Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wie Hormone das Wachstum von Pflanzen steuern

27.09.2001


Tübinger Entwicklungsgenetiker veröffentlichen Forschungsergebnisse in der Zeitschrift Nature

Wie bei Mensch und Tier wird auch bei Pflanzen das Wachstum über Hormone gesteuert. Damit sich Pflanzenzellen an bestimmten Stellen teilen oder strecken und die Pflanze wächst, muss das Wachstumshormon Auxin am richtigen Ort vorhanden sein. Auxin steuert zum Beispiel die Ausformung der Gestalt der Pflanze, indem die Gipfelknospe eines Zweiges das Austreiben der darunter liegenden Seitenknospen hemmt. Das Hormon sorgt auch dafür, dass Pflanzen sich beim Wachsen in Richtung einer Lichtquelle krümmen oder ihre Wurzeln in Richtung der Schwerkraft wachsen. Außerdem ist Auxin an der Ausbildung von wasser- und nährstoffleitenden Geweben beteiligt. Viele der Wirkungen des Auxins haben Wissenschaftler durch spezielle Hemmstoffe untersucht. Diese so genannten Auxin-Transport-Inhibitoren unterbrechen den Transport des Auxins auf seinem Weg zum Ort des Wachstums. Tübinger Biologen um Prof. Gerd Jürgens vom Zentrum für Molekularbiologie der Pflanzen der Universität Tübingen haben nun zusammen mit Kollegen vom Kölner Max-Delbrück-Laboratorium den Wirkungsmechanismus der Auxin-Transport-Inhibitoren aufgeklärt. Ihre Forschungsergebnisse werden in der heutigen Ausgabe der Fachzeitschrift Nature (Band 413, Heft 6854) veröffentlicht.

Wenn Auxin zur wachsenden Wurzelspitze transportiert wird, muss es durch die Zellen hindurch geschleust werden. Dazu gibt es spezielle Rezeptoren in der Zellmembran, der äußeren Hülle der Zelle. Der gerichtete Transport des Auxins kommt dadurch zu Stande, dass die Rezeptoren sich polar an einer Seite der Zelle sammeln. Bisher war bereits bekannt, dass Auxin-Transport-Inhibitoren nicht einfach das Auxin abfangen. Die Pflanzenphysiologen haben nun herausgefunden, dass die Hemmstoffe nicht die polare Ansammlung der Rezeptoren an einer Seite der Zelle stören. Vielmehr greifen sie beim Transport der Rezeptoren in der Zelle ein. Die Auxin-Rezeptoren wechseln dauernd zwischen internen Abteilen in der Zelle und der äußeren Zellmembran. Transportiert werden sie entlang dem so genannten Zellskelett, das man sich wie gespannte Fäden vorstellen kann, an denen die Rezeptoren entlangwandern. Werden Auxin-Transport-Inhibitoren hinzugegeben, wird der Fluss der Rezeptoren in der Zelle unterbunden.

Für die Forscher überraschend war die Feststellung, dass die Auxin-Transport-Inhibitoren auch den Transport von Membraneiweißen hemmten, die mit dem Auxinfluss nichts zu tun haben. Es liegt daher nahe, dass die Auxin-Transport-Inhibitoren nicht, wie angenommen, speziell das Auxin hemmen. Doch scheint das Transportsystem der Auxin-Rezeptoren in der Zelle besonders empfindlich und bei der Regulierung des Auxinflusses von großer Wichtigkeit zu sein. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass ein ständiger Fluss der Auxin-Rezeptoren in der Zelle für den gerichteten Auxin-Transport notwendig ist.

Die Arbeitsgruppe von Prof. Gerd Jürgens zielt mit ihren Forschungen an der Modellpflanze der Genetiker, der Ackerschmalwand (Arabidopsis thaliana), darauf ab, grundsätzliche Mechanismen in der Entwicklung von Pflanzen aufzuklären.


Nähere Informationen:

Prof. Gerd Jürgens, Tel. 0 70 71/2 97 88 87
Niko Geldner, Tel. 0 70 71/2 97 74 66
ZMBP, Zentrum für Molekularbiologie der Pflanzen
Entwicklungsgenetik
Auf der Morgenstelle 3
72076 Tübingen

Michael Seifert | idw

Weitere Berichte zu: Auxin Auxin-Transport-Inhibitoren Hormon Rezeptor Zelle

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Medikamente aus der CLOUD: Neuer Standard für die Suche nach Wirkstoffkombinationen
23.05.2017 | CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften

nachricht Mikro-Lieferservice für Dünger
23.05.2017 | Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Im Focus: Turmoil in sluggish electrons’ existence

An international team of physicists has monitored the scattering behaviour of electrons in a non-conducting material in real-time. Their insights could be beneficial for radiotherapy.

We can refer to electrons in non-conducting materials as ‘sluggish’. Typically, they remain fixed in a location, deep inside an atomic composite. It is hence...

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Im Focus: Neuer Ionisationsweg in molekularem Wasserstoff identifiziert

„Wackelndes“ Molekül schüttelt Elektron ab

Wie reagiert molekularer Wasserstoff auf Beschuss mit intensiven ultrakurzen Laserpulsen? Forscher am Heidelberger MPI für Kernphysik haben neben bekannten...

Im Focus: Wafer-thin Magnetic Materials Developed for Future Quantum Technologies

Two-dimensional magnetic structures are regarded as a promising material for new types of data storage, since the magnetic properties of individual molecular building blocks can be investigated and modified. For the first time, researchers have now produced a wafer-thin ferrimagnet, in which molecules with different magnetic centers arrange themselves on a gold surface to form a checkerboard pattern. Scientists at the Swiss Nanoscience Institute at the University of Basel and the Paul Scherrer Institute published their findings in the journal Nature Communications.

Ferrimagnets are composed of two centers which are magnetized at different strengths and point in opposing directions. Two-dimensional, quasi-flat ferrimagnets...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Diabetes Kongress 2017:„Closed Loop“-Systeme als künstliche Bauchspeicheldrüse ab 2018 Realität

23.05.2017 | Veranstaltungen

Aachener Werkzeugmaschinen-Kolloquium 2017: Internet of Production für agile Unternehmen

23.05.2017 | Veranstaltungen

14. Dortmunder MST-Konferenz zeigt individualisierte Gesundheitslösungen mit Mikro- und Nanotechnik

22.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Medikamente aus der CLOUD: Neuer Standard für die Suche nach Wirkstoffkombinationen

23.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Diabetes Kongress 2017:„Closed Loop“-Systeme als künstliche Bauchspeicheldrüse ab 2018 Realität

23.05.2017 | Veranstaltungsnachrichten

CAST-Projekt setzt Dunkler Materie neue Grenzen

23.05.2017 | Physik Astronomie