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Umweltgift Vinylchlorid ist auch ein Produkt der Natur

27.09.2001


Vinylchlorid galt bisher als ein Paradebeispiel von gefährlichen Produkten aus dem Repertoire der industriellen Chlorchemie. Es ist die am meisten industriell produzierte Organochlorverbindung und Ausgangsstoff für PVC-Kunststoffe. Obwohl in der Natur eine Vielzahl von natürlichen halogenorganischen Verbindungen vorkommen, wurde diese Substanz bisher ausschließlich auf anthropogene Prozesse zurückgeführt. Heidelberger Forscher vom Institut für Umwelt-Geochemie der Universität Heidelberg haben in Zusammenarbeit mit dem Max-Planck-Institut in Lindau herausgefunden, dass Vinylchlorid auch auf natürlichem Wege gebildet wird.

Frank Keppler und seine Kollegen entdeckten einen bisher unbekannten chemischen Prozess im Boden, aus dem Vinylchlorid als Abbauprodukt organischer Substanz hervorgeht. In einer Reaktion zwischen Huminstoffen, Chlorid (aus den im Boden vorhandenen Salzen) und einem Oxidationsmittel (zum Beispiel dreiwertiges Eisen) können Vinylchlorid und andere gasförmige chlorierte Verbindungen entstehen.

Eine zweite Besonderheit: Zwar sind Pflanzenreste und anderes organisches Material für die Produktion von Vinylchlorid notwendig, es werden jedoch keine Mikroorganismen benötigt. Stattdessen verursachen anorganische Bodenkomponenten die Oxidation des organischen Materials. Verschiedene Feldmessungen bestätigen die natürliche Bildung von Vinylchlorid im Lebensraum Boden (Pedosphäre). So wurden in der Bodenluft von Salzmarschen an der deutschen Nordseeküste stark erhöhte Vinylchlorid-Konzentrationen gefunden. Nach Ansicht der Wissenschaftler ist es zurzeit noch schwierig, die Menge des natürlich gebildeten Vinylchlorids und die Auswirkungen auf die Umwelt abzuschätzen.

Die Ergebnisse werden erstmals auf der internationalen Tagung "Naturally Produced Organohalogens" vom 30. 9. bis 3.10.2001 in Heidelberg präsentiert. Weitere Kongressthemen sind im Internet unter der Adresse http://www.natural-organohalogens.com abrufbar.

Ansprechpartner: Dr. Frank Keppler
Universität Heidelberg, Institut für Umwelt-Geochemie
Im Neuenheimer Feld 236, 69120 Heidelberg
Tel. 06221 546003 
fkeppler@ix.urz.uni-heidelberg.de

allgemeine Rückfragen von Journalisten auch an:
Dr. Michael Schwarz
Pressesprecher der Universität Heidelberg
Tel. 06221 542310, Fax 542317 
michael.schwarz@rektorat.uni-heidelberg.de

Dr. Michael Schwarz | idw
Weitere Informationen:
http://www.natural-organohalogens.com/

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