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Garnelen in Mitteldeutschland - Sensationeller Fund im Scheinwerferlicht

30.11.2005


Abb. 1: Kopf, Mundwerkzeuge und Extremitäten des Brustbereiches von unten gesehen(Rasterelektronenmikroskopische Aufnahme, Vergrößerung 50fach) Prof. Dr. Gerald Moritz


Abb. 2: Chromatophore (Zelle mit rotem Pigment) an der Basis des Schwanzfächers (Vergrößerung 400fach) Prof. Dr. Gerald Moritz


Garnelen in einem mitteldeutschen Binnensee - eine biologische Sensation! Entdeckt wurde diese vor kurzem, bei Nacht und mit Scheinwerferlicht, von den beiden Sporttauchern Heinz Salzmann und Siegfried Berger im nahe der Saalestadt Halle gelegenen Hufeisensee.

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»Fund »Hemimysis »Ostsee

Prof. Dr. Gerald Moritz, Entwicklungsbiologe an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, identifizierte die sogenannten Schwebegarnelen als Hemimysis anomala, eine ursprünglich im östlich-mediterranen Raum heimische, aber auch schon in der Ostsee bis nach Finnland beobachtete Art.

Der Hufeisensee ist eines der größten und mit 28 m auch eines der tiefsten im Raum Halle vorkommenden Oberflächengewässer. Das Bodenprofil des Sees wurde vor mehreren Jahren im Rahmen eines Projektes der Stadtverwaltung Halle mit Echolotmessungen aufgenommen und zeigt im östlichen Schenkel in einer Tiefe von durchschnittlich 15 bis 20 m eine längs verlaufende, stark zerklüftete Rinne (Moritz 1992). Die Sichttiefe ist im Vergleich mit anderen Oberflächengewässern im Raum Halle sehr gut und erreicht jahreszeitlich bedingt teilweise über 6 m.


Bei einem Nachttauchgang im September 2005 machten die beiden erfahrenen und biologisch äußerst versierten Sporttaucher Heinz Salzmann und Siegfried Berger im östlichen Schenkel des Sees in 3 m Tiefe eine sensationelle Entdeckung - vor dem Schlamm eines alten untergegangenen Kahns beobachteten sie im künstlichen Licht ihrer Scheinwerfer ein massenhaftes Vorkommen einer sogenannten Schwebegarnele, die Prof. Gerald Moritz im Institut für Zoologie als Hemimysis anomala identifizieren konnten (Abb. 1). Aufgrund der heutigen Verbreitung dieser Glasgarnele wird sie zu den invasiven aquatischen Organismen gerechnet, die aus der ehemaligen östlich-mediterranen Region, insbesondere dem Schwarzmeergebiet und dem Kaspischen Meer nun auch im Bereich der Ostsee bis nach Finnland beobachtet werden kann. Meldungen aus den Niederlanden zeigen, dass diese Art auf dem Sprung ist, Westeuropa zu erobern. In Deutschland wurde diese Art erstmals 1997 erwähnt. Funde sind seitdem aus einigen Fliessgewässern (Mündungsregion des Rheins, Stichkanal bei Salzgitter) bekannt. Das zahlreiche Vorkommen dieser schwarmbildenden Schwebegarnelen im Hufeisensee ist somit für ein stehendes und weitestgehend isoliertes Oberflächengewässer, sowie für den ostdeutschen Raum und die Region Sachsen-Anhalt völlig neu. Auch bilden die allgemein in den Gewässern um Halle (griechisch: halos = Salz) gemessenen hohen Salinitätswerte optimale Lebensbedingungen.

Die Art ist durch zwei Augenflecken sowie einer kräftigen roten Markierung an der Basis des Schwanzfächers zu erkennen. Eine weniger starke, aber dennoch zu bemerkende rote Pigmentierung fällt auf der Bauch- und Rückenseite der Segmente des Pleons (Hinterleib) durch bemerkenswerte Chromatophoren (Zellen mit Farbstoffinhalten, Abb. 2) auf. Die Weibchen konnten im September und Oktober immer mit Brutsack und darin enthaltenen, zahlreichen Eiern gefunden werden. Hemimysis anomala ist eine Art, die den dunkleren Bereich des Wasserkörpers bevorzugt besiedelt und hier in Schwärmen vor dem Lichtkegel der Taucherlampe auftaucht. Da die Tiere immer auffällig auf die Lichtquelle sich zu bzw. von ihr weg bewegen, jedoch sich nie seitlich von ihr weg bewegen, nennt man dieses spezifische Verhalten Telotaxis.

Nähere Informationen:
Lehr- und Forschungsbereich Entwicklungsbiologie
der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Fachbereich Biologie
Prof. Dr. Gerald Moritz
Telefon: 0345 55-26430
E-Mail: gerald.moritz@zoologie.uni-halle.de

Dr. Margarete Wein | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-halle.de

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