Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Artenreichtum nährt Korallenriffe

19.10.2001


Die Endoskop-Kamera "CaveCam" im Einsatz
Foto: Mark Wunsch / ZMT


Vor allem Schwämme besiedeln das Innere von Korallenriffen
Foto: Mark Wunsch / ZMT


Deutsch-jordanisches Forscherteam entdeckt völlig neue Lebensgemeinschaften im Innern von Korallenriffen / Symbiotisches Miteinander sichert Überleben


Korallenriffe gelten heute neben den tropischen Regenwäldern sowohl als artenreichste als auch am stärksten bedrohte Lebensräume der Erde. Mit Hilfe eines neuentwickelten Unterwasser-Endoskops ist es einem deutsch-jordanischem Meeresforscherteam gelungen, erstmals Bilder aus dem Inneren von Korallenriffen zu gewinnen. Die Wissenschaftler vom Zentrum für Marine Tropenökologie (ZMT) an der Universität Bremen, vom Max-Planck-Institut für marine Mikrobiologie und von der Marine Science Station der University of Jordan untersuchten das dichte Labyrinth von Gängen und Höhlen im Innern der Riffe und entdeckten an deren Wänden eine Vielzahl von Lebewesen, insbesondere Schwämme. Diese Symbionten führen dem Korallenriff zusätzlich Nahrung zu und ermöglichen ihm so, unter der extremen Nährstoffarmut tropischer Meere zu existieren (nature, 18. Oktober 2001). Die Schwämme stehen am Ende der riffinternen Nähstoffskette und haben daher eine wichtige Indikatorfunktion für den Gesundheitszustand der Korallenriffe.

Korallenriffe sind hochkomplizierte Ökosysteme, die in tropischen und subtropischen Meeren weit verbreitet sind. Die Korallenriffe gelten - neben den tropischen Regenwäldern - als artenreichster Lebensraum der Erde: Schätzungen ihrer Artenvielfalt reichen von 600.000 bis zu mehr als 9 Millionen Arten weltweit. Sie gehören zu den am stärksten bedrohten Ökosystemen. Doch bevor Konzepte für ihren Schutz entwickelt werden können, müssen die funktionalen Zusammenhänge verstanden werden, die das artenreiche und produktive Nebeneinander verschiedener Lebensformen in diesem Ökosystem überhaupt ermöglichen.


Ein interdisziplinäres Forscherteam um Claudio Richter und Mark Wunsch vom Zentrum für Marine Tropenökologie erforschte im Golf von Akaba am Roten Meer gemeinsam mit Wissenschaftlern von der jordanischen Marine Science Station der University of Jordan sowie vom Max-Planck-Institut für marine Mikrobiologie verschiedene Korallenriffe. Dieses Projekt ist Teil des arabisch-israelisch-deutschen "Red Sea Programme", das Wissenschaftlern Zugang zu verschiedenen Riffs in Ägypten, Israel und Jordanien ermöglichte.

Mit einem technischen Trick gelangen den Forschern erstmals tiefe Einblicke in das Innere der Riffs. Mit neu entwickelten endoskopischen Methoden konnten sie bis zu vier Meter in das Karbonatgestein hineinblicken und entdeckten dort ein dichtes Labyrinth von Gängen und Höhlen. Diese Gänge führen dazu, dass die Riffe im Innern über eine bis zu siebenfach größere Oberfläche verfügen als auf ihrer "Außenhaut". Die Wände der Korallengänge sind dicht bewachsen - vor allem mit Schwämmen. Diese filtern kleinste Nahrungspartikel aus dem durchströmenden Wasser. "Die Schwämme in den Höhlen führen dem Korallenriff seine Nahrung zu, indem sie dabei ähnlich wie die Darmzotten im menschlichen Verdauungssystem funktionieren", erklärt Claudio Richter. Die auf diese Weise gewonnenen Phosphor- und Stickstoffverbindungen bilden nach Berechnungen des deutsch-jordanischen Teams aus Ökologen, Chemikern und Mikrobiologen eine lebenswichtige Quelle an Mineralien für die ansonsten in notorischer Nährstoffknappheit lebenden Korallen.

Diese Forschungsergebnisse dürften zur Lösung eines bereits von Charles Darwin 1842 beschriebene Paradoxons beitragen: Wie gelingt es Korallenriffs, unter der extremen Nährstoffarmut tropischer Meere - wie eine "Oase in der Wüste" - zu existieren? Die von den Wissenschaftlern verwendeten endoskopischen Methoden liefern darüber hinaus Informationen, inwieweit das untersuchte Riff noch lebensfähig ist. Den in den Riffs wachsenden verschiedenen Schwämmen kommt dabei eine "Bio-Indikator-Funktion" zu. In einem neuen Projekt wollen die Wissenschaftler vom Zentrum für Marine Tropenökologie und vom Max-Planck-Institut für marine Mikrobiologie deshalb gemeinsam untersuchen, wie der Stoffaustausch zwischen den verschiedenen Organismen erfolgt und welche Nährstoffketten in den Korallenriffs bestehen.


Weitere Informationen erhalten Sie von:

Dr. Claudio Richter
Tel.: 04 21 / 23 800 - 25
E-Mail: claudio.richter@zmt.uni-bremen.de

Dr. Mark Wunsch
Tel.: 04 21 / 23 800 - 45
E-Mail: mark.wunsch@zmt.uni-bremen.de

Mohammed Rasheed
Max-Planck-Institut für marine Mikrobiologie
Tel.: 04 21 / 20 28 - 644
Fax: 04 21 / 20 28 - 614
E-Mail: mrasheed@mpi-bremen.de



| MPG
Weitere Informationen:
http://www.mpg.de/pri01/pri0161_72dpi.pdf
http://www.mpg.de/pri01/pri0161_300dpi.pdf

Weitere Berichte zu: Höhle Korallenriff Marine Mikrobiologie Riff Schwämme Tropenökologie Ökosystem

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Zirkuläre RNA wird in Proteine übersetzt
24.03.2017 | Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft

nachricht Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen
24.03.2017 | Universität Bayreuth

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise