Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Schneealgenforschung auf dem siebten Kontinent

31.01.2006


Nach mehreren Expeditionen nach Spitzbergen in der arktischen Polarregion führt das Fraunhofer-Institut für Biomedizinische Technik dieses Jahr erste Studien in der Antarktis durch. Ziel ist das der Antarktischen Halbinsel vorgelagerte King George Island. Dr. Thomas Leya, Leiter der Arbeitsgruppe "Extremophilenfoschung" des Fraunhofer IBMT, wird begleitet von dem Biologen Daniel Remias aus der Arbeitsgruppe von Professor Cornelius Lütz, Botanisches Institut der Universität Innsbruck. Beide Wissenschaftler halten sich vom 25. Januar bis Ende Februar 2006 im deutschen Dallmann Labor an der argentinischen Jubany Station auf und werden verschiedene Untersuchungen zur Adaption von Algen und höheren Pflanzen an Kälte, Trockenheit und Strahlungsstress durchführen. Logistisch wird die Expedition vom Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven koordiniert.


Die Kernaufgabe des Aufenthalts wird die Sammlung und Isolation weiterer psychrophiler (= kälteliebender) Algen von den antaktischen Schnee- und Gletscherfeldern zur Erweiterung der seit 1999 am Fraunhofer IBMT installierten Lebendkultursammlung (CCCryo) sein. Diese besondere Gruppe von Mikroalgen zeichnet sich durch ihre ideale Anpassung an niedrige Temperaturen aus - ab Temperaturen über +10 °C sterben diese Algen ab. Daraus ergeben sich aufschlussreiche molekulare und physiologische Aspekte, die anhand der isolierten Algenstämme im Berliner Labor untersucht werden sollen. Bisher konnte gezeigt werden, dass bei bestimmten Enzymen dieser psychrophilen arktischen Algen die maximale Enzymaktivität bei deutlich niedrigeren Temperaturen liegt als bei mesophilen (nicht kälteangepassten) Algen. Das lässt hoffen, in Zukunft auch solche kälteaktive Enzyme zu finden, die biotechnologisch für den Menschen nutzbar sind, um z. B. industrielle Prozesse energiesparender durchführen zu können.

Eine weitere Charakteristik einiger Schneealgen ist die Produktion von Carotinoiden, wie Astaxanthin und anderer Stoffwechselprodukte, z. B. Vitamin E (alpha-Tocopherol), die als Radikalfänger eingesetzt werden können. Während der Expedition werden speziell auch solche Algen isoliert, um diese ggf. später in Großphotobioreaktoren in Massen zu produzieren. Dadurch könnten aus natürlichen Quellen gezielt Substanzen für den humanmedizinischen Bereich, aber auch zur Verwendung als Futtermittelzusätze in der Fisch- und Geflügelzucht hergestellt werden.


Die vielfach nutzbaren Eigenschaften der psychrophilen Algen versprechen neue Ansätze im Bereich der "weißen Biotechnologie", ein spezieller Schwerpunkt der Fraunhofer-Gesellschaft im Programm der "Perspektiven für Zukunftsmärkte".

Um die für Europa einzigartige Lebendkultursammlung als Bioressource für die Zukunft zu sichern, wird sie zur Zeit in eine Tieftemperaturlagerung in flüssigem Stickstoff (Kryokonservierung) überführt. Dies geschieht am Berliner Institutsteil des Fraunhofer IBMT und in der Kryobank "eurocryoSaar" am Standort Sulzbach im Saarland. Mit den während der Forschungsexpedition gewonnenen Proben hofft Dr. Leya die vorhandene Sammlung um die eisige Flora der Antarktis zu ergänzen und mit den alpinen und arktischen Exemplaren zu vergleichen.

Ihr Ansprechpartner:
Dr. Thomas Leya / Dr. Stephanie Schwarz
Telefon 030/2093-8634
Email: thomas.leya@ibmt.fraunhofer.de
Email: stephanie.schwarz@ibmt.fraunhofer.de

Dr. Stephanie Schwarz | idw
Weitere Informationen:
http://www.ibmt.fraunhofer.de/ibmt3zb_extremophilen_forschung.html
http://www.ibmt.fraunhofer.de

Weitere Berichte zu: Alge Expedition Labor Schneealgenforschung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Salmonellen als Medikament gegen Tumore
23.10.2017 | Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung

nachricht Add-ons: Was Computerprogramme und Proteine gemeinsam haben
23.10.2017 | Universität Regensburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Salmonellen als Medikament gegen Tumore

HZI-Forscher entwickeln Bakterienstamm, der in der Krebstherapie eingesetzt werden kann

Salmonellen sind gefährliche Krankheitserreger, die über verdorbene Lebensmittel in den Körper gelangen und schwere Infektionen verursachen können. Jedoch ist...

Im Focus: Salmonella as a tumour medication

HZI researchers developed a bacterial strain that can be used in cancer therapy

Salmonellae are dangerous pathogens that enter the body via contaminated food and can cause severe infections. But these bacteria are also known to target...

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Konferenz IT-Security Community Xchange (IT-SECX) am 10. November 2017

23.10.2017 | Veranstaltungen

Die Zukunft der Luftfracht

23.10.2017 | Veranstaltungen

Ehrung des Autors Herbert W. Franke mit dem Kurd-Laßwitz-Sonderpreis 2017

23.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Magma sucht sich nach Flankenkollaps neue Wege

23.10.2017 | Geowissenschaften

Neues Sensorsystem sorgt für sichere Ernte

23.10.2017 | Informationstechnologie

Salmonellen als Medikament gegen Tumore

23.10.2017 | Biowissenschaften Chemie