Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mineralwasser aus PET-Flaschen ist mit Antimon verunreinigt

24.01.2006


Prof. William Shotyk und seine Mitarbeiter am Institut für Umwelt-Geochemie der Universität Heidelberg bestimmten Antimon im Wasser von 15 kanadischen Handelsmarken und 48 Marken aus ganz Europa



In PET-Flaschen abgefülltes Mineralwasser ist mit Antimon (Sb), einem potentiell toxischen Schwermetall, dass keine bekannte physiologische Funktion besitzt, verunreinigt. Antimontrioxid wird als Katalysator bei der Herstellung von PET (Polyethylenterephthalat) eingesetzt. PET enthält typischerweise einige hundert mg/kg Antimon. Als Vergleich: Die meisten Gesteine und Böden der Erdoberfläche enthalten weniger als 1 mg/kg Sb.



Prof. William Shotyk und seine Mitarbeiter am Institut für Umwelt-Geochemie der Universität Heidelberg bestimmten Antimon im Wasser von 15 kanadischen Handelsmarken, das in Flaschen abgefüllt wurde, und 48 Marken aus ganz Europa. Sein Team analysierte Antimon auch in unberührtem, ursprünglichem Grundwasser aus einer ländlichen Gegend Kanadas, in deionisiertem Wasser, in PET-Flaschen abgefülltem Wasser dreier Marken sowie im Wasser einer neuen kanadischen Marke, das kommerziell in Polypropylenflaschen abgefüllt wird.

Aufgrund der niedrigen Antimon-Konzentration in natürlichen, unberührten Grundwässern ist seine Bestimmung eine große analytische Herausforderung, die Dr. Michael Krachler, ein führender Experte auf dem Gebiet der Sb-Bestimmung in Umweltproben, vor kurzem erfolgreich meisterte. Für diese Aufgabe machte sich Dr. Krachler unter anderem die einzigartige Reinrauminfrastruktur, die am Institut für Umwelt-Geochemie verfügbar ist, zunutze. Zuvor war es ihm auf diese Art und Weise möglich, Antimon in Schnee- und Eisproben aus der kanadischen Arktis zu bestimmen.

Das unberührte, saubere Grundwasser enthielt nur 2 ng/L Sb. Das kommerziell in Flaschen abgefüllte Wasser überschritt diesen Wert typischerweise um das mehrere Hundertfache. Der Antimon-Gehalt des in Polypropylenflaschen abgefüllten Wassers war vergleichbar mit dem des sauberen Grundwassers und legt die Vermutung nahe, dass die PET-Flaschen für die erhöhten Sb-Konzentrationen verantwortlich sind. Obwohl deionisiertes Wasser sehr sauber sein sollte, enthielt es, wenn es in PET-Flaschen abgefüllt wurde, vergleichbare Mengen an Sb wie die anderen Wässer in PET-Flaschen. Analysen der durch die Abfüllung des sauberen Grundwassers in PET-Flaschen erhaltenen Wasserproben bestätigten sehr schnell, dass die Flaschen das Wasser durch Abgabe von Antimon verunreinigen.

Der Vergleich dreier Markenwässer aus Deutschland, die sowohl in Glas- als auch in PET-Flaschen erhältlich sind, zeigte, dass Wasser in PET-Flaschen bis zu 30-mal höhere Antimon-Gehalte aufweist. Als endgültigen Beweis der Verunreinigungshypothese beprobte Prof. Shotyk Wasser von einer kommerziellen deutschen Quelle. Vor der Abfüllung enthielt dieses Wasser nur 4 ng/L Sb. Die Antimon-Konzentration des in einem lokalen Supermarkt gekauften und in PET-Flaschen abgefüllten Wassers derselben Marke stieg deutlich an und betrug 360 ng/L Sb. Proben dieses Wassers in PET-Flaschen, das drei Monate zuvor gekauft wurde, enthielten sogar 630 ng/L Sb.

Obwohl der Antimon-Gehalt aller getesteten Markenwässer deutlich unter dem in den Trinkwasserverordnungen verschiedener Länder empfohlenen Grenzwerten lag, sagt Shotyk, dass die kontinuierliche Abgabe von Antimon aus der Flasche in die Flüssigkeit stört. "Es gibt höchstwahrscheinlich keinen nützlichen Effekt der Antimon-Verunreinigung." Er stellt weiterhin heraus, dass in Japan PET mittels Titan - einem Element, das praktisch unlöslich und ungefährlich ist - anstelle des potentiell toxischen Antimon hergestellt wird.

Rückfragen bitte an:
Prof. Dr. William Shotyk
Institut für Umwelt-Geochemie
Universität Heidelberg
INF 236, D-69120 Heidelberg
Tel. (06221) 544803, Fax (06221) 545228
shotyk@ugc.uni-heidelberg.de

Dr. Michael Krachler
Institut für Umwelt-Geochemie
Universität Heidelberg
Tel. (06221) 544848, Fax (06221) 545228
krachler@ugc.uni-heidelberg.de

Dr. Michael Schwarz
Pressesprecher der Universität Heidelberg
michael.schwarz@rektorat.uni-heidelberg.de

Dr. Michael Schwarz | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-heidelberg.de
http://www.akademie-fuer-weiterbildung.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Bakterien aus dem Blut «ziehen»
07.12.2016 | Empa - Eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt

nachricht HIV: Spur führt ins Recycling-System der Zelle
07.12.2016 | Forschungszentrum Jülich

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Im Focus: Significantly more productivity in USP lasers

In recent years, lasers with ultrashort pulses (USP) down to the femtosecond range have become established on an industrial scale. They could advance some applications with the much-lauded “cold ablation” – if that meant they would then achieve more throughput. A new generation of process engineering that will address this issue in particular will be discussed at the “4th UKP Workshop – Ultrafast Laser Technology” in April 2017.

Even back in the 1990s, scientists were comparing materials processing with nanosecond, picosecond and femtosesecond pulses. The result was surprising:...

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Im Focus: Shape matters when light meets atom

Mapping the interaction of a single atom with a single photon may inform design of quantum devices

Have you ever wondered how you see the world? Vision is about photons of light, which are packets of energy, interacting with the atoms or molecules in what...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Das Universum enthält weniger Materie als gedacht

07.12.2016 | Physik Astronomie

Partnerschaft auf Abstand: tiefgekühlte Helium-Moleküle

07.12.2016 | Physik Astronomie

Bakterien aus dem Blut «ziehen»

07.12.2016 | Biowissenschaften Chemie