dokumentierten, dass die beeindruckenden Hornträger dort regelmäßig hinkommen. Eine Antilopenkuh auf einem Foto war sogar eindeutig trächtig.

Eine wissenschaftliche Arbeit dazu ist kürzlich in der Fachzeitschrift European Journal of Wildlife Research erschienen (DOI 10.1007/s10344-00-0026-y).

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Christian Pitra
Tel.: 030/5168-501
pitra@izw-berlin.de

Fotos und weitere Kontakte ins IZW:
Steven Seet
Tel.: 030 / 5168-718
seet@izw-berlin.de

Forschungsverbund Berlin e.V.
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Rudower Chaussee 17
12489 Berlin
Tel.: +49-30-6392-3338 (Fax: -3333)
zens@fv-berlin.de

Josef Zens | Forschungsverbund Berlin e.V.
Weitere Informationen:
http://www.fv-berlin.de

Weitere Berichte zu: Angola Antilope Hippotragus IZW Riesen-Rappenantilope

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Demenz: Neue Substanz verbessert Gehirnfunktion
28.07.2017 | Technische Universität München

nachricht Mit einem Flow-Reaktor umweltschonend Wirkstoffe erzeugen
28.07.2017 | Universität Bielefeld

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Ruckartige Bewegung schärft Röntgenpulse

Spektral breite Röntgenpulse lassen sich rein mechanisch „zuspitzen“. Das klingt überraschend, aber ein Team aus theoretischen und Experimentalphysikern hat dafür eine Methode entwickelt und realisiert. Sie verwendet präzise mit den Pulsen synchronisierte schnelle Bewegungen einer mit dem Röntgenlicht wechselwirkenden Probe. Dadurch gelingt es, Photonen innerhalb des Röntgenpulses so zu verschieben, dass sich diese im gewünschten Bereich konzentrieren.

Wie macht man aus einem flachen Hügel einen steilen und hohen Berg? Man gräbt an den Seiten Material ab und schüttet es oben auf. So etwa kann man sich die...

Im Focus: Abrupt motion sharpens x-ray pulses

Spectrally narrow x-ray pulses may be “sharpened” by purely mechanical means. This sounds surprisingly, but a team of theoretical and experimental physicists developed and realized such a method. It is based on fast motions, precisely synchronized with the pulses, of a target interacting with the x-ray light. Thereby, photons are redistributed within the x-ray pulse to the desired spectral region.

A team of theoretical physicists from the MPI for Nuclear Physics (MPIK) in Heidelberg has developed a novel method to intensify the spectrally broad x-ray...

Im Focus: Physiker designen ultrascharfe Pulse

Quantenphysiker um Oriol Romero-Isart haben einen einfachen Aufbau entworfen, mit dem theoretisch beliebig stark fokussierte elektromagnetische Felder erzeugt werden können. Anwendung finden könnte das neue Verfahren zum Beispiel in der Mikroskopie oder für besonders empfindliche Sensoren.

Mikrowellen, Wärmestrahlung, Licht und Röntgenstrahlung sind Beispiele für elektromagnetische Wellen. Für viele Anwendungen ist es notwendig, diese Strahlung...

Im Focus: Physicists Design Ultrafocused Pulses

Physicists working with researcher Oriol Romero-Isart devised a new simple scheme to theoretically generate arbitrarily short and focused electromagnetic fields. This new tool could be used for precise sensing and in microscopy.

Microwaves, heat radiation, light and X-radiation are examples for electromagnetic waves. Many applications require to focus the electromagnetic fields to...

Im Focus: Navigationssystem der Hirnzellen entschlüsselt

Das menschliche Gehirn besteht aus etwa hundert Milliarden Nervenzellen. Informationen zwischen ihnen werden über ein komplexes Netzwerk aus Nervenfasern übermittelt. Verdrahtet werden die meisten dieser Verbindungen vor der Geburt nach einem genetischen Bauplan, also ohne dass äußere Einflüsse eine Rolle spielen. Mehr darüber, wie das Navigationssystem funktioniert, das die Axone beim Wachstum leitet, haben jetzt Forscher des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) herausgefunden. Das berichten sie im Fachmagazin eLife.

Die Gesamtlänge des Nervenfasernetzes im Gehirn beträgt etwa 500.000 Kilometer, mehr als die Entfernung zwischen Erde und Mond. Damit es beim Verdrahten der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Internationaler Ferienkurs mit rund 600 Teilnehmern aus aller Welt

28.07.2017 | Veranstaltungen

10. Uelzener Forum: Demografischer Wandel und Digitalisierung

26.07.2017 | Veranstaltungen

Clash of Realities 2017: Anmeldung jetzt möglich. Internationale Konferenz an der TH Köln

26.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Firmen räumen bei der IT, Mobilgeräten und Firmen-Hardware am liebsten in der Urlaubsphase auf

28.07.2017 | Unternehmensmeldung

Dunkel war’s, der Mond schien helle: Nachthimmel oft heller als gedacht

28.07.2017 | Geowissenschaften

8,2 Millionen Euro für den Kampf gegen Leukämie

28.07.2017 | Förderungen Preise