Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Suche nach neuer Therapie mit Mistelwirkstoff

25.01.2006


Kampf dem Leber- und Bauchspeicheldrüsenkrebs



Patienten mit Leber- oder Bauchspeicheldrüsenkrebs haben meist sehr schlechte Heilungschancen, da die Tumoren keine Frühsymptome zeigen und oft zu spät entdeckt werden. Wissenschaftler der Universitätsklinik Münster arbeiten derzeit an einem neuartigen Ansatz zur Behandlung dieser bösartigen Tumoren: Sie untersuchen, bei welchen Tumortypen das Zellgift „Viscumin“ aus der Mistel zur Therapie erfolgversprechend eingesetzt werden kann. Außerdem prüfen die Forscher, ob sie die Tumoren anhand spezifischer Tumormarker früher als bisher aufspüren können. Die Deutsche Krebshilfe fördert das Forschungsprojekt mit 240.000 Euro.

... mehr zu:
»Krebszelle »Leber »Mistel »Rezeptor »Zellgift


Der Wirkstoff Viscumin ist ein Zellgift aus der Mistel (lateinisch Viscum album). Viscumin wirkt zellschädigend, da es den Aufbau lebenswichtiger Eiweißstoffe hemmt, so dass die Zelle abstirbt. Bisher wird das Pflanzengift direkt aus der Mistel gewonnen. Heutzutage wird es auch im Labor als „rViscumin“ in hochreiner Form produziert. „Es ist das erste gentechnisch hergestellte pflanzliche Protein, das jetzt in klinischen Studien erprobt werden kann“, erklärt Professor Dr. Johannes Müthing, Leiter des von der Deutschen Krebshilfe geförderten Forschungsprojekts am Institut für Medizinische Physik und Biophysik der Universitätsklinik Münster. Sein Forscherteam hat unlängst die Zellstrukturen (Rezeptoren) identifiziert, über die das rViscumin an die Krebszellen bindet und anschließend in die Zelle gelangt.

„Tumorzellen können diese Rezeptoren in erhöhter Anzahl tragen“, erklärt Professor Müthing. „Zudem konnte in Laborversuchen gezeigt werden, dass das rViscumin an Krebszellen bindet.“ Die Wissenschaftler gehen daher davon aus, dass Krebszellen im Vergleich zu gesunden Zellen das Mistelgift bevorzugt aufnehmen. Die Arbeitsgruppe von Professor Müthing hat eine erhöhte Rezeptordichte bei Krebszellen des Magen-Darm-Trakts nachgewiesen. „Somit könnte man das pflanzliche Zellgift für eine gezielte Abtötung der Tumoren nutzen“, so der Projektleiter.

Das Team um Professor Müthing untersucht im Rahmen der neuen Studie zunächst bei jeweils 30 Betroffenen mit Tumoren der Leber oder Bauchspeicheldrüse die spezifischen molekularen Strukturen der Krebszellen. Die Wissenschaftler prüfen vor allem, ob die bösartig veränderten Gewebeproben höhere Konzentrationen der rViscumin-bindenden Rezeptoren aufweisen als gesundes Gewebe. „Ein wesentliches Ziel dieser Studie ist es, das Pflanzengift rViscumin ergänzend zur Chemo- und Strahlentherapie individuell bei Patienten mit Leber- beziehungsweise Bauchspeicheldrüsenkrebs einzusetzen, um ihre Heilungschancen zu verbessern“, erklärt Müthing. „Denn für diese Tumoren gibt es gegenüber anderen Krebsarten des Magen-Darm-Traktes noch keine befriedigende Therapiemöglichkeiten.“

Neben der Verbesserung der Behandlung dieser Tumoren wollen die Forscher die identifizierten Rezeptoren auch als Marker zur Diagnostik nutzen: Bei Krebszellen können sich diese Strukturen von der Zellmembran ablösen und sind dann möglicherweise in erhöhter Konzentration im Blut vorhanden. „Durch den frühzeitigen Nachweis dieser verräterischen Strukturen im Blut können Tumoren der Bauchspeicheldrüse und der Leber möglicherweise früher als bisher aufgespürt und somit schneller behandelt werden“, so der Forscher.

| Deutsche Krebshilfe
Weitere Informationen:
http://www.krebshilfe.de

Weitere Berichte zu: Krebszelle Leber Mistel Rezeptor Zellgift

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Regenbogenfarben enthüllen Werdegang von Zellen
25.09.2017 | Technische Universität Dresden

nachricht Wie Reize auf dem Weg ins Bewusstsein versickern
22.09.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: LaserTAB: Effizientere und präzisere Kontakte dank Roboter-Kollaboration

Auf der diesjährigen productronica in München stellt das Fraunhofer-Institut für Lasertechnik ILT das Laser-Based Tape-Automated Bonding, kurz LaserTAB, vor: Die Aachener Experten zeigen, wie sich dank neuer Optik und Roboter-Unterstützung Batteriezellen und Leistungselektronik effizienter und präziser als bisher lasermikroschweißen lassen.

Auf eine geschickte Kombination von Roboter-Einsatz, Laserscanner mit selbstentwickelter neuer Optik und Prozessüberwachung setzt das Fraunhofer ILT aus Aachen.

Im Focus: LaserTAB: More efficient and precise contacts thanks to human-robot collaboration

At the productronica trade fair in Munich this November, the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT will be presenting Laser-Based Tape-Automated Bonding, LaserTAB for short. The experts from Aachen will be demonstrating how new battery cells and power electronics can be micro-welded more efficiently and precisely than ever before thanks to new optics and robot support.

Fraunhofer ILT from Aachen relies on a clever combination of robotics and a laser scanner with new optics as well as process monitoring, which it has developed...

Im Focus: The pyrenoid is a carbon-fixing liquid droplet

Plants and algae use the enzyme Rubisco to fix carbon dioxide, removing it from the atmosphere and converting it into biomass. Algae have figured out a way to increase the efficiency of carbon fixation. They gather most of their Rubisco into a ball-shaped microcompartment called the pyrenoid, which they flood with a high local concentration of carbon dioxide. A team of scientists at Princeton University, the Carnegie Institution for Science, Stanford University and the Max Plank Institute of Biochemistry have unravelled the mysteries of how the pyrenoid is assembled. These insights can help to engineer crops that remove more carbon dioxide from the atmosphere while producing more food.

A warming planet

Im Focus: Hochpräzise Verschaltung in der Hirnrinde

Es ist noch immer weitgehend unbekannt, wie die komplexen neuronalen Netzwerke im Gehirn aufgebaut sind. Insbesondere in der Hirnrinde der Säugetiere, wo Sehen, Denken und Orientierung berechnet werden, sind die Regeln, nach denen die Nervenzellen miteinander verschaltet sind, nur unzureichend erforscht. Wissenschaftler um Moritz Helmstaedter vom Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt am Main und Helene Schmidt vom Bernstein-Zentrum der Humboldt-Universität in Berlin haben nun in dem Teil der Großhirnrinde, der für die räumliche Orientierung zuständig ist, ein überraschend präzises Verschaltungsmuster der Nervenzellen entdeckt.

Wie die Forscher in Nature berichten (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005), haben die...

Im Focus: Highly precise wiring in the Cerebral Cortex

Our brains house extremely complex neuronal circuits, whose detailed structures are still largely unknown. This is especially true for the so-called cerebral cortex of mammals, where among other things vision, thoughts or spatial orientation are being computed. Here the rules by which nerve cells are connected to each other are only partly understood. A team of scientists around Moritz Helmstaedter at the Frankfiurt Max Planck Institute for Brain Research and Helene Schmidt (Humboldt University in Berlin) have now discovered a surprisingly precise nerve cell connectivity pattern in the part of the cerebral cortex that is responsible for orienting the individual animal or human in space.

The researchers report online in Nature (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005) that synapses in...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Posterblitz und neue Planeten

25.09.2017 | Veranstaltungen

Hochschule Karlsruhe richtet internationale Konferenz mit Schwerpunkt Informatik aus

25.09.2017 | Veranstaltungen

Junge Physiologen Tagen in Jena

25.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

LaserTAB: Effizientere und präzisere Kontakte dank Roboter-Kollaboration

25.09.2017 | Messenachrichten

Fraunhofer ISE steigert Weltrekord für multikristalline Siliciumsolarzelle auf 22,3 Prozent

25.09.2017 | Energie und Elektrotechnik

Die Parkinson-Krankheit verstehen – und stoppen: aktuelle Fortschritte

25.09.2017 | Medizin Gesundheit