Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neue Methoden zur Qualitätssicherung von Obstsäften: Früherkennung von Bakterien im Saft

09.11.2005


Jeder kennt das: nach körperlichem Einsatz erst mal eine Erfrischung genießen und Obstsaft trinken. Ein unschönes Erlebnis, wenn der Saft anders schmeckt als sonst - irgendwie sauer, vergoren, fast alkoholisch. Schuld daran sind Milchsäurebakterien, die vor allem unter warmen Bedingungen den Apfelsaft kurzfristig in (Milchsäure-)Gärung versetzen. Wissenschaftler des ttz Bremerhaven arbeiten im Rahmen eines EU-Projektes an einem Früherkennungssystem dieser Milchsäurebakterien für die Saftindustrie.



Konsumiert der Verbraucher diesen durch Milchsäure vergorenen Saft, ist das völlig unschädlich, wenn auch unerfreulich. Im Rahmen der Obstsaftproduktion kleiner und mittelständischer Betriebe kann diese unerwünschte (Milchsäure-)Gärung (Fermentation) existenzvernichtend sein. Je nach Produktionsbedingungen und Beschaffenheit des Obstes können sich Milchsäurebakterien zunächst ganz unbemerkt im Saft vermehren. "Diese unerwünschte Vermehrung ist in vielen Fällen nicht auf Nachlässigkeit in der Produktion zurückzuführen. Die Milchsäurebakterien befinden sich ohnehin im Obst. Je nach Obstqualität variiert die Anzahl," erklärt Eva Martinez, Projektleiterin des neuen EU-Projektes QUALI-JUICE am deutschen Forschungsinstitut ttz Bremerhaven. Schlechte Wachstumsbedingungen verursacht durch zu feuchtes Klima können schon ausreichen, damit die Anzahl der Bakterien eine kritische Grenze erreicht. "Deswegen brauchen wir ein Frühwarnsystem, das den Produzenten europaweit rechtzeitig anzeigt, wenn die Milchsäurekonzentration steigt," erläutert Martinez.



Die Entwicklung eines solchen Systems ist Aufgabe des im Oktober gestarteten EU-Projekts QUALI-JUICE. Erst in der vergangen Woche trafen sich die 17 Partner aus den Ländern Deutschland, Österreich, Polen, Rumänien, Slowenien und Spanien zum Projektauftakt am ttz Bremerhaven. Forschungseinrichtungen, Safthersteller und Verbände haben sich zusammen geschlossen um ein effektives Frühwarnsystem zur rechtzeitigen Erkennung einer mikrobakteriellen Kontamination durch Milchsäurebakterien (Lactobacillae) zu entwickeln. In einem Projektzeitraum von drei Jahren mit einer Fördersumme von rund 1,1 Millionen Euro soll das System entwickelt und das Know-how über die Landesverbände an Produzenten in der EU weitergegeben werden. Hier sind vor allem die kleinen und mittelständischen Unternehmen gemeint, denen meist nicht die finanziellen Mittel zur Erforschung solcher Systeme zur Verfügung stehen. Außerdem sehen die Projektverantwortlichen in dem Projekt die Chance mögliche Schwachstellen im Herstellungsprozess zu erkennen und beheben. "Mit diesem Früherkennungssystem für Milchsäurebakterien haben wir die Möglichkeit, eine konstant hohe Produktqualität zu sichern und die Unternehmen vor wirtschaftlichem Schaden durch Produktionsverluste zu bewahren," erklärt Werner Mlodzianowski, Geschäftsführer des ttz Bremerhaven.

Von den Forschungsergebnissen des Projektes werden nicht nur die Saftproduzenten profitieren. Auch in den Bereichen, in denen Milchsäurebakterien gezielt bei der Produktion eingesetzt werden, wie zum Beispiel der Sauerkrautherstellung, sind unkomplizierte Verfahren zur schnellen Bestimmung der Milchsäurekonzentration willkommen.

Dem ttz Bremerhaven sind sechs Forschungsinstitute zugehörig, die sich der Entwicklung moderner marktfähiger Produkte und Prozesse verschrieben haben. Dies sind jeweils das Umweltinstitut; das Bremerhavener Institut für Lebensmitteltechnologie und Bioverfahrenstechnik (BILB); das Institut für Energie- und Verfahrenstechnik (IEV); das Bremerhavener Institut für Gesundheitstechnologien (BIGT); das Bremerhavener Institut für Biologische Informationssysteme (BIBIS) sowie das Bremerhavener Institut für Organisation und Software (BIOS).

Kontakt:
Anke Janssen, ttz Bremerhaven, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit;
Tel. 0471 / 4832-121; Email: ajanssen@ttz-bremerhaven.de

Anke Janssen | idw
Weitere Informationen:
http://www.ttz-bremerhaven.de

Weitere Berichte zu: Bakterium Milchsäurebakterien Saft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Evolutionsbiologie: Wie die Zellen zu ihren Kraftwerken kamen
22.06.2017 | Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf

nachricht Im Mikrokosmos wird es bunt: 124 Farben dank RGB-Technologie
22.06.2017 | Max-Planck-Institut für Biochemie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Im Focus: Forscher entschlüsseln erstmals intaktes Virus atomgenau mit Röntgenlaser

Bahnbrechende Untersuchungsmethode beschleunigt Proteinanalyse um ein Vielfaches

Ein internationales Forscherteam hat erstmals mit einem Röntgenlaser die atomgenaue Struktur eines intakten Viruspartikels entschlüsselt. Die verwendete...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

Forschung zu Stressbewältigung wird diskutiert

21.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Individualisierte Faserkomponenten für den Weltmarkt

22.06.2017 | Physik Astronomie

Evolutionsbiologie: Wie die Zellen zu ihren Kraftwerken kamen

22.06.2017 | Biowissenschaften Chemie

Spinflüssigkeiten – zurück zu den Anfängen

22.06.2017 | Physik Astronomie