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Exotische Krabbe erobert Großbritannien

08.02.2006


Chinesische Krustentiere verdrängen heimische Arten




Chinesische Wollhandkrabben erobern zunehmend britische Flüsse und Feuchtbiotope. Der Schaden, den sie dort anrichten, ist groß, denn die gierigen Tiere fressen alles, was kleiner ist als sie. Die exotischen Bioinvasoren leben sowohl im Süß- als auch im Salzwasser, berichten die Forscher um Matt Bentley von der University Newcastle im Fachmagazin "Biological Invasions"



Die Wollhandkrabben (Eriocheir sinensis) sind in Ballastwassertanks von Schiffen wahrscheinlich im Larvenstadium erstmals nach Europa gekommen. Nun haben die Tiere in ihrer neuen Heimat optimale Lebensbedingungen vorgefunden. Nach Angaben der Wissenschaftler sind sie bereits in den Flüssen Tyne, Themse und Humber bereits gesichtet worden. Auch in der Nordsee und an der Kanalküste wurden sie entdeckt. Die Wissenschaftler warnen davor, dass die Krustentiere, die wegen ihrer pelzartigen Auswüchse an den Klauen, Wollhandkrabben genannt werden, bald schon in allen Regionen der britischen Insel anzutreffen sein könnten.

Gefahr droht vor allem heimischen Arten, berichten die Forscher. Die Krabben fressen die lokal heimischen Flusskrebse, ernähren sich von Lachseiern und destabilisieren mit ihren bis zu 50 Zentimeter tiefen Erdlöchern die Flussufer. "Wir beobachten in Großbritannien seit dem 1970ern die gleichen Ausbreitungsmuster wie in Mitteleuropa und im Baltikum", so Bentley. Das sei in so ferne gut, als man auf den britischen Inseln auf die Invasion vorbereitet sei. "Allerdings müssen wir rasch handeln, und den Tieren Fallen stellen um sie so an der weiteren Verbreitung zu hindern", erklärt der Experte.

In China gelten die Wollhandkrabben als besondere Delikatesse und werden dort in der Aquakultur gezüchtet. Im Jahr 1999 waren es 190.000 Tonnen, die ausschließlich zum Verzehr gezogen wurden. Die Jungtiere der Wollhandkrabbe wandern ins Süßwasser. Die ausgewachsenen, geschlechtsreifen Tiere wandern im Alter von etwa fünf Jahren ins Meer zurück, um sich fortzupflanzen. Zur Ei- und Larvenentwicklung muss das Wasser einen Salzgehalt von mindestens 15 Promille aufweisen. Die Tiere sind überwiegend nachtaktiv. Auch in Deutschland verursachen große Mengen der ostasiatischen Wollhandkrabben periodisch erhebliche Schäden.

Wolfgang Weitlaner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.ncl.ac.uk

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