Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Freiburger Wissenschaftler entdecken molekularen Schalter von Entzündungsreaktionen

07.02.2006


Veröffentlichung in Nature Medicine



Das Gebiet der Angiogeneseforschung gehört seit 1990 zu den am schnellsten wachsenden Disziplinen der biomedizinischen Grundlagenforschung. Das ungestörte Wachstum von Blutgefäßen ist Voraussetzung für die Embryonalentwicklung; im Erwachsenen wird es essentiell mit dem Wachstum von Tumoren assoziiert. In jüngster Zeit zeigt sich zunehmend, dass die gleichen Moleküle, die im Embryo und in Tumoren das Wachstum von Blutgefäßen steuern, im erwachsenen Organismus wichtige Funktionen bei der Aufrechterhaltung der normalen Gefäßfunktion wahrnehmen. Wissenschaftler der Klinik für Tumorbiologie in Freiburg haben jetzt in Zusammenarbeit mit mehreren Arbeitsgruppen in Deutschland und in den USA das Molekül Angiopoietin-2 als einen wichtigen, von den Zellen der Blutgefäßwand selbst gebildeten molekularen Schalter identifiziert, der die Reaktionsfähigkeit von Blutgefäßen auf äußere Reize, wie beispielsweise entzündliche Reaktionen, kontrolliert.



Angiopoietin-2 (Ang-2) gehört zur Familie der Angiopoietin Wachstumsfaktoren. Angiopoietin-1 (Ang-1) bindet an den Rezeptor Tie-2 auf der Oberfläche von Gefä߬wandzellen (Endothelzellen). Die Aktivierung von Tie-2 durch Ang-1 ist für die dauer¬hafte Stabilisierung von Blutgefäßen erforderlich. Angiopoietin-2 (Ang-2) ist der funktionelle Antagonist der Ang-1/Tie-2 Wechselwirkung. Die Bindung von Ang-2 an den Rezeptor Tie-2 führt zur Destabilisierung von Blutgefäßen, wodurch diese empfänglich für äußere Reize werden. Vor zwei Jahren hatten die Wissenschaftler der Klinik für Tumorbiologie um Dr. Ulrike Fiedler beobachtet, dass der Inhibitor der dauerhaften Ang-1/Tie-2-vermittelten Gefäßstabilisierung, Ang-2, von Endothelzellen selbst gebildet und in diesen gespeichert wird. Diese Speicherung von Ang-2 in Endothelzellen legte die Vermutung nahe, dass gespeichertes Ang-2 in der Lage ist, nach Freisetzung schnelle Anpassungsreaktionen des Blutgefäßsystems zu steuern.

Dieser Hypothese sind die Forscher in einer wissenschaftlichen Arbeit nachgegangen, die jetzt in dem biomedizinischen Fachjournal Nature Medicine publiziert wird: Sie konnten zeigen, dass Mäuse, denen das Ang-2 Gen fehlt, keine schnellen entzündlichen Reaktionen initiieren können. Dabei sind die Zellen der Gefäßwand nicht in der Lage, auf einen Entzündungsreiz das Repertoire an Adhäsionsmolekülen auf ihrer Oberfläche zu präsentieren, das zum Andocken von Entzündungszellen erforderlich ist. Die Bedeutung dieser Entdeckung liegt damit vor allem in der Erkenntnis, dass Ang-2 in der Hierarchie der Entzündungskaskade hoch angesiedelt ist und einen molekularen Schalter der Gefäßwand darstellt, mit dem die Zellen der Gefäßwand ihre Reaktionsfähigkeit auf äußere Reize steuern. Die Ergebnisse der Untersuchungen haben erhebliche Bedeutung für eine ganze Reihe von Erkrankungen, die mit entzündlichen Reaktionen der Gefäßwand einhergehen. Darüber hinausgehend vermuten die Wissenschaftler eine Beteiligung von Ang-2 bei anderen krankhaften Gefäßveränderungen wie Blutgerinnung, Arteriosklerose und der mit dem Wachstum von Tumoren einhergehenden Blutgefäßbildung. Ebenso wie die Erforschung von Angiopoietin-2 als möglichen therapeutischen Angriffspunkt für verschiedene Erkrankungen sind diese Arbeitshypothesen Gegenstand laufender weiterführender Untersuchungen.

Die Forschungsarbeiten finden im Rahmen des von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten SFB-TR23 "Vascular Differentiation and Remodeling" der Universitäten Franfurt, Heidelberg und Freiburg (transregio23.de) sowie des SFB "Angiogenese" des österreichischen Wissenschaftsfonds FWF (fwf.ac.at) statt.

Referenz:
Ulrike Fiedler, Yvonne Reiss, Marion Scharpfenecker, Verena Grunow, Stefanie Koidl, Gavin Thurston, Nicolas W. Gale, Martin Witzenrath, Simone Rosseau, Norbert Suttorp, Astrid Sobke, Mathias Herrmann, Klaus T. Preissner, Peter Vajkoczy P, Hellmut G. Augustin: Angiopoietin-2 sensitizes endothelial cells to TNF? and has a crucial role in the induction of inflammation. Nature Medicine, im Druck, 2006 (advanced online publication unter: http://www.nature.com/nm/journal/vaop/ncurrent/index.html)

Kontakt:
Prof. Dr. Hellmut Augustin
Abt. für Vaskuläre Biologie und Angiogeneseforschung
Klinik für Tumorbiologie
Breisacher Str. 117
79106 Freiburg
Tel: 0761 -206 1501
E-mail: sekretariat@angiogenese.de

Barbara Riess | idw
Weitere Informationen:
http://www.tumorbio.uni-freiburg.de
http://www.nature.com/nm/journal/vaop/ncurrent/index.html
http://www.angiolab.de

Weitere Berichte zu: Ang-2 Angiopoietin-2 Blutgefäße Gefäßwand Schalter

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Pflanzen gegen Staunässe schützen
17.10.2017 | Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

nachricht Erweiterung des Lichtwegs macht winzige Strukturen in Körperzellen sichtbar
17.10.2017 | Georg-August-Universität Göttingen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Im Focus: Neutron star merger directly observed for the first time

University of Maryland researchers contribute to historic detection of gravitational waves and light created by event

On August 17, 2017, at 12:41:04 UTC, scientists made the first direct observation of a merger between two neutron stars--the dense, collapsed cores that remain...

Im Focus: Breaking: the first light from two neutron stars merging

Seven new papers describe the first-ever detection of light from a gravitational wave source. The event, caused by two neutron stars colliding and merging together, was dubbed GW170817 because it sent ripples through space-time that reached Earth on 2017 August 17. Around the world, hundreds of excited astronomers mobilized quickly and were able to observe the event using numerous telescopes, providing a wealth of new data.

Previous detections of gravitational waves have all involved the merger of two black holes, a feat that won the 2017 Nobel Prize in Physics earlier this month....

Im Focus: Topologische Isolatoren: Neuer Phasenübergang entdeckt

Physiker des HZB haben an BESSY II Materialien untersucht, die zu den topologischen Isolatoren gehören. Dabei entdeckten sie einen neuen Phasenübergang zwischen zwei unterschiedlichen topologischen Phasen. Eine dieser Phasen ist ferroelektrisch: das bedeutet, dass sich im Material spontan eine elektrische Polarisation ausbildet, die sich durch ein äußeres elektrisches Feld umschalten lässt. Dieses Ergebnis könnte neue Anwendungen wie das Schalten zwischen unterschiedlichen Leitfähigkeiten ermöglichen.

Topologische Isolatoren zeichnen sich dadurch aus, dass sie an ihren Oberflächen Strom sehr gut leiten, während sie im Innern Isolatoren sind. Zu dieser neuen...

Im Focus: Smarte Sensoren für effiziente Prozesse

Materialfehler im Endprodukt können in vielen Industriebereichen zu frühzeitigem Versagen führen und den sicheren Gebrauch der Erzeugnisse massiv beeinträchtigen. Eine Schlüsselrolle im Rahmen der Qualitätssicherung kommt daher intelligenten, zerstörungsfreien Sensorsystemen zu, die es erlauben, Bauteile schnell und kostengünstig zu prüfen, ohne das Material selbst zu beschädigen oder die Oberfläche zu verändern. Experten des Fraunhofer IZFP in Saarbrücken präsentieren vom 7. bis 10. November 2017 auf der Blechexpo in Stuttgart zwei Exponate, die eine schnelle, zuverlässige und automatisierte Materialcharakterisierung und Fehlerbestimmung ermöglichen (Halle 5, Stand 5306).

Bei Verwendung zeitaufwändiger zerstörender Prüfverfahren zieht die Qualitätsprüfung durch die Beschädigung oder Zerstörung der Produkte enorme Kosten nach...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Dezember 2017

17.10.2017 | Veranstaltungen

Intelligente Messmethoden für die Bauwerkssicherheit: Fachtagung „Messen im Bauwesen“ am 14.11.2017

17.10.2017 | Veranstaltungen

Meeresbiologe Mark E. Hay zu Gast bei den "Noblen Gesprächen" am Beutenberg Campus in Jena

16.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

17.10.2017 | Informationstechnologie

Pflanzen gegen Staunässe schützen

17.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Den Trends der Umweltbranche auf der Spur

17.10.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz