Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Schweizer Archäologen entdecken ausgestorbenes Riesenkamel

17.11.2005


Bei Ausgrabungen in der Zentralsyrischen Steppe haben Archäologen der Universität Zürich und der Universität Basel aussergewöhnlich grosse Knochen entdeckt, die unverkennbar von einem riesigen Kamel stammen müssen.


Knochen des Riesenkamels im Vergleich zu heutigen Form


Forscher der Universitäten Zürich und Basel bei der Arbeit in Syrien.



Der Fund ist überraschend und spektakulär zugleich: Riesige Knochen, rund 100’000 Jahre alt, knapp doppelt so gross, wie sie eigentlich zu erwarten wären. "Wir haben sofort gewusst: das ist eine neue Tierart", freut sich Jean-Marie Le Tensorer, Professor für Urgeschichte an der Universität Basel. Seit bald 20 Jahren führt er als Archäologe Grabungen in der Syrischen Steppe durch. Beim kleinen Dorf El Kowm, ungefähr 120 Kilometer nordöstlich von Palmyra, hatte Le Tensorer mit seinem Team begonnen, eine der ältesten Siedlungsstätten der Welt auszugraben, eine Stelle, an der während gut einer Million Jahre fortwährend Menschen gelebt haben. Zwischen unzähligen Steinwerkzeugen und Tierknochen dann die Sensation: Schulter-, Bein- und Kieferknochen, die nicht ins Bild der hier üblichen Funde passen wollten.

... mehr zu:
»Fund »Kamel »Knochen »Riesenkamel


Fast so gross wie eine Giraffe

Für den Anthropologen Dr. Peter Schmid von der Universität Zürich, Co-Leiter des Schweizerischen Nationalfonds-Projektes, steht ausser Frage: "Es handelt sich bei diesen Knochen um eine bisher unbekannte Kamelart mit einer Schulterhöhe von über 3 Metern. Das ist beinahe anderthalb bis zwei Mal höher als bei den heutigen Arten. Dieses Kamel war fast so gross wie eine Giraffe." An einem der gefundenen Fussknochen lässt sich die Zugehörigkeit zur Verwandtschaft der Kamele besonders gut erkennen: Die Ansätze für die Zehen sind derart weit gespreizt, wie dies nur bei Kamelen zu finden ist. Denn als Anpassung an ihre Lebensweise in sandigen Gebieten können Dromedare und Kamele ihre Zehen extrem ausspreizen, um im weichen Untergrund weniger einzusinken. Für den Urgeschichtler Jean-Marie Le Tensorer ist dieser Fund von besonders grosser Bedeutung, weil die Knochen in unmittelbarem Zusammenhang mit Werkzeugen von Steinzeitmenschen gefunden wurden. Das Riesenkamel wurde also möglicherweise von den damaligen Jägern gejagt und auch erbeutet. "Dieser Fund ist aber auch deshalb sensationell, weil es uns bei der Klärung der Evolution der Kamele behilflich sein kann", ist Peter Schmid überzeugt. Denn über die Verwandtschaft und die Entstehung der Kamele ist bisher nur sehr wenig bekannt. So weiss man zum Beispiel noch nicht, was es zuerst gab: das einhöckrige Dromedar oder das zweihöckrige Kamel.

Kontakt:
Prof. Jean-Marie Le Tensorer, IPNA - Institut für Prähistorische und Naturwissenschaftliche Archäologie, Universität Basel
Tel. +41 61 201 02 23
E-Mail: jean-marie.letensorer@unibas.ch

Peter Schmid, Anthropologisches Institut und Museum der Universität Zürich
Tel +41 44 635 54 23
E-Mail: smidi@aim.unizh.ch

Beat Müller | idw
Weitere Informationen:
http://www.unizh.ch/

Weitere Berichte zu: Fund Kamel Knochen Riesenkamel

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Forscher finden neue Ansätze gegen Wirkstoffresistenzen in der Tumortherapie
15.12.2017 | Universität Leipzig

nachricht Moos verdoppelte mehrmals sein Genom
15.12.2017 | Philipps-Universität Marburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Immunsystem - Blutplättchen können mehr als bislang bekannt

LMU-Mediziner zeigen eine wichtige Funktion von Blutplättchen auf: Sie bewegen sich aktiv und interagieren mit Erregern.

Die aktive Rolle von Blutplättchen bei der Immunabwehr wurde bislang unterschätzt: Sie übernehmen mehr Funktionen als bekannt war. Das zeigt eine Studie von...

Im Focus: First-of-its-kind chemical oscillator offers new level of molecular control

DNA molecules that follow specific instructions could offer more precise molecular control of synthetic chemical systems, a discovery that opens the door for engineers to create molecular machines with new and complex behaviors.

Researchers have created chemical amplifiers and a chemical oscillator using a systematic method that has the potential to embed sophisticated circuit...

Im Focus: Nanostrukturen steuern Wärmetransport: Bayreuther Forscher entdecken Verfahren zur Wärmeregulierung

Der Forschergruppe von Prof. Dr. Markus Retsch an der Universität Bayreuth ist es erstmals gelungen, die von der Temperatur abhängige Wärmeleitfähigkeit mit Hilfe von polymeren Materialien präzise zu steuern. In der Zeitschrift Science Advances werden diese fortschrittlichen, zunächst für Laboruntersuchungen hergestellten Funktionsmaterialien beschrieben. Die hiermit gewonnenen Erkenntnisse sind von großer Relevanz für die Entwicklung neuer Konzepte zur Wärmedämmung.

Von Schmetterlingsflügeln zu neuen Funktionsmaterialien

Im Focus: Lange Speicherung photonischer Quantenbits für globale Teleportation

Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Quantenoptik erreichen mit neuer Speichertechnik für photonische Quantenbits Kohärenzzeiten, welche die weltweite...

Im Focus: Long-lived storage of a photonic qubit for worldwide teleportation

MPQ scientists achieve long storage times for photonic quantum bits which break the lower bound for direct teleportation in a global quantum network.

Concerning the development of quantum memories for the realization of global quantum networks, scientists of the Quantum Dynamics Division led by Professor...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Call for Contributions: Tagung „Lehren und Lernen mit digitalen Medien“

15.12.2017 | Veranstaltungen

Die Stadt der Zukunft nachhaltig(er) gestalten: inter 3 stellt Projekte auf Konferenz vor

15.12.2017 | Veranstaltungen

Mit allen Sinnen! - Sensoren im Automobil

14.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Weltrekord: Jülicher Forscher simulieren Quantencomputer mit 46 Qubits

15.12.2017 | Informationstechnologie

Wackelpudding mit Gedächtnis – Verlaufsvorhersage für handelsübliche Lacke

15.12.2017 | Verfahrenstechnologie

Forscher vereinfachen Installation und Programmierung von Robotersystemen

15.12.2017 | Energie und Elektrotechnik