Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Schützende Hülle für Probiotika

10.01.2006


ttz-Wissenschaftler schicken probiotische Bakterien auf eine sichere Reise durch den Körper


Erste verkapselte Mikroorganismen
MICAP GmbH


MICAP GmbH



Abgefüllt in kleinen Fläschchen oder gut verpackt in zahlreichen Joghurtbechern warten sie im Kühlregal auf ihre Verbraucher. Die Rede ist von probiotischen Bakterien. Im optimalen Fall werden diese lebenden Mikroorganismen in Form von Joghurt oder anderen Milcherzeugnissen konsumiert. Überstehen sie dann die Reise durch Magen- und Dünndarmtrakt, können sie im Dickdarm Gesundheit und Wohlbefinden des Konsumenten positiv beeinflussen. Problematisch ist, dass viele Probiotika den Darm nicht lebend erreichen und so ihre Wirkung verfehlen. In dem EU-Forschungsprojekt FLOCAP arbeiten Forscher des Technologie-Transfer-Zentrums Bremerhaven (ttz) zusammen mit neun weiteren Projektpartnern an der Mikroverkapselung von probiotischen Bakterien. Ende des vergangenen Jahres trafen sich die Partner zur Projekthalbzeit am ttz und konnten erste Erfolge verzeichnen.



Bremerhaven, Januar 2006. Das Zweijahresprojekt FLOCAP* hat zum Ziel, die Wirkung probiotischer Lebensmittel zu verbessern. Eine Steigerung der Abwehrkräfte, Förderung der Milchzuckerverdauung bei Menschen mit Lactoseintoleranz, vorbeugende Wirkung gegen Darmkrebs sind nur einige der gesundheitlichen Vorteile, die probiotische Bakterien im Darm bewirken können. Der Weg um die lebenden Kulturen zu stabilisieren, geht im Forschungsprojekt über einen besonderen Schutzmechanismus. Dieser soll gewährleisten, dass die probiotischen Bakterien sicher zu ihrem Wirkungsort gelangen. Ein sanftes Verfahren der Mikroverkapselung soll im Projekt FLOCAP bis zur Anwendungsreife für die Lebensmittelindustrie entwickelt werden. "Bei der Mikroverkapselung erhalten die lebenden Organismen eine schützende Hülle aus Polymeren. In diesem Schutzmantel überleben die Probiotika im optimalen Fall verschiedenste Belastungen, die bei der Produktion und auf dem Weg durch den Magen-Darm-Trakt entstehen," erklärt ttz-Projektleiterin Marta Macias, die die Gesamtkoordination des Projektes verantwortet.

Die entsprechende, bereits patentierte Technologie (Flow Focusing Technologie) entwickelte das spanische Forschungsunternehmen Ingeniatrics Tecnologías S.L. in Zusammenarbeit mit der spanischen Universität von Sevilla. Beim Projekttreffen Ende des Jahres 2005 am ttz konnte der Forschungspartner MICAP GmbH aus Bremerhaven bereits erste verkapselte Probiotika präsentieren, die die Bremerhavener Firma mit dem spanischen Prototyp erzeugt hatte. "Unter dem Mikroskop sehen die angefärbten Mikroorganismen wie kleine Kügelchen aus. Diese sind aber bei einer Größe von rund 30 Mikrometern so klein, das sie beim Konsum auf der Zunge nicht mehr wahrgenommen werden," beschreibt Macias die verkapselten Bakterien. Bis zum Projektende wollen die Partner das Verfahren für den Einsatz in der Lebensmittelindustrie optimieren.

"Diese sanfte Verkapselung von probiotischen Mikroorganismen stellt ein zukunftsweisendes Verfahren für die Herstellung gesundheitsfördernder Lebensmittel dar. Wir sind mit FLOCAP auf dem Weg tatsächlich die Wirkung mit probiotischen Lebensmitteln zu erreichen, die in vielen Fällen von Werbung in der Vergangenheit zwar versprochen, aber nicht nachgewiesen werden konnte," kommentiert ttz-Geschäftsführer Werner Mlodzianowski das FLOCAP Projekt.

Das Projekt FLOCAP wird mit einer Gesamtfördersumme der Europäischen Kommission von rund 570.000 Euro unterstützt. Folgende Partner aus Industrie und Forschung arbeiten mit dem ttz Bremerhaven (Koordinator und Forschungspartner) in dem EU-Projekt zusammen: Ingeniatrics Tecnologías S.L. (Spanien), MICAP GmbH (Bremerhaven), PROBI AB (Schweden), Meierei Genossenschaft e.G. Langenhorn, CONFIPACK S.A. (Spanien), Sunnyland Belgium S.A. (Belgien), Newmarket Coop. Creamery Ltd (Irland), Universitiy of Seville (Spanien) und das Fraunhofer Institut für angewandte Polymerforschung (Potsdam).

*Projektbezeichnung im Förderprogramm der Europäischen Kommission: COOP-CT-2004-513144-FLOCAP

Dem ttz Bremerhaven sind sechs Forschungsinstitute zugehörig, die sich der Entwicklung moderner marktfähiger Produkte und Prozesse verschrieben haben. Dies sind jeweils das Umweltinstitut; das Bremerhavener Institut für Lebensmitteltechnologie und Bioverfahrenstechnik (BILB); das Institut für Energie- und Verfahrenstechnik (IEV); das Bremerhavener Institut für Gesundheitstechnologien (BIGT); das Bremerhavener Institut für Biologische Informationssysteme (BIBIS) sowie das Bremerhavener Institut für Organisation und Software (BIOS).

Kontakt:
Anke Janssen, ttz Bremerhaven, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit,
Tel. 0471 / 4832-121, Email: ajanssen@ttz-bremerhaven.de

Anke Janssen | idw
Weitere Informationen:
http://www.ttz-bremerhaven.de
http://www.flocap.net

Weitere Berichte zu: Bakterium FLOCAP Hülle Mikroorganismus Mikroverkapselung Probiotikum

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Aufräumen? Nicht ohne Helfer
19.10.2017 | Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

nachricht Einzelne Rezeptoren auf der Arbeit
19.10.2017 | Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Im Focus: Neutron star merger directly observed for the first time

University of Maryland researchers contribute to historic detection of gravitational waves and light created by event

On August 17, 2017, at 12:41:04 UTC, scientists made the first direct observation of a merger between two neutron stars--the dense, collapsed cores that remain...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Das Immunsystem in Extremsituationen

19.10.2017 | Veranstaltungen

Die jungen forschungsstarken Unis Europas tagen in Ulm - YERUN Tagung in Ulm

19.10.2017 | Veranstaltungen

Bauphysiktagung der TU Kaiserslautern befasst sich mit energieeffizienten Gebäuden

19.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Aufräumen? Nicht ohne Helfer

19.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Neue Biotinte für den Druck gewebeähnlicher Strukturen

19.10.2017 | Materialwissenschaften

Forscher studieren molekulare Konversion auf einer Zeitskala von wenigen Femtosekunden

19.10.2017 | Physik Astronomie