Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Organometallverbindungen als mögliche Wirkstoffe gegen Krebs

06.02.2006


Auf der Suche nach neuen Wirkstoffen gegen Krebs


Biologische Funktion von Organometallverbindungen
Neue Forschergruppe an der Ruhr-Universität

... mehr zu:
»DFG »Organometallverbindungen »RUB


Krebserkrankungen sind die zweithäufigste Todesursache in den entwickelten Ländern. Spektakuläre Fortschritte im Kampf gegen den Krebs werden in der Regel nur dann erzielt, wenn völlig neue Wirkmechanismen identifiziert werden können, mit denen Krebszellen gezielt getötet werden, möglichst ohne dass gesunde Nachbarzellen in Mitleidenschaft gezogen werden. Einen neuen Ansatz bei der Suche nach solchen Substanzen verfolgt die von der DFG finanzierte Forschergruppe 630 "Biologische Funktioin von Organometallverbindungen" (Sprecher: Prof. Dr. Nils Metzler-Nolte, Lehrstuhl für Anorganische Chemie I der RUB). Sieben Gruppen an fünf Standorten, davon drei in Bochum, untersuchen neuartige metallhaltige Verbindungen auf ihre wachstumshemmenden Eigenschaften. Die Forschergruppe wird zunächst für drei Jahre mit 1,8 Mio. Euro gefördert.

Neuartige Metallverbindungen für biologische Untersuchungen

Die untersuchten Verbindungen zeichnen sich dadurch aus, dass sie eine direkte Bindung zwischen dem Metall (z. B. Eisen, Kobalt oder Ruthenium) und mindestens einem Kohlenstoffatom besitzen; sie werden deshalb als "Organometallverbindungen" klassifiziert. "Viele Chemiker würden diese Art Verbindung wahrscheinlich als ungeeignet für biologische Untersuchungen ansehen, weil sie gemeinhin als sehr reaktiv und instabil gegen Luft und Wasser gelten", erklärt Prof. Metzler-Nolte. Vorarbeiten von Mitgliedern der Forschergruppe zeigen aber, dass diese Annahme voreilig ist: Organometallverbindungen könnten im Gegenteil hochinteressante neue Wirkstoffklassen darstellen. Den Mitgliedern der neuen Forschergruppe geht es dabei vor allem um die Entdeckung und genaue Aufklärung neuer Mechanismen der Krebsbekämpfung, die in der Zukunft zu neuen Medikamenten führen könnten.

Methodische Vielfalt

An dem interdisziplinären Forschungsvorhaben arbeiten Gruppen aus Analytik, Bioanalytik, Biochemie, Organischer Chemie, Anorganischer Chemie und Pharmazeutische Chemie zusammen. Die insgesamt sieben Gruppen arbeiten an fünf verschiedenen Orten in Deutschland, mit einem Schwerpunkt an der RUB (drei Teilprojekte). Andere beteiligte Universitäten sind Berlin, Heidelberg, Köln und Leipzig mit je einem Teilprojekt. Über den engeren Kern der sieben von der DFG direkt geförderten Gruppen hinaus bestehen bereits weitere Kooperationen, z. B. mit Pharmakologen und klinischen Gruppen, die durch die Förderung der DFG in das Gesamtprojekt eingebunden werden sollen.

Nachwuchsförderung und -austausch

"Die Bioorganometallchemie ist ein junges, interdisziplinäres Forschungsgebiet mit großem Potential. Die DFG-Förderung für die Forschergruppe 630 wird eine Signalwirkung haben und weitere Initiativen, beispielsweise im europäischen Forschungsraum, voranbringen", freut sich Prof. Metzler-Nolte über die Bewilligung. Diesem Zweck wird auch eine Tagung zum Thema "Bioorganometallchemie" im Sommer 2006 in Mailand dienen, deren Scientific Advisory Board Prof. Metzler-Nolte angehört.

Junges, interdisziplinäres Forschungsgebiet

Besonderes Anliegen der Forschergruppe ist die Nachwuchsförderung. So sind drei Nachwuchsgruppenleiter (Mit-)Antragsteller der Forschergruppe, alle bewilligten Stellen sind für Doktoranden vorgesehen. Auch auf den Austausch der Nachwuchsforscher legen die Mitglieder der Gruppe besonderen Wert. Deshalb sind neben regelmäßigen Tagungen und Symposien der Forschergruppe im Rahmen der Zusammenarbeiten mehrmonatige Forschungszeiten in einer anderen Gruppe geplant. "Auf diese Weise könnte zum Beispiel ein Chemiker neue analytische Methoden oder zellbiologische Techniken erlernen", erläutert Prof. Metzler-Nolte. Eine solche Interdisziplinarität zeichne viele innovative Forschungsansätze aus und werde von Arbeitgebern in der Industrie immer mehr gefordert. "Die Forschergruppe 630 stellt eine wichtige Initiative an der Schnittfläche zwischen Chemie, Biologie und Biomedizin dar", so Prof. Metzler-Nolte.

Prof. Metzler-Nolte bringt "Mitgift" nach Bochum

Prof. Metzler-Nolte bringt die Forschergruppe aus Heidelberg mit nach Bochum: Während der Antrag von der DFG bearbeitet wurde, nahm er einen Ruf auf den Lehrstuhl Anorganische Chemie der RUB an. Zuvor arbeitete der 38-Jährige seit 2000 an der Universität Heidelberg und war maßgeblich am Umbau des Instituts für Pharmazie und Molekulare Biotechnologie in ein interdisziplinäres Zentrum für Wirkstoffforschung mit den Studiengängen Pharmazie und Molekulare Biotechnologie beteiligt. Metzler-Nolte, der in Hamburg geboren wurde und dort sein Studium begann, ging als Student nach Freiburg und München, wo er 1994 promoviert wurde. Nach einem Postdoc-Aufenthalt in Oxford war er ab 1996 Nachwuchsgruppenleiter am Max-Planck-Institut für Strahlenchemie in Mülheim/Ruhr (heute: MPI für Bioanorganische Chemie). Er hielt regelmäßig Vorlesungen und Seminare an der RUB und habilitierte sich hier 2000 für das Fach Anorganische Chemie. Der Gewinner mehrerer Stipendien und Preise war im Sommer 2002 Gastprofessor an der Universität Mailand, ist Vertrauensdozent der Friedrich-Ebert-Stiftung und Mitglied im Auswahlausschuss der Stiftung. Nils Metzler-Nolte ist verheiratet und hat drei Kinder.

Weitere Informationen

Prof. Dr. Nils Metzler-Nolte, Lehrstuhl für Anorganische Chemie I der Ruhr-Universität Bochum, 44780 Bochum, Tel.: 0234 32-24153, Fax: 0234 32-14378, E-Mail: ac1@rub.de

Dr. Josef König | idw
Weitere Informationen:
http://www.rub.de/ac1
http://www.rub.de/for630
http://www.isbomc06.unimi.it

Weitere Berichte zu: DFG Organometallverbindungen RUB

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Zirkuläre RNA wird in Proteine übersetzt
24.03.2017 | Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft

nachricht Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen
24.03.2017 | Universität Bayreuth

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise