Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Stickoxid in Biologie und Medizin

27.09.2001


Stickoxid ist auch ein wichtiges Signalmolekül, das von den verschiedensten Zelltypen als Kommunikationsmittel eingesetzt wird, zum Beispiel von Nervenzellen. Jedes Jahr erscheinen zur Stickoxidforschung weltweit etwa 6.000 wissenschaftliche Publikationen, wobei nahezu alle Fachgebiete in der Biologie und Medizin betroffen sind. 1998 wurde den Pionieren dieser Forschungsrichtung der Nobelpreis verliehen.

"Noch bis Ende der 80er Jahre kannten selbst Wissenschaftler Stickoxid gerade mal als Verbrennungsprodukt von Luft, in Abgasen enthalten, die unsere Wälder schädigen, vielleicht sogar uns selbst", berichtet der Gastgeber der Tagung, Professor Gerald Wolf, der an der Magdeburger Uni das Institut für Medizinische Neurobiologie leitet. "Die Überraschung war komplett, als sich herausstellte, dass dieses Molekül, chemisch gesehen ein Radikal, in Zellen unseres Organismus produziert wird. Stickoxid ist nicht etwa ein Zufallsprodukt. Vielmehr bilden die Zellen mit Hilfe bestimmter Enzyme, den Stickoxidsynthasen, dieses Radikal nach Art eines biologischen Programms."

In seinen Untersuchungen verfolgt Prof. Wolf gemeinsam mit seinen Mitarbeitern die Tätigkeitsspur von Stickoxid im Gehirn. "Wir wissen bereits sehr genau, dass Stickoxid ein bedeutendes Glied in einer ganzen Reihe von Faktoren darstellt, die zu Hirngewebsuntergängen führt. Das ist zum Beispiel beim Schlaganfall so, aber auch bei den so genannten primär degenerativen Erkrankungen, wie der Parkinson-Krankheit und sicherlich auch bei der Alzheimer-Krankheit, bekanntlich die häufigste Ursache für den Altersschwachsinn."

Das besondere Problem sei, so der Neurobiologe, dass für das Stickoxid sowohl krankheitsbegünstigende Wirkungen nachgewiesen werden können, als auch - oft zur gleichen Zeit, aber an einem anderen Wirkort - ein Schutzeffekt. Stickoxid und seine Folgeprodukte vermögen mit nahezu allen biologisch bedeutenden Molekülen zu reagieren.

Dazu der Neurobiologe Gerald Wolf: "Entsprechend unübersichtlich, ja widersprüchlich ist das Wirkungsspektrum. So erklärt sich auch, dass nicht einfach eine Pille zu erwarten ist, mit der durch Stickoxid verursachte Störungen und Krankheiten ’ganz einfach’ zu beheben sind."
Eine wichtige Rolle wird auf der Tagung auch die Frage spielen, unter welchen Umständen die Stickoxid bildenden Enzyme von den Zellen erzeugt werden, wie die mit ihnen verbundenen Stoffwechselwege zu enträtseln sind und wie sich die Zellen gegen die Schadwirkung des von ihnen selbst gebildeten Stickoxids schützen können.

Den Festvortrag zur Eröffnung der Tagung wird Prof. Dr. Vincent aus Vancouver halten. Der kanadische Wissenschaftler gehört zu den "Männern der ersten Stunde" in der Stickoxid-Forschung. Heute beschäftigt er sich mit den durch Stickoxid ausgelösten Signalwegen innerhalb der Zelle. Die Eröffnungsveranstaltung findet im Jahrtausendturm im Elbauenpark statt. Tagungsort für das wissenschaftliche Programm ist der Zentrale Hörsaal (Haus 22) auf dem Campus des Universitätsklinikums Magdeburg, Leipziger Straße 44.

Weitere Auskünfte erteilt gern:
Prof. Dr. Gerald Wolf, Direktor des Institutes für Medizinische Neurobiologie der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg,
Tel. 0391/67 14276,
E-Mail: gerald.wolf@medizin.uni-magdeburg.de

Kornelia Suske | idw
Weitere Informationen:
http://www.med.uni-magdeburg.de/fme/institute/imnb/.

Weitere Berichte zu: Enzym Neurobiologie Radikal Stickoxid

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Wegbereiter für Vitamin A in Reis
21.07.2017 | Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

nachricht Pharmakologie - Im Strom der Bläschen
21.07.2017 | Ludwig-Maximilians-Universität München

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Einblicke unter die Oberfläche des Mars

Die Region erstreckt sich über gut 1000 Kilometer entlang des Äquators des Mars. Sie heißt Medusae Fossae Formation und über ihren Ursprung ist bislang wenig bekannt. Der Geologe Prof. Dr. Angelo Pio Rossi von der Jacobs University hat gemeinsam mit Dr. Roberto Orosei vom Nationalen Italienischen Institut für Astrophysik in Bologna und weiteren Wissenschaftlern einen Teilbereich dieses Gebietes, genannt Lucus Planum, näher unter die Lupe genommen – mithilfe von Radarfernerkundung.

Wie bei einem Röntgenbild dringen die Strahlen einige Kilometer tief in die Oberfläche des Planeten ein und liefern Informationen über die Struktur, die...

Im Focus: Molekulares Lego

Sie können ihre Farbe wechseln, ihren Spin verändern oder von fest zu flüssig wechseln: Eine bestimmte Klasse von Polymeren besitzt faszinierende Eigenschaften. Wie sie das schaffen, haben Forscher der Uni Würzburg untersucht.

Bei dieser Arbeit handele es sich um ein „Hot Paper“, das interessante und wichtige Aspekte einer neuen Polymerklasse behandelt, die aufgrund ihrer Vielfalt an...

Im Focus: Das Universum in einem Kristall

Dresdener Forscher haben in Zusammenarbeit mit einem internationalen Forscherteam einen unerwarteten experimentellen Zugang zu einem Problem der Allgemeinen Realitätstheorie gefunden. Im Fachmagazin Nature berichten sie, dass es ihnen in neuartigen Materialien und mit Hilfe von thermoelektrischen Messungen gelungen ist, die Schwerkraft-Quantenanomalie nachzuweisen. Erstmals konnten so Quantenanomalien in simulierten Schwerfeldern an einem realen Kristall untersucht werden.

In der Physik spielen Messgrößen wie Energie, Impuls oder elektrische Ladung, welche ihre Erscheinungsform zwar ändern können, aber niemals verloren gehen oder...

Im Focus: Manipulation des Elektronenspins ohne Informationsverlust

Physiker haben eine neue Technik entwickelt, um auf einem Chip den Elektronenspin mit elektrischen Spannungen zu steuern. Mit der neu entwickelten Methode kann der Zerfall des Spins unterdrückt, die enthaltene Information erhalten und über vergleichsweise grosse Distanzen übermittelt werden. Das zeigt ein Team des Departement Physik der Universität Basel und des Swiss Nanoscience Instituts in einer Veröffentlichung in Physical Review X.

Seit einigen Jahren wird weltweit untersucht, wie sich der Spin des Elektrons zur Speicherung und Übertragung von Information nutzen lässt. Der Spin jedes...

Im Focus: Manipulating Electron Spins Without Loss of Information

Physicists have developed a new technique that uses electrical voltages to control the electron spin on a chip. The newly-developed method provides protection from spin decay, meaning that the contained information can be maintained and transmitted over comparatively large distances, as has been demonstrated by a team from the University of Basel’s Department of Physics and the Swiss Nanoscience Institute. The results have been published in Physical Review X.

For several years, researchers have been trying to use the spin of an electron to store and transmit information. The spin of each electron is always coupled...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Den Geheimnissen der Schwarzen Löcher auf der Spur

21.07.2017 | Veranstaltungen

Den Nachhaltigkeitskreis schließen: Lebensmittelschutz durch biobasierte Materialien

21.07.2017 | Veranstaltungen

Operatortheorie im Fokus

20.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Einblicke unter die Oberfläche des Mars

21.07.2017 | Geowissenschaften

Wegbereiter für Vitamin A in Reis

21.07.2017 | Biowissenschaften Chemie

Den Geheimnissen der Schwarzen Löcher auf der Spur

21.07.2017 | Veranstaltungsnachrichten