Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Trinkwasserbakterium ernährt sich von Treibhausgas

03.02.2006


Neue Methoden zur Untersuchung von Bakterien


Der Brunnenfaden besitzt ein bislang unerforschtes Protein (C) PNAS



Wissenschaftlern der Uni Wien ist es in Zusammenarbeit mit Forschern aus Deutschland und Dänemark gelungen, ein seit 135 Jahren gefürchtetes Trinkwasserbakterium, den so genannten "Brunnenfaden" Crenothrix polyspora, zu erforschen. Dabei kamen sie zu einem erstaunlichen Befund: Die lebensnotwendige Energie und den Kohlenstoff für seine Zellsubstanz bezieht der Brunnenfaden aus dem Treibhausgas Methan. Dazu verwendet er ein äußerst ungewöhnliches Protein. "Nur wenige der bisher bekannten Mikroorganismen verwerten Methan und sie benutzen dazu auch einen ganz anderen Enzymtyp ", erklärt Michael Wagner, Leiter der Studie, im Gespräch mit pressetext. Das Protein des Brunnenfadens komme in dieser Form bei keinem anderen bekannten Lebewesen vor, so der Wissenschaftler.



Die Ergebnisse der Forscher lassen völlig neuartige Einblicke in die Evolution und Biochemie von Methan verwertenden Bakterien zu. "Die Methanoxidation ist weitaus komplexer als bisher angenommen", erklärt Wagner. "Nun wollen wir mehr über das Protein des Crenothrix polyspora herausfinden." Ob der Brunnenfaden in Zukunft dazu beitragen kann, die Konzentration von Methan in der Erdatmosphäre zu verringern, muss sich erst noch zeigen. In ferner Zukunft könne Crenothrix polyspora vielleicht sogar im Kampf gegen die globale Erwärmung eingesetzt werden, meint Wagner. "Allerdings sind solche Durchbrüche in der Forschung nicht vorhersehbar", so der Wiener Forscher. Nächstes Ziel der Wissenschaftler ist es, das Genom des Bakteriums zu entschlüsseln.

Der Brunnenfaden wurde bereits 1870 von Ferdinand Cohn, dem Begründer der modernen Bakteriologie, entdeckt. Das Bakterium lebt ausschließlich im Trinkwasser, ist aber für den Menschen unschädlich. Kommt es in großen Mengen vor, bilden sich Verklumpungen im Wasser. Historisch belegt sind solche Fälle in Berlin und Rotterdam. Seit seiner Entdeckung versuchen Forscher, dem Geheimnis des Brunnenfadens auf die Spur zu kommen. "Da man das Bakterium nicht im Labor züchten kann, war es bisher unmöglich, es genauer zu untersuchen," berichtet Michael Wagner. Seinem Forscher-Team sei es nun gelungen, Methodensätze zur Erforschung von Bakterien zu entwickeln, die es überflüssig machen, die Mikroorganismen zu vermehren. "Wir haben an jedes Bakterium drei Fragen", erzählt Wagner. "Wie heißt du? Was machst du? Und wie sieht dein Genom aus?" Beim Brunnenfaden haben die Wissenschaftler die wesentlichen Antworten bereits gefunden. Da die Mehrheit der bisher bekannten Bakterien nicht im Labor angezüchtet werden können, warten jedoch noch etliche weitere Mikroorganismen darauf, Wagner und seinen Kollegen Rede und Antwort zu stehen.

Verena Töpper | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.univie.ac.at

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Ein Filter für schweren Wasserstoff
28.02.2017 | Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme, Standort Stuttgart, Stuttgart

nachricht Wie Medikamente als Virus getarnt gegen Krebs wirken können
28.02.2017 | Australisch-Neuseeländischer Hochschulverbund / Institut Ranke-Heinemann

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Mit Künstlicher Intelligenz das Gehirn verstehen

Wie entsteht Bewusstsein? Die Antwort auf diese Frage, so vermuten Forscher, steckt in den Verbindungen zwischen den Nervenzellen. Leider ist jedoch kaum etwas über den Schaltplan des Gehirns bekannt.

Wie entsteht Bewusstsein? Die Antwort auf diese Frage, so vermuten Forscher, steckt in den Verbindungen zwischen den Nervenzellen. Leider ist jedoch kaum etwas...

Im Focus: Wie Proteine Zellmembranen verformen

Zellen schnüren regelmäßig kleine Bläschen von ihrer Außenhaut ab und nehmen sie in ihr Inneres auf. Daran sind die EHD-Proteine beteiligt, die Professor Oliver Daumke vom MDC erforscht. Er und sein Team haben nun aufgeklärt, wie sich diese Proteine auf der Oberfläche von Zellen zusammenlagern und dadurch deren Außenhaut verformen.

Zellen schnüren regelmäßig kleine Bläschen von ihrer Außenhaut ab und nehmen sie in ihr Inneres auf. Daran sind die EHD-Proteine beteiligt, die Professor...

Im Focus: Safe glide at total engine failure with ELA-inside

On January 15, 2009, Chesley B. Sullenberger was celebrated world-wide: after the two engines had failed due to bird strike, he and his flight crew succeeded after a glide flight with an Airbus A320 in ditching on the Hudson River. All 155 people on board were saved.

On January 15, 2009, Chesley B. Sullenberger was celebrated world-wide: after the two engines had failed due to bird strike, he and his flight crew succeeded...

Im Focus: „Vernetzte Autonome Systeme“ von acatech und DFKI auf der CeBIT

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kooperation mit der Deutschen Messe AG vernetzte Autonome Systeme. In Halle 12 am Stand B 63 erwarten die Besucherinnen und Besucher unter anderem Roboter, die Hand in Hand mit Menschen zusammenarbeiten oder die selbstständig gefährliche Umgebungen erkunden.

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für...

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Nebennierentumoren: Radioaktiv markierte Substanzen vermeiden unnötige Operationen

28.02.2017 | Veranstaltungen

350 Onlineforscher_innen treffen sich zur Fachkonferenz General Online Research an der HTW Berlin

28.02.2017 | Veranstaltungen

23. VDMA-Arbeitsberatung „Engineering und Konstruktion“ am 2. März 2017 an der TH Wildau

28.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Das Partnerprogramm von Stellar Datenrettung

28.02.2017 | Unternehmensmeldung

Ein Filter für schweren Wasserstoff

28.02.2017 | Biowissenschaften Chemie

Auf den Spuren der Entstehung von Kondensationstropfen

28.02.2017 | Physik Astronomie