Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wissenschaftler/innen untersuchen Faktoren für die Empfänglichkeit von Eichen für Misteln

20.12.2005


Prof. Dr. Dr. Ewald Schnug und Doktorandin Heike Steckel bei der Analyse von Schwermetallen in Misteln. Foto: FAL-PB


Hartmut Ramm bei der Ernte von Eichenmisteln als Grundstoff für die Herstellung von Krebspräparaten. Foto: J. Buess, V.f.K.


Den alten Germanen war die Mistel (lateinisch: "Viscum album", was "weißer Schleim" bedeutet und auf die klebrigen Eigenschaften der weißen Beeren hinweist) (Foto 1) heilig, weil sie zwischen Himmel und Erde lebend und auch im Winter grün, die Kontinuität des Lebens und der Fruchtbarkeit symbolisierte. Aus diesem Glauben geblieben ist der Brauch zu Weihnachten und zum Jahreswechsel, unter dem Mistelzweig Küsse zu tauschen. Die Mistel ist aber nicht nur Stoff für Mythen, sondern auch Inhalt wertvoller Medikamente. Als Heilmittel gegen die "Fallsucht" (Epilepsie) kennt man die Mistel schon ein halbes Jahrtausend vor Christi Geburt.

... mehr zu:
»Eichen »HISCIA »Mangan »Mistel »Misteln

Schon vor 100 Jahren erkannte der Geisteswissenschaftler Rudolf Steiner die Bedeutung der Misteln für die Krebstherapie und heute sind Mistelpräparate als Naturheilmittel gegen Krebserkrankungen anerkannt. Für die Herstellung der Krebspräparate werden bevorzugt Misteln von Eichen genommen, die aber sind selten, und die Stellen, an denen sie wachsen, wie schon zu Zeiten der Druiden sozusagen ein "Betriebsgeheimnis". Die Ursachen, warum Eichen nur an bestimmten Standorten für Misteln empfänglicher sind, untersuchte Hartmut Ramm (Foto 2) vom Institut HISCIA im schweizerischen Arlesheim und Gastwissenschaftler am Institut für Pflanzenernährung und Bodenkunde der Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft (FAL) in Braunschweig.

Natürliche Vorkommen von Eichenmisteln sind im Wesentlichen auf Frankreich beschränkt und zählen dort nur wenige hundert Exemplare. Die Ergebnisse zeigen, dass auf diesen Standorten die Böden saurer sind und einen wesentlich höheren Gehalt an verfügbarem Mangan haben. Eine gute Mangan-Versorgung ist aber ein wichtiger Faktor für die Vitalität von Eichen. Die daraus resultierende Tendenz zu vermehrtem Sprosswachstum (längere Internodien, größere Blätter, häufigerer Knospenaustrieb im Vegetationsjahr) werden mit einer Verringerung der passiven Abwehrmechanismen (z.B. dichtere Textur verkürzter Zweige) in Zusammenhang gebracht, wodurch der Halbschmarotzer in der Wirtsrinde auf weniger Widerstand trifft. Nach 7-jährigem Wachstum in einem Gefäßversuch wuchsen Misteln in der sauren Bodenvariante auf 42%, auf der alkalischen Bodenvariante hingegen nur auf 8% der jungen Eichen. Die Erkenntnisse seiner Arbeit hat Hartmut Ramm bereits erfolgreich in die Praxis umgesetzt: die Anzahl der bei HISCIA kultivierten Misteleichen hat mit rund 350 Bäumen fast die Zahl der bekannten natürlichen Misteleichen in Frankreich erreicht.


Die Vorliebe der Mistel, Schwermetalle anzureichern, betrifft bevorzugt Mangan. Für die aus Misteln gewonnenen Medikamente bedeutet dies einen weiteren Vorteil, denn bei der physiologischen Wirkung der Mistelpräparate gegen Krebs hat Mangan über die Bindung an das Enzym Superoxid-Dismutase (Mn-SOD) eine wichtige fördernde Funktion.

Kontakte:

Prof. Dr. Dr. Ewald Schnug und Dir. u. Prof. Dr. Silvia Haneklaus, Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft (FAL), Institut für Pflanzenernährung und Bodenkunde, Bundesallee 50, D-38116 Braunschweig, E-Mail: pb@fal.de;
Hartmut Ramm, HISCIA Verein für Krebsforschung, Kirschweg 9, CH 4144 Arlesheim, E-Mail: ramm@hiscia.ch

Margit Fink | idw
Weitere Informationen:
http://www.fal.de

Weitere Berichte zu: Eichen HISCIA Mangan Mistel Misteln

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Geteiltes Denken ist doppeltes Denken
19.01.2017 | Hertie-Institut für klinische Hirnforschung (HIH)

nachricht Neue CRISPR-Methode enthüllt Genregulation einzelner Zellen
19.01.2017 | CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Im Focus: Traffic jam in empty space

New success for Konstanz physicists in studying the quantum vacuum

An important step towards a completely new experimental access to quantum physics has been made at University of Konstanz. The team of scientists headed by...

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Im Focus: How gut bacteria can make us ill

HZI researchers decipher infection mechanisms of Yersinia and immune responses of the host

Yersiniae cause severe intestinal infections. Studies using Yersinia pseudotuberculosis as a model organism aim to elucidate the infection mechanisms of these...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

Bundesweiter Astronomietag am 25. März 2017

17.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Flashmob der Moleküle

19.01.2017 | Physik Astronomie

Tollwutviren zeigen Verschaltungen im gläsernen Gehirn

19.01.2017 | Medizin Gesundheit

Fraunhofer-Institute entwickeln zerstörungsfreie Qualitätsprüfung für Hybridgussbauteile

19.01.2017 | Verfahrenstechnologie