Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Niederschläge regional erforschen

17.11.2005


Es gibt neue Verfahren, um natürliche Schwankungen der Niederschlagsmenge anhand urzeitlichen Pflanzenmaterials zu erforschen. Professor Ralph Schneider von der Kieler Universität verfolgte die Entwicklung der Niederschläge im Tropischen Afrika während der letzten 20.000 Jahre und entwickelte dabei eine Methode, mit der sich vergangenes Niederschlagsgeschehen nachvollziehen lässt.



Das Untersuchungsmaterial stammt von einem Bohrkern aus dem Mündungsdelta des Kongo. Da das pflanzliche Material mit den Niederschlägen in den Fluss und dann ins Meer getrieben war, gibt der Bohrkern vom Boden des Deltas auch Auskunft über die klimatische Vergangenheit an Land.

... mehr zu:
»Niederschlag »Ozean »Wachsschicht


"Wir können so zum ersten Mal regionale Muster ausmachen", folgert der Kieler Paläoklimaforscher Schneider, "häufig entdecken wir nämlich in unterschiedlichen Gebieten gegenläufige Entwicklungen. Das Wichtigste ist deshalb, dass wir nun die regionale Klimaentwicklung der Vergangenheit überall erforschen können, wo Flüsse ins Meer münden. Während man bisher Niederschläge nur auf den Kontinenten untersuchen konnte, hat unsere neue Methode einen entscheidenden Vorteil: Regionale Niederschlagsmuster auf den Kontinenten lassen sich nun mit Temperaturveränderungen im Ozean für viele Jahrhunderte oder Jahrtausende vergleichen."

Um auf zukünftige Entwicklungen reagieren zu können, sei es unerlässlich, sich mit den Klimaveränderungen der Vergangenheit zu beschäftigen. "Der Klimawechsel wird uns in Zukunft Reaktionen abverlangen, die ganz auf die regionalen Gegebenheiten abgestimmt sind. Gerade am Beispiel Afrika sehen wir, dass die Veränderungen je nach Region ganz unterschiedlich sein können: Während ein Gebiet austrocknet, wird ein anderes zunehmend von Überschwemmungen bedroht. Globale Handlungsmuster führen meines Erachtens nicht zum Ziel, vielmehr brauchen wir individuelle Vorsorge für unterschiedliche Zonen (etwa den östlichen oder westlichen Mittelmeerraum)."

Da Klima und Niederschläge auch zukünftig vor allem von Strömungsverhältnissen in den Ozeanen der Welt abhängen, sei es unabdingbar, noch neue Forschungsprojekte auf den Weg zu bringen, die die Verteilung der Wassermassen und die Temperatur in allen Ozeanen erkunden.

Das neue Verfahren isoliert Kohlenstoff und Wasserstoff aus den Wachsschichten, mit denen sich die Blätter umgeben. Die Analyse des Kohlenstoffs gibt genaue Auskunft darüber, wie alt das pflanzliche Material ist und von welcher Pflanze es stammt. Anhand der Wasserstoffisotopen lässt sich ermessen, wie viel Niederschläge es zu dem bestimmten Zeitpunkt gab. Professor Pieter Grootes, Kieler Kooperationspartner und Spezialist für die Radiokarbonmethode:

"Der Niederschlag ist per Photosynthese in die Wachsschicht der Blätter eingegangen. Die neue Methode erlaubt uns, das Wasserstoffsignal zu analysieren. Sie wird den Klimaforschern ganz neue Fragestellungen eröffnen."

Als Kooperationspartner hatte Ralph Schneider vom Institut für Geowissenschaften der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel das ebenfalls an der Kieler Uni beheimatete Leibniz-Labor für Altersbestimmung und Isotopenforschung gewonnen sowie Dr. Stefan Schouten (Royal Netherlands Institute of Marine Research in Texel), Dr. Enno Schefuß (Universität Bremen) und Professor Jürgen Rullkötter (Universität Oldenburg). Gemeinsam konnten sie mit den vorliegenden Ergebnissen das Projekt der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) "Radiokarbondatierung an organischen Komponenten aus Sedimenten in Afrika" abschließen und in der Fachzeitschrift "Nature" veröffentlichen.

Kontakt:
Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
Professor Dr. Ralph Schneider
Tel. 0431/880-1457 oder -2095
schneider@gpi.uni-kiel.de

Susanne Schuck | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-kiel.de/

Weitere Berichte zu: Niederschlag Ozean Wachsschicht

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Diabetesforschung: Neuer Mechanismus zur Regulation des Insulin-Stoffwechsels gefunden
06.12.2016 | Universität Osnabrück

nachricht Was nach der Befruchtung im Zellkern passiert
06.12.2016 | Helmholtz Zentrum München - Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Im Focus: Significantly more productivity in USP lasers

In recent years, lasers with ultrashort pulses (USP) down to the femtosecond range have become established on an industrial scale. They could advance some applications with the much-lauded “cold ablation” – if that meant they would then achieve more throughput. A new generation of process engineering that will address this issue in particular will be discussed at the “4th UKP Workshop – Ultrafast Laser Technology” in April 2017.

Even back in the 1990s, scientists were comparing materials processing with nanosecond, picosecond and femtosesecond pulses. The result was surprising:...

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Im Focus: Shape matters when light meets atom

Mapping the interaction of a single atom with a single photon may inform design of quantum devices

Have you ever wondered how you see the world? Vision is about photons of light, which are packets of energy, interacting with the atoms or molecules in what...

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Innovationen für eine nachhaltige Forstwirtschaft

06.12.2016 | Agrar- Forstwissenschaften

Diabetesforschung: Neuer Mechanismus zur Regulation des Insulin-Stoffwechsels gefunden

06.12.2016 | Biowissenschaften Chemie

Was nach der Befruchtung im Zellkern passiert

06.12.2016 | Biowissenschaften Chemie